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Canadian Solar – In der Zwickmühle zwischen KI-Hype und Explosion des Silberpreises
Der kanadische Konzern stemmt sich gegen den Preisdruck bei Solarmodulen. Wie geht’s weiter mit der Aktie?
Auf einer heftigen Berg- und Talfahrt war die Aktie von Canadian Solar in den vergangenen Monaten. Vom Mehr-Monats-Tief von 10 US-Dollar Anfang September schoss der Kurs bis auf 33,56 Dollar am 14. November, also einen Tag nach der Vorlage der Quartalszahlen, nach oben, um anschließend einzubrechen und zuletzt bis unter die Marke von 20 Dollar zu sinken, ehe es eine Erholung gab.
Für Rückenwind bei dem Papier hatte anfangs gesorgt, dass die Subventionskürzungen für Solaranlagen durch US-Präsident Donald Trump bei Weitem nicht so stark ausgefallen sind wie ursprünglich befürchtet. Vielmehr haben viele US-Versorger und andere Unternehmen etliche neue Projekte angestoßen, um noch in den Genuss der Förderung zu kommen, was das Geschäft der Solarfirmen auch in den Jahren 2026 und 2027 stabilisieren sollte.
Ende Oktober 2025 schoss die Aktie dann nach oben, als etliche chinesische Konkurrenten überraschend gute Ergebnisse vorgelegt hatten, ehe das Papier nach der Veröffentlichung der 9-Monats-Zahlen letztmals einen Satz nach oben machte.
Der Konzern ist ein kanadischer Hersteller von Solarmodulen und Batteriespeicherlösungen mit Firmensitz in Guelph in der Provinz Ontario, wobei ein wichtiger Teil der Produktion aus China kommt. Gegründet wurde die Firma im Jahr 2021 von Shawn Qu, der 1987 aus China nach Kanada ausgewandert war und derzeit Vorstandschef ist.
Das Unternehmen besteht aus zwei Geschäftsbereichen: Einerseits der Tochter CSI Solar, die die Solartechnik und Batteriespeicherlösungen produziert und andererseits dem kleinen Projektentwickler Recurrent Energy.
Im dritten Quartal ist der Umsatz um 1 Prozent auf 1,49 Milliarden Dollar gesunken (das Unternehmen bilanziert auf US-Dollar-Basis). Davon entfielen 44 Prozent auf den Heimatmarkt Nordamerika, der Rest aufs Auslandsgeschäft.
Während die Einnahmen von CSI Solar um 17 Prozent auf 1,4 Milliarden Dollar eingebrochen sind, haben sich jene von Recurrent Energy auf 105 Millionen Dollar deutlich mehr als verdoppelt.
Dabei ist der Absatz von Solarmodulen bei CSI Solar um 39 Prozent auf 5,1 Gigawatt (GW) eingebrochen, zumal sich die Firma verstärkt auf profitable Märkte fokussiert hat. Hingegen ist jener von Energiespeicherlösungen auf den Rekord von 2,7 Gigawattstunden (GWh) geklettert. Er profitiert vom Bauboom bei Rechenzentren in den USA.
Zudem wurde die Bruttomarge auf Konzernebene von 16,4 auf 17,2 Prozent deutlich verbessert.
Außerdem stand ein Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) von 34,6 Millionen Dollar zu Buche, gegenüber lediglich 0,3 Millionen Dollar im Vorjahreszeitraum. Dennoch lag die Marge zuletzt bei lediglich 2,3 Prozent.
Stärkere Fokussierung auf US-Geschäft
Auf der Analystenkonferenz räumte Qu ein, dass das Geschäftsumfeld im Solarbereich weiterhin herausfordernd sei und es auch 2026 bleiben werde.
Für das vierte Quartal 2025 prognostizierte der Vorstandschef einen Umsatz von 1,3 bis 1,5 Milliarden Dollar. Dabei soll der Absatz von Solarmodulen auf 4,6 bis 4,8 GW zurückgehen, während jener von Batteriespeicher auf 2,1 bis 2,3 GWh sinken soll.
Zudem soll eine Bruttomarge von 14 bis 16 Prozent erwirtschaftet werden.
Außerdem soll der Umsatz im Gesamtjahr 2025 auf 5,7 bis 5,9 Milliarden Dollar sinken, nach 6,0 Milliarden Dollar für 2024. Dabei soll zwar der Absatz von Solarmodulen auf 24,5 bis 24,7 GW zurückgehen, gegenüber 31,1 GW für 2024, hingegen sollen die Auslieferungen von Energiespeichern deutlich steigen, auf 7,8 bis 8,0 GWh nach 6,6 GWh für 2024.
Allerdings gab Qu keinen Ausblick zur Bruttomarge ab.
Zudem gab der Vorstandschef ein paar kleine Details zur Prognose für 2026 bekannt. Demnach soll der Absatz von Solarmodulen auf 25 bis 30 GW zulegen, wenngleich der Druck am Markt anhalten werde. Hingegen sollen die Auslieferungen von Energiespeichern aufgrund der wie erwartet stark steigenden Nachfrage auf 14 bis 17 GWh nach oben schießen. Dabei habe das Geschäft mit Energiespeichern einen Auftragsbestand von stattlichen 3,1 Milliarden Dollar.
Dabei steht der Ausbau der US-Kapazitäten ganz oben auf der Agenda. So soll die neue Solarzellenfabrik im US-Bundesstaat Indiana im ersten Quartal 2026 die Produktion aufnehmen und sie anschließend deutlich hochfahren. Außerdem soll die neue Fabrik zur Produktion von Lithiumbatterien in Kentucky im vierten Quartal 2026 die Produktion starten.
Qu betonte zudem wiederholt, dass finanzielle „Umsicht“ 2026 oberste Priorität habe. Entsprechend werde Recurrent Energy verstärkt Projekte verkaufen, um Geld in die Kasse zu spülen.
Diese Aussagen sollten niemanden überraschen, sind doch die Nettoschulden Ende September 2025 auf herbe 4,2 Milliarden Dollar gestiegen. Das war das 8,8-Fache des Gewinns vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) der vergangenen vier Quartale. Die Zahlen zeigen unmissverständlich, wie hoch Canadian Solar verschuldet ist.
Das Letzte, was der Konzern in dem Umfeld gebrauchen kann, ist die Explosion der Silberpreise. Schließlich enthält ein Solarmodul im Schnitt ca. 20 Gramm Silber. Bei einem Rekordpreis von aktuell 85 Dollar je Unze kosten 20 Gramm 54,66 Dollar, das ist doppelt so viel wie noch Mitte September.
Das ist eine Menge „Holz.“ Kein Wunder, dass der Silberpreis und die Aktie von Canadian Solar seit Mitte November in völlig gegensätzliche Richtungen gelaufen sind.
Am 9. Januar 2026 hat der Konzern dann bekannt gegeben, dass er für 200 Millionen Dollar Wandelanleihen platziert hat. Die Papiere haben eine Laufzeit bis 2031 und einen Zinssatz von lediglich 3,25 Prozent.
So sehen die Schätzungen aus
Analysten sagen für 2025 einen Umsatzrückgang um 4,5 Prozent auf 5,7 Milliarden Dollar vorher. 2026 soll der Erlös hingegen um 30,4 Prozent auf 7,5 Milliarden Dollar nach oben schießen.
Dabei soll 2025 ein Ebit von 104,5 Millionen Dollar erwirtschaftet werden, nach einem Ebit-Verlust von 30,1 Millionen Dollar für 2024. Zudem soll sich das Ebit 2026 auf 312,2 Millionen Dollar verdreifachen. Damit würde die Marge zuerst auf 1,8 Prozent nach oben schießen, um 2026 4,2 Prozent zu erreichen. Letzteres läge aber immer noch weit unter dem Niveau früherer Jahre.
Selbstverständlich sind die Schätzungen für 2026 mit enormer Unsicherheit behaftet, schließlich kann niemand seriös vorhersagen, ob und wie sehr die Preise für Solarmodule unter Druck stehen werden und wie sehr der Absatz von Energiespeicherlösungen und damit deren Preis nach oben schießen wird. Letzteres hängt davon ab, ob der KI-Hype weitergeht oder ob erneut Sorgen vor einem Platzen einer möglichen Blase aufkommen werden.
Wie geht’s weiter mit der Aktie?
Der Börsenwert liegt bei 1,3 Milliarden Dollar. Inklusive der Nettoschulden von 4,2 Milliarden Dollar liegt der Enterprise Value (EV) bei 5,5 Milliarden Dollar.
Das entspricht dem 17,6-Fachen des von Analysten für 2026 vorhergesagten Ebit. Ich finde, das ist eine sehr hohe Bewertung. Allerdings soll sich das Umsatzwachstum 2026 massiv beschleunigen, während sich die Marge erheblich verbessern soll. Allerdings sollten Investoren meiner Meinung nach nicht vergessen, dass das hohe Erlöswachstum kaum von Dauer sein dürfte und sich vielmehr ab 2027 erheblich abschwächen sollte.
Ein KGV für 2026 lässt sich derzeit nicht errechnen, soll der Konzern doch 2026 einen Verlust je Aktie von 0,16 Dollar ausweisen, wobei die Schätzungen der Analysten allerdings meilenweit auseinanderliegen, von einem Gewinn je Aktie von rund 2,0 Dollar bis zu einem Verlust je Aktie von rund 2,20 Dollar.
Meiner Meinung nach könnte die Aktie von Canadian Solar kurzfristig seitwärts tendieren, zumal wenn der KI-Hype weitergehen sollte. Sollte allerdings der Silberpreis von den aktuellen Rekordniveaus aus in den nächsten Wochen weiter nach oben schießen, dürfte das für deutlichen Verkaufsdruck bei dem Papier sorgen.
BNP Paribas bietet auf die Aktie von Canadian Solar (A0LCUY) Mini Futures, Unlimited Turbos, klassische Optionsscheine und Faktor Optionsscheine an.

Egmond Haidt
Der Autor dieses Beitrags, Egmond Haidt, arbeitete nach seiner Bankausbildung und dem BWL-Studium ab 2000 als Redakteur bei BÖRSE ONLINE. Seit Juli 2013 ist der Finanzjournalist als Freiberufler tätig. Jeden Dienstag ab 18 Uhr analysiert er die neuesten Entwicklungen am Finanzmarkt in der Sendung Euer Egmond.
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