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Amazon – Investoren quittieren Investitionsprognose von 200 Milliarden Dollar mit Verkäufen
Investoren machen sich zunehmend Sorgen, dass sich die massiven Investitionen in KI nicht rechnen könnten. Wie geht es mit der Aktie des weltgrößten Internethändlers nach der Zahlenvorlage weiter?
Mit einem Kurseinbruch hat die Amazon-Aktie auf die Veröffentlichung der 2025er-Zahlen am Donnerstagabend, dem 5. Februar, nach Börsenschluss in den USA reagiert. Aktuell notiert das Papier 7 Prozent unter dem Schlusskurs vom Donnerstag. Zwar waren die Ergebnisse ganz in Ordnung, umso weniger begeistert hat Investoren der geplante massive Anstieg der Investitionen im Jahr 2026.
Im vierten Quartal ist der Umsatz des weltgrößten Internethändlers um 14 Prozent auf 213,39 Milliarden Dollar gestiegen, das lag leicht über den Schätzungen der Analysten von 211,49 Milliarden Dollar. Bereinigt um Währungseffekte lag das Plus bei 12 Prozent.
Dabei ist das Cloud-Geschäft Amazon Web Services (AWS) angetrieben von der starken Nachfrage nach KI-Lösungen um 24 Prozent auf 35,6 Milliarden Dollar gewachsen – das lag leicht über den Erwartungen von 34,88 Milliarden Dollar. Das war zudem das stärkste Wachstum seit 13 Quartalen. Vorstandschef Andy Jassy betonte, dass AWS damit einen auf das Jahr hochgerechneten Umsatz von 142 Milliarden Dollar habe, womit AWS klar der Branchenprimus sei.
Allerdings ist der Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) des Cloud-Geschäfts um lediglich 17 Prozent auf 12,5 Milliarden Dollar geklettert, damit hat die Marge deutlich nachgegeben, von 36,9 auf 35,0 Prozent.
Der Auftragsbestand von AWS hat um 40 Prozent auf 244 Milliarden Dollar zugelegt.
Zudem ist das Ebit auf Konzernebene um 18 Prozent auf 24,98 Milliarden Dollar gestiegen, womit die Erwartungen von 24,82 Milliarden Dollar leicht übertroffen worden sind. Damit hat sich die Marge leicht verbessert, von 11,3 auf 11,7 Prozent. Bereinigt um mehrere Belastungen von insgesamt 2,4 Milliarden Dollar hätte das Ebit bei 27,4 Milliarden Dollar gelegen.
Zudem kletterte der bereinigte Gewinn je Aktie um 5 Prozent auf 1,95 Dollar, womit die Erwartungen von 1,96 Dollar allerdings minimal verfehlt worden sind.
Außerdem ist der Cashflow aus dem operativen Geschäft um 19 Prozent auf 54,5 Milliarden Dollar gestiegen. Da allerdings die Investitionen um 48 Prozent auf 38,5 Milliarden Dollar nach oben geschossen sind, ist der Free Cashflow um 18 Prozent auf 16,0 Milliarden Dollar eingebrochen. Dieser Trend macht Investoren nicht gerade glücklich.
Im Gesamtjahr 2025 sind die Investitionen sogar um 65 Prozent auf 128,3 Milliarden Dollar nach oben geschossen, woraufhin der Free Cashflow um 71 Prozent auf nur noch 11,2 Milliarden Dollar eingebrochen ist.
Weiterer massiver Investitionsanstieg geplant
Bei der Zahlenvorlage zeigte sich Jassy mit den Ergebnissen zufrieden und gab folgende Prognose ab: Im ersten Quartal soll der Konzernumsatz um 11 bis 15 Prozent auf 173,5 bis 178,5 Milliarden Dollar steigen. Die Mitte der Spanne (176,5 Milliarden Dollar) lag allerdings nur leicht über den Erwartungen von 175,54 Milliarden Dollar.
Zudem peilt Jassy ein Ebit von 16,5 bis 21,5 Milliarden Dollar an, die Mitte der Spanne (19,0 Milliarden Dollar) liegt nur leicht über dem Vorjahreswert von 18,4 Milliarden Dollar und zudem deutlich unter den Erwartungen von 22,2 Milliarden Dollar.
Allerdings enthält die Prognose diesmal einen Kostenanstieg von 1 Milliarde Dollar für das hauseigene Satellitennetzwerk Amazon Leo (Low Earth Orbit, kurz LEO, zu Deutsch: niedrige Erdumlaufbahn), das zuverlässiges Internet in ländlichen und abgelegenen Gebieten anbieten wird.
Leo habe bereits 180 Satelliten in die niedrige Erdumlaufbahn befördert, für 2026 seien mehr als 20 Starts geplant, und für 2027 mehr als 30. Dabei soll die Kommerzialisierung später im Jahr 2026 beginnen.
Geradezu schockiert waren Investoren allerdings davon, dass die Investitionen des Konzerns im Gesamtjahr 2026 auf herbe 200 Milliarden Dollar nach oben schießen sollen. Das bedeutet einen Sprung um herbe 56 Prozent gegenüber 2025, womit die Erwartungen von 146,1 Milliarden Dollar bei Weitem übertroffen worden sind.
Jassy betonte, dass der Großteil des Geldes in das Cloud-Geschäft und dabei vor allem in KI-Lösungen fließen soll. Der Konzern wolle in KI, Chips, Robotik und sein Satellitennetzwerk investieren und erwarte langfristig eine „starke“ Rendite auf das eingesetzte Kapital. Ein derart massiver Investitionsanstieg war aber das Letzte, das Investoren hören wollten.
So sehen die Schätzungen aus
Analysten prognostizieren für 2026 einen Umsatzanstieg um 11 Prozent auf 795,6 Milliarden Dollar, womit die Wachstumsrate der vergangenen drei Jahre weitgehend gehalten würde.
Dabei soll das Ebit 2026 um 25,8 Prozent auf 100,6 Milliarden Dollar zulegen. Damit würde sich die Marge deutlich verbessern, von 11,2 auf 12,7 Prozent.
Wie geht’s weiter mit der Aktie?
Nach dem Kurseinbruch nach der Zahlenvorlage, womit die Aktie am 8-Monats-Tief notiert, liegt der Börsenwert bei 2,2 Billionen Dollar. Abzüglich des Netto-Cash-Bestands von 57,4 Milliarden Dollar liegt der Enterprise Value (EV) bei 2,14 Billionen Dollar.
Das entspricht dem 21,3-Fachen des von Analysten für 2026 vorhergesagten Ebit und zeigt, welch kräftiges Wachstum in der Aktie eingepreist ist. Damit ist Amazon ähnlich bewertet wie Nvidia, „nur“ dass das Umsatzwachstum bei Nvidia um ein Vielfaches höher ist und die operative Marge ebenfalls. Auf Basis der 2027er-Schätzung (Ebit: 124,3 Milliarden Dollar) geht das Multiple für Amazon auf das 17,2-Fache zurück, was ich als ausreichende Bewertung empfinde.
Das 2026er-KGV liegt bei 26,3 – und jenes für 2027 bei 21,5.
Abgesehen von einer jederzeit möglichen technischen Erholung könnte die Talfahrt der Amazon-Aktie meiner Meinung nach zumindest kurzfristig weitergehen, schließlich hat sich nach der Zahlenvorlage und vor allem dem geplanten massiven Investitionsanstieg die Stimmung der Investoren deutlich verschlechtert.
BNP Paribas bietet auf die Aktie von Amazon (906866) Mini Futures, Unlimited Turbos, Optionsscheine, Faktor-Optionsscheine und weitere Produkte an.

Egmond Haidt
Der Autor dieses Beitrags, Egmond Haidt, arbeitete nach seiner Bankausbildung und dem BWL-Studium ab 2000 als Redakteur bei BÖRSE ONLINE. Seit Juli 2013 ist der Finanzjournalist als Freiberufler tätig. Jeden Dienstag ab 18 Uhr analysiert er die neuesten Entwicklungen am Finanzmarkt in der Sendung Euer Egmond.
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