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Advanced Micro Devices – Ausblick begeistert Investoren
Der US-Hersteller von Mikroprozessoren hat Rekordergebnisse vorgelegt. Wie geht’s weiter mit der Aktie?
Mit einem Kurssprung von 7 Prozent nach oben reagiert die Aktie von Advanced Micro Devices (AMD) auf die Veröffentlichung der Quartalszahlen am Dienstag, 3. November nach Börsenschluss in den USA. Einerseits haben die Ergebnisse Investoren überzeugt, andererseits sind sie von der Prognose von Vorstandschefin Lisa Su euphorisiert.
Im dritten Quartal ist der Umsatz um 45 Prozent auf 13,38 Milliarden Dollar nach oben geschossen, das lag leicht über den Schätzungen der Analysten von 13,30 Milliarden Dollar.
Wachstumsmotor war einmal mehr der Bereich Rechenzentren, der vom KI-Boom profitiert und dessen Einnahmen sich beinahe verdoppelt haben, auf 8,55 Milliarden Dollar. Damit wurden die Erwartungen von 8,30 Milliarden Dollar deutlich übertroffen. Damit macht der Bereich Rechenzentren inzwischen 64 Prozent der Konzernerlöse aus, gegenüber 47 Prozent im Vorjahreszeitraum.
Zudem ist die bereinigte Bruttomarge auf Konzernebene von 54,0 auf 55,9 Prozent geklettert, womit die Erwartungen genau getroffen wurden.
Schlussendlich ist der bereinigte Gewinn je Aktie um 74 Prozent auf 2,09 Dollar nach oben geschossen, damit wurden die Erwartungen von 1,97 Dollar deutlich übertroffen.
Hingegen sah die Entwicklung beim Cashflow nicht gerade erfreulich aus: Weil die Forderungen und die Lagervorräte jeweils kräftig gestiegen sind, ist der Cashflow aus dem operativen Geschäft auf 1,2 Milliarden Dollar eingebrochen.
Weil gleichzeitig die Investitionen auf 648 Millionen Dollar mehr als verdoppelt wurden, kollabierte der Free Cashflow auf nur noch 554 Millionen Dollar – das sind 63,8 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Damit beläuft sich der Free Cashflow auf nur noch 4 Prozent der Konzernerlöse, im Vorjahreszeitraum waren es noch 17 Prozent.
Starker Ausblick
Umso begeisterter waren Investoren hingegen von der Prognose für das vierte Quartal. Demnach soll der Umsatz 17 Milliarden Dollar (plus/minus 3 Prozent) erreichen, das lag deutlich über den Erwartungen von 16,3 Milliarden Dollar. Die Mitte der Spanne bedeutet zudem ein Wachstum von 66 Prozent, womit sich das Wachstum gegenüber dem dritten Quartal weiter beschleunigen würde. Das klang wie Musik in den Ohren der Investoren.
Allerdings soll die bereinigte Bruttomarge etwas zurückgehen, auf rund 55 Prozent.
Auf der Analystenkonferenz sagte Vorstandschefin Su, dass sie noch optimistischer für das künftige Wachstum geworden sei. Demnach soll der Konzernumsatz 2027 um mehr als 80 Prozent nach oben schießen und damit die bisherigen Erwartungen der Analysten von 75 Prozent übertreffen. Dabei sollen sich die Erlöse im Bereich Rechenzentren laut Su mehr als verdoppeln und damit mehr als 80 Prozent der Konzernerlöse ausmachen.
So sehen die Schätzungen aus
Analysten prognostizieren für 2026 einen Umsatzsprung von 47,2 Prozent auf 51,00 Milliarden Dollar. 2027 soll es um 76,3 Prozent auf 89,92 Milliarden Dollar nach oben gehen, womit sich das Wachstum rasant beschleunigen würde.
Dabei soll der bereinigte Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) 2026 um 83,1 Prozent auf 14,22 Milliarden Dollar nach oben schießen, gefolgt von einem Sprung um 115,4 Prozent auf 30,63 Milliarden Dollar für 2027. Damit würde die Marge für 2026 von 22,4 auf 27,9 Prozent nach oben springen, um 2027 sogar 34,1 Prozent zu erreichen. Damit läge sie meilenweit über den Rekordniveaus früherer Spitzenzeiten.
Nun gilt es zu schauen, wie sehr die Analysten ihre Umsatz- und Gewinnschätzungen für 2026 und 2027 in den nächsten Tagen nach oben schrauben.
Wie geht’s weiter mit der Aktie?
Nach dem fünfmonatigen Seitwärtstrend ist die Aktie nach der Zahlenvorlage nach oben gesprungen, sodass der Börsenwert bei 848,6 Milliarden Dollar liegt. Abzüglich des Netto-Cash-Bestands von 8,7 Milliarden Dollar liegt der Enterprise Value (EV) bei 839,9 Milliarden Dollar.
Das entspricht dem 27,4-Fachen des von Analysten für 2027 prognostizierten Ebit. Die sehr hohe Bewertung zeigt, welch massives Wachstum in der Aktie eingepreist ist.
Zum Vergleich: Das Multiple von Nvidia für das im Januar endende Fiskaljahr 2027/28 liegt lediglich beim 10,8-Fachen. Dabei hat Nvidia ein boomendes Umsatzwachstum und sensationelle Margen, die meilenweit über denen von AMD liegen. Warum ist die Bewertung von AMD 2,5-mal so hoch wie die von Nvidia?
Auf Basis der Ebit-Schätzungen 2028 (42,1 Milliarden Dollar) für AMD geht das Multiple auf das 19,9-Fache zurück, was meiner Meinung nach immer noch eine hohe Bewertung ist.
Und das 2027er-KGV liegt bei herben 31,9.
Nun gilt es zu beobachten, wie die AMD-Aktie zum Handelsstart in den USA (15:30 Uhr deutscher Zeit) reagieren wird. Wird sich das Papier tatsächlich um rund 7 Prozent erholen, oder werden Investoren diese Erholung gleich zum Verkaufen nutzen?
Immerhin haben sich nach dem klaren Wahlsieg der Demokraten bei der US-Halbzeitwahl die Aussichten für den KI-Sektor deutlich eingetrübt, schließlich lehnen viele Demokraten den Bau neuer KI-Rechenzentren klar ab, zumal der deutlich steigende Strombedarf die Strompreise nach oben treibt. Neben der ungeklärten Finanzierungsfrage für den geplanten Bau zahlloser Rechenzentren kommt damit ein politisches Problem hinzu.
Vor diesem Hintergrund könnte der KI-Hype einen weiteren Tiefschlag bekommen, weshalb die Talfahrt vieler Chip-/KI-Aktien weitergehen könnte. Diesem Abwärtssog dürfte sich die AMD-Aktie trotz des bullischen Ausblicks des Managements kaum entziehen können.
BNP Paribas bietet auf die Aktie von AMD (863186) Mini Futures, Unlimited Turbos, Optionsscheine, Faktor-Optionsscheine und weitere Produkte an.

Egmond Haidt
Der Autor dieses Beitrags, Egmond Haidt, arbeitete nach seiner Bankausbildung und dem BWL-Studium ab 2000 als Redakteur bei BÖRSE ONLINE. Seit Juli 2013 ist der Finanzjournalist als Freiberufler tätig. Jeden Dienstag ab 18 Uhr analysiert er die neuesten Entwicklungen am Finanzmarkt in der Sendung Euer Egmond.
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