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Ceres Power – Vom Stromhunger der Rechenzentren profitieren
Der englische Entwickler von Festoxid-Technologie für Brennstoffzellen hatte mit dem schwierigen Umfeld zu kämpfen. Dennoch war die Aktie zuletzt eine Kursrakete.
Um 140 Prozent ist die Aktie von Ceres Power seit Mitte April nach oben geschossen und notiert damit in der Nähe des Vierjahreshochs. Die Rally begann am 14. April, als das Unternehmen den 2025er-Geschäftsbericht vorgelegt hatte, und nahm tags drauf Fahrt auf, als das Managementteam um Vorstandschef Phil Caldwell auf einem Kapitalmarkttag seine neue Festoxid-Brennstoffzellentechnologie vorgestellt hatte. Sie kann zur Produktion von Strom ebenso verwendet werden wie für jene von Wasserstoff. Aktuell steht vor allem ersteres ganz oben auf der Agenda.
An der Veranstaltung hatte auch ein Sprecher des britischen Versorgers Centrica teilgenommen, mit dem Ceres am 26. März eine strategische Partnerschaft unterzeichnet hatte.
Die Technologie von Ceres ermöglicht es, schnell für Energieversorgung vor Ort zu sorgen, sei es für Rechenzentren, Gewerbeimmobilien oder Industrieanwendungen. Damit profitiert Ceres gerade vom Hype beim Bau von KI-Rechenzentren. Mit der Technologie kann Strom viel schneller produziert werden als mithilfe von Gasturbinen, deren Herstellung selbst Jahre braucht.
Die englische Firma hat die Technologie in den Jahrzehnten seit der Unternehmensgründung im Jahr 2001 entwickelt und will sie an Kunden weiterlizenzieren, um so nachhaltige Einnahmen zu generieren. Nun will Ceres deren Kommerzialisierung vorantreiben.
Deutlicher Ergebniseinbruch
2025 hatte Ceres mit dem schwierigen Umfeld zu kämpfen, zumal der deutsche Autozulieferer Bosch im Februar seine Aktivitäten in dem Bereich eingestellt hatte. Daher war der Umsatz von Ceres 2025 um 37 Prozent auf lediglich 32,6 Millionen britische Pfund eingebrochen.
Dabei hatte die Firma erstmals Lizenzeinnahmen generiert, nachdem der südkoreanische Konzern Doosan im Juli die Produktion von Festoxid-Zellen auf Basis der Technologie von Ceres begonnen hatte.
Dabei ist der bereinigte Verlust vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) von Ceres 2025 um 46 Prozent auf 32,5 Millionen Pfund gestiegen.
Beim Cashflow sah die Lage wie folgt aus: Jener aus dem operativen Geschäft lag bei minus 20,1 Millionen Pfund, es gab also einen Cash-Abfluss. Unter Berücksichtigung der Investitionen von 1,8 Millionen Pfund stand – laut meinen Berechnungen – ein Free Cashflow von minus 21,9 Millionen Pfund zu Buche.
Damit war der Netto-Cash-Bestand auf 83,3 Millionen Pfund gesunken.
Ceres hat zudem im November eine Lizenzvereinbarung mit dem chinesischen Produzenten von Energietechnik Weichai Power unterzeichnet, womit die vorherige Zusammenarbeit mit Weichai ausgeweitet worden ist. Weitere Partner von Ceres sind beispielsweise der taiwanische Konzern Delta Electronics und der Öl- und Gasmulti Shell in Indien.
Caldwell hat zudem eine Restrukturierung eingeleitet, die 2026 die operativen Kosten um rund 20 Prozent gegenüber 2025 senken soll.
Etliche Ziele für 2026
Laut Caldwell hatte Ceres 2025 einen Auftragsbestand, der 2026 – ohne die Berücksichtigung möglicher neuer Geschäfte – zu Umsätzen von 46 Millionen Pfund führen soll.
Ganz oben auf der Agenda steht, neue Fertigungslizenzverträge abzuschließen. Laut Caldwells Angaben genüge es, einen derartigen Vertrag pro Jahr an Land zu ziehen, um beim Cashflow den Breakeven zu erreichen. Zudem wolle man die Partner beim Aufbau ihres Geschäfts unterstützen.
So sehen die Schätzungen aus
Analysten prognostizieren für 2026 einen Umsatzsprung um 84,2 Prozent auf 60,1 Millionen Pfund. Hingegen soll es 2027 um lediglich 7,2 Prozent auf 64,5 Millionen Pfund nach oben gehen.
Am Rande sei erwähnt, dass für 2028 lediglich 76,3 Millionen Pfund vorhergesagt werden. Laut diesen Schätzungen würde der schon seit langem erwartete Boom bei Brennstoffzellen weiter auf sich warten lassen, zumindest was Ceres angeht.
Dabei soll beim bereinigten Ebitda 2026 ein Gewinn von 1,4 Millionen Pfund zu Buche stehen, gefolgt von einem Sprung um 176,4 Prozent auf 3,7 Millionen Pfund für 2027.
Zudem soll der bereinigte Verlust vor Zinsen und Steuern (Ebit) 2026 stark abgebaut werden von 47,6 auf 14,1 Millionen Pfund, um 2027 erneut reduziert zu werden auf 5,7 Millionen Pfund. Damit würde Ceres bei dieser Kennzahl weiterhin rote Zahlen schreiben.
Wie geht's weiter mit der Aktie?
Nach der Rally liegt der Börsenwert bei 1,41 Milliarden Pfund. Abzüglich des Netto-Cash-Bestands von 83,3 Millionen Pfund liegt der Enterprise Value (EV) bei 1,33 Milliarden Pfund. Das entspricht dem 20,6-Fachen des von Analysten für 2027 prognostizierten Umsatzes – nicht des Ebit, sondern des Umsatzes. Das ist eine geradezu astronomische Bewertung.
Ein KGV lässt sich nicht berechnen, wird doch für 2026 ein bereinigter Verlust je Aktie von 0,07 Pfund vorhergesagt, der 2027 auf 0,02 Pfund abgebaut werden soll.
Die Aktie von Ceres Power ist eine Wette auf den Erfolg der Festoxid-Brennstoffzellentechnologie. Ob es ihn tatsächlich geben wird, müssen die nächsten Jahre zeigen. Sehr risikobereite Anleger können darauf wetten, allerdings gilt es, die Nachrichtenlage genau zu verfolgen, um nicht möglicherweise auf dem falschen Fuß erwischt zu werden.
BNP Paribas bietet auf die Aktie von Ceres Power (A2NB49) Mini Futures an.

Egmond Haidt
Der Autor dieses Beitrags, Egmond Haidt, arbeitete nach seiner Bankausbildung und dem BWL-Studium ab 2000 als Redakteur bei BÖRSE ONLINE. Seit Juli 2013 ist der Finanzjournalist als Freiberufler tätig. Jeden Dienstag ab 18 Uhr analysiert er die neuesten Entwicklungen am Finanzmarkt in der Sendung Euer Egmond.
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