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Chemours – Cashflow und Schuldenabbau stehen ganz oben auf Agenda
Der US-Chemiekonzern stemmt sich gegen das schwierige Umfeld. Bleibt die Aktie auf Erholungskurs?
Nach der Einigung der USA und des Iran auf eine zweiwöchige Feuerpause sind die Aktienmärkte rund um den Globus nach oben geschossen. Aufgrund des Einbruchs des Ölpreises hellen sich die Aussichten für die Weltwirtschaft auf, wodurch Zykliker wie Ölkonzerne deutlich profitieren.
Die Chemours-Aktie war seit Anfang März trotz des Iran-Kriegs im Rally-Modus und notierte mit Kursen von um die 22,35 Dollar in der Nähe des höchsten Niveaus seit Juli 2024, ehe es nach der Bekanntgabe des Waffenstillstands zu deutlichen Gewinnmitnahmen kam. Damit liegt das Papier allerdings noch weit unter dem Rekordhoch vom Oktober 2017 bei knapp über 57 Dollar.
Chemours wurde Mitte 2015 von DuPont abgespalten. „Durch innovative und nachhaltige Lösungen ermöglicht unsere Chemie Hochleistungscomputer, künstliche Intelligenz (KI) und fortschrittliche Elektronik sowie Batterien für schadstoffarme Fahrzeuge und Elektrofahrzeuge, saubere Energie, klimafreundliche Kühlung, Kunststoffe, haltbarere Beschichtungen für moderne Infrastrukturen und vieles mehr“, schreibt die Deutschland-Tochter aktuell auf ihrer Homepage.
Das Unternehmen ist für einige seiner Produkte bekannt: „Wir stellen Lösungen wie Teflon PFA her, welche die Herstellung von hochwertigen, äußerst zuverlässigen Halbleiterbauelementen ermöglichen.“ „Wir haben die Chemie der Fahrzeugklimatisierung weiterentwickelt und Opteon YF, ein Kältemittel mit einer 99,9%igen Reduzierung des Treibhauspotenzials (GWP), entwickelt.“
Gemischte Zahlen
Die am 19. Februar 2026 veröffentlichten 2025er-Ergebnisse lagen teilweise etwas unter den Schätzungen der Analysten.
Im vierten Quartal ist der Umsatz um 2 Prozent auf 1,33 Milliarden Dollar gesunken, damit wurden die Erwartungen genau getroffen. Während die Einnahmen aus dem Opteon-Kühlmittel um 37 Prozent auf 243 Millionen Dollar nach oben schossen, verbuchten etliche andere Sparten deutliche Erlösrückgänge. Grund war unter anderem die schwache Konjunktur, gerade in den Bereichen Auto und Industriebau.
Bei der Umsatzverteilung nach Regionen war Nordamerika mit 599 Millionen Dollar der mit weitem Abstand größte Absatzmarkt, das waren 45 Prozent der Konzernerlöse. Auf den nächsten Plätzen folgt die Region Asien-Pazifik mit 301 Millionen Dollar vor Europa, dem Nahen Osten und Afrika mit 254 Millionen Dollar und Lateinamerika mit 175 Millionen Dollar.
Dabei ist der bereinigte Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) auf Konzernebene um 24 Prozent auf 128 Millionen Dollar eingebrochen, womit die Erwartungen von 141 Millionen Dollar deutlich verfehlt wurde. Damit ist die Marge deutlich gesunken, von 12,4 auf 9,6 Prozent.
Zudem ist der bereinigte Gewinn je Aktie um 46 Prozent auf 0,05 Dollar eingebrochen, das lag deutlich unter den Schätzungen von 0,07 Dollar.
Damit sahen die Zahlen für das Gesamtjahr wie folgt aus:
Der Umsatz ist um 0,4 Prozent auf 5,8 Milliarden Dollar gestiegen.
Dabei hat das bereinigte Ebitda um 3 Prozent auf 742 Millionen Dollar nachgegeben.
Außerdem ist der bereinigte Gewinn je Aktie um 20 Prozent auf 0,95 Dollar gesunken.
Allerdings hat sich der Cashflow aus dem operativen Geschäft massiv verbessert, auf 264 Millionen Dollar. Abzüglich der Investitionen von 213 Millionen Dollar stand ein Free Cashflow von 51 Millionen Dollar zu Buche.
Allerdings belief sich der Free Cashflow damit auf lediglich 7 Prozent des bereinigten Ebitda-Werts. Ein guter Wert liegt – je nach Branche – allerdings eher im Bereich von rund 80 Prozent, wobei rund 100 Prozent super sind.
Zudem sind die Nettoschulden zum Jahresende etwas gestiegen, auf 3,5 Milliarden Dollar. Damit beliefen sie sich auf das 4,7-Fache des bereinigten Ebitda, gegenüber dem 4,5-Fachen per Ende 2024. Das sind jeweils ziemlich hohe Werte, weshalb die Firma sie langfristig auf unter 3,0 im Laufe des Zyklus senken will – sprich: Die Schulden sollen deutlich abgebaut werden.
Verhaltene Prognose
Bei der Zahlenvorlage räumte Finanzchefin Denise Dignam ein, dass die Ergebnisse etwas unter den Erwartungen liegen. Ebenso wenig konnte die Prognose Investoren überzeugen.
Demnach soll im Gesamtjahr 2026 der Umsatz um 3 bis 5 Prozent steigen, womit die Erwartungen getroffen wurden.
Dabei soll das bereinigte Ebitda auf 800 bis 900 Millionen Dollar zulegen. Die Mitte der Spanne (850 Millionen Dollar) bedeutet zwar einen Zuwachs um rund 15 Prozent, allerdings lag das deutlich unter der damaligen Schätzung der Analysten von 879 Millionen Dollar. Beflügelt werden soll das Ergebnis dabei durch eine weltweite Preiserhöhung auf Titandioxid-Farbpigmente, die das Unternehmen im Dezember 2025 durchgeführt hatte.
Zudem soll der Free Cashflow 2026 auf 200 bis 270 Millionen Dollar deutlich verbessert werden. Damit würde er sich auf 25 bis 30 Prozent des bereinigten Ebitda belaufen. Zum Anstieg des Free Cashflows soll vor allem der Abbau der Lagervorräte beitragen, laut der Einschätzung des Managements waren sie zuletzt deutlich zu hoch.
Auf der Analystenkonferenz betonte Dignam, dass die Verbesserung der Profitabilität sowie des Free Cashflows und der Schuldenabbau ganz oben auf der Agenda stünden.
Die mittelfristige Prognose sieht für den Zeitraum 2024 bis 2027 einen durchschnittlichen Umsatzanstieg von mehr als 5 Prozent pro Jahr vor.
Im gleichen Zeitraum sollen die Kosten um mehr als 250 Millionen Dollar gesenkt werden.
So sehen die Schätzungen aus
Analysten prognostizieren für 2026 einen Umsatzanstieg um 3,1 Prozent auf 6,0 Milliarden Dollar. 2027 soll es um 5,9 Prozent auf 6,3 Milliarden Dollar nach oben gehen.
Dabei soll das Ebitda 2026 um 13,8 Prozent auf 844,2 Millionen Dollar zulegen, das liegt allerdings minimal unter der Mitte der Spanne von Dignams Ausblick. 2027 soll es einen Sprung um 17,0 Prozent auf 987,9 Millionen Dollar geben.
Zudem soll der Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) 2026 um 30,5 Prozent auf 524,8 Millionen Dollar nach oben schießen. Für 2027 wird ein weiterer Zuwachs um 25,9 Prozent auf 660,8 Millionen Dollar erwartet. Damit würde die Marge jeweils deutlich verbessert, von 6,9 Prozent auf 8,8 Prozent für 2026, um 2027 sogar 10,4 Prozent zu erreichen. Letzteres wäre der höchste Wert seit 2023 (11,7 Prozent).
Wie geht’s weiter mit der Aktie?
Der Börsenwert liegt bei 3,4 Milliarden Dollar. Inklusive der Nettoschulden von 3,5 Milliarden Dollar liegt der Enterprise Value (EV) bei 6,9 Milliarden Dollar.
Das entspricht dem 10,4-Fachen des von Analysten für 2027 prognostizierten Ebit. Das ist meiner Meinung nach keine zu hohe Bewertung, sondern lässt vielmehr weiteren Spielraum nach oben, zumal sich das Umsatzwachstum 2026 und 2027 jeweils deutlich beschleunigen soll, während gleichzeitig die Ebit-Marge jeweils deutlich verbessert werden soll.
Und das 2027er-KGV liegt bei 9,5.
Meiner Meinung nach könnte die Erholung der Chemours-Aktie in den nächsten Wochen weitergehen, zumal die Aktie meiner Meinung nach nicht teuer ist.
BNP Paribas bietet auf die Aktie von Chemours (A14RPH) Mini Futures, Faktor-Optionsscheine und weitere Produkte an.

Egmond Haidt
Der Autor dieses Beitrags, Egmond Haidt, arbeitete nach seiner Bankausbildung und dem BWL-Studium ab 2000 als Redakteur bei BÖRSE ONLINE. Seit Juli 2013 ist der Finanzjournalist als Freiberufler tätig. Jeden Dienstag ab 18 Uhr analysiert er die neuesten Entwicklungen am Finanzmarkt in der Sendung Euer Egmond.
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