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Avis Budget – Rückrufe von Fahrzeugen belasten das Geschäft

Das Umfeld für die US-Mietwagenfirma ist herausfordernd. Wie geht’s weiter mit der Aktie?
Auf einer gewaltigen Berg- und Talfahrt war die Aktie von Avis Budget in den vergangenen Monaten. Nachdem sie im März mit 55 Dollar auf Mehr-Jahres-Tiefs eingebrochen war, hat sie anschließend kräftig nach oben gedreht, um im Juli bei Kursen von 207 Dollar ein 10-Monats-Hoch zu erreichen. Allerdings folgte anschließend wieder eine kräftige Kehrtwende nach unten, woraufhin das Papier um rund 40 Prozent bis auf 126 Dollar nach unten gerauscht ist, ehe es sich leicht erholt hat.
Offenbar befürchten Investoren, dass sich die Geschäftsperspektiven für die US-Mietwagenfirma, die mit den Marken Avis, Budget und Zipcar am Markt aktiv ist, deutlich eingetrübt haben. Dabei hatten die am 27. Oktober veröffentlichten Quartalszahlen für einen kleinen Lichtblick gesorgt, allerdings hatte Vorstandschef Brian Choi auch ein paar schlechte Nachrichten parat.
Im dritten Quartal ist der Umsatz von Avis Budget um 1 Prozent auf 3,52 Milliarden Dollar gestiegen, das lag leicht über den Schätzungen der Analysten von 3,45 Milliarden Dollar. Das war zudem der erste Zuwachs seit acht Quartalen, worüber sich Choi entsprechend gefreut hat.
Allerdings waren die Erlöse auf dem Heimatmarkt Americas um 1 Prozent auf 2,6 Milliarden Dollar gesunken. Problem waren etliche Rückrufe von Fahrzeugen, woraufhin 5 Prozent der Flotte nicht für die Vermietung zur Verfügung standen. Dennoch ist die Auslastung lediglich leicht gesunken, von 71,5 auf 71,3 Prozent.
Choi warnte, dass die Reparatur vieler Autos entgegen der Planung nicht im dritten Quartal abgeschlossen werden konnte, sondern vielmehr auch noch im vierten Quartal und Anfang 2026 anhalten werde, was im Jahr 2025 für zusätzliche Kosten von 90 bis 100 Millionen Dollar sorgen werde.
Auf der Analystenkonferenz bemängelten etliche Finanzprofis, dass der durchschnittliche Umsatz pro Fahrzeug und Miettag auf dem Heimatmarkt um 3 Prozent auf 73,19 Dollar zurückgegangen sei. Choi betonte, dass er damit nicht zufrieden sei und dass die Firma vor dem Hintergrund der in allen Bereichen steigenden Kosten Preiserhöhungen durchsetzen müsse.
Hingegen sind die Einnahmen aus dem Auslandsgeschäft im dritten Quartal um 7 Prozent auf 898 Millionen Dollar gestiegen.
Zudem legte der bereinigte Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) auf Konzernebene um 11 Prozent auf 559 Millionen Dollar zu. Während jenes in der Region Americas etwas auf 398 Millionen Dollar gestiegen ist, sprang jenes im Auslandsgeschäft um 37 Prozent auf 190 Millionen Dollar nach oben.
Abzüglich der auf Konzernebene anfallenden Kosten standen die obigen 559 Millionen Dollar zu Buche. Damit hat sich die Marge deutlich verbessert, von 14,5 Prozent auf 15,9 Prozent.
Prognose angepasst
Auf der Analystenkonferenz sagte Choi, dass das bereinigte Ebitda im Gesamtjahr 2025 lediglich den unteren Rand der vorherigen Prognose von 900 Millionen bis 1 Milliarde Dollar erreichen werde. Hauptgrund sei die verzögerte Reparatur der Fahrzeuge, womit weniger als geplant für die Vermietung zur Verfügung stünden. Zudem leide das Geschäft mit US-Behörden unter dem Shutdown, gerade im Verteidigungsbereich, während die Nachfrage von Geschäftskunden im Auslandsgeschäft schwächele. Nach den ersten drei Quartalen standen 743 Millionen Dollar zu Buche, ein Anstieg um 2 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Zudem betonte der Vorstandschef, dass der Konzern über den Zyklus hinweg in einem normalen Jahr ein Ebitda von mindestens 1 Milliarde Euro erwirtschaften müsse. Der Wert sei eine Untergrenze, auf die das Management draufsatteln wolle. Dabei stünde in der stark wettbewerbsintensiven Branche die Kostendisziplin weiterhin ganz oben auf der Agenda.
Choi will vor allem auf einen besseren Service setzen, um die Mietpreise erhöhen zu können. Dazu müsse die Verfügbarkeit von Fahrzeugen verbessert und gleichzeitig die Wartezeiten für die Kunden verkürzt werden. Zudem sollen die Mitarbeiter vor Ort viele Probleme selbst regeln können, anstatt die Sache ans Backoffice weiterzuleiten.
Außerdem solle der Fokus des Geschäfts nicht mehr so sehr auf den Heimatmarkt Americas gelegt werden, vielmehr wolle die Firma verstärkt in ihr Auslandsgeschäft investieren.
So sehen die Schätzungen aus
Analysten prognostizieren für 2025 einen stagnierenden Umsatz von 11,7 Milliarden Dollar. 2026 soll er um 1,8 Prozent auf 11,9 Milliarden Dollar steigen.
Dabei soll das bereinigte Ebitda 2025 um 43 Prozent auf 896,8 Millionen Dollar nach oben schießen – das liegt ganz am unteren Ende von Chois Prognose, gefolgt von einem Plus von 23 Prozent auf 1,1 Milliarden Dollar für 2026.
Zudem soll der bereinigte Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) 2025 um 14 Prozent auf 446,9 Millionen Dollar zulegen, um sich 2026 auf 875 Millionen Dollar annähernd zu verdoppeln. Damit würde die Marge zuerst etwas steigen, von 3,3 auf 3,8 Prozent, um 2026 auf 7,3 Prozent nach oben zu schießen. Letzteres wäre ein relativ gutes Niveau für Avis Budget. Zum Vergleich: Im Vor-Corona-Jahr 2019 waren es 6,3 Prozent.
Ob es 2026 tatsächlich zu dem kräftigen Ergebnissprung kommen wird, das muss erst das Jahr 2026 zeigen.
Wie geht’s weiter mit der Aktie?
Nach der monatelangen Talfahrt liegt der Börsenwert bei 4,6 Milliarden Dollar. Inklusive der – laut meinen Berechnungen – Netto-Schulden von 24,8 Milliarden Dollar liegt der Enterprise Value (EV) bei 29,4 Milliarden Dollar.
Das entspricht dem 33,6-Fachen des von Analysten für 2026 prognostizierten Ebit. Das ist eine sehr hohe Bewertung und zeigt, welch massives Wachstum in der Aktie eingepreist ist.
Dabei soll das Umsatzwachstum laut den Schätzungen der Analysten auf absehbare Zeit gedämpft bleiben (für 2027 werden lediglich 2 Prozent erwartet). Allerdings soll die bereinigte Ebit-Marge 2026 stark verbessert werden.
Und das 2026er-KGV liegt bei 11,9.
Meiner Meinung nach könnte die Talfahrt der Aktie von Avis Budget weitergehen. Zwar könnte das Problem mit den Rückrufen bis zum Frühjahr 2026 erledigt sein, allerdings könnten Investoren befürchten, dass das wettbewerbsintensive Umfeld, gerade in den USA, anhalten könnte, woraufhin es der Firma trotz möglicherweise weiter steigender Kosten schwerfallen könnte, Preiserhöhungen durchzusetzen.
BNP Paribas bietet auf die Aktie von Avis Budget (A0KEE9) Mini Futures, Unlimited Turbos, Faktor-Optionsscheine und weitere Produkte an.

Egmond Haidt
Der Autor dieses Beitrags, Egmond Haidt, arbeitete nach seiner Bankausbildung und dem BWL-Studium ab 2000 als Redakteur bei BÖRSE ONLINE. Seit Juli 2013 ist der Finanzjournalist als Freiberufler tätig. Jeden Dienstag ab 18 Uhr analysiert er die neuesten Entwicklungen am Finanzmarkt in der Sendung Euer Egmond.
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