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Dell Technologies – KI-Boom sorgt für drastische Anhebung der Prognose
Der US-amerikanische IT-Konzern hat das stärkste Umsatzwachstum seit der Rückkehr an die Börse im Jahr 2018 verbucht. Wie weit kann die Rekordfahrt der Aktie noch gehen?
Um 32 Prozent ist die Aktie von Dell Technologies am Freitag, dem 29. Mai, nach oben geschossen, nachdem der IT-Konzern tags zuvor nach Börsenschluss in den USA die Quartalszahlen veröffentlicht hatte. Das war der stärkste Anstieg seit März 2024, während das Papier nun neue Rekordhochs markiert.
Investoren honorieren die herausragenden Rekordergebnisse, die belegen, wie sehr das Unternehmen vom KI-Boom profitiert, während Finanzchef David Kennedy die Prognose für das Gesamtjahr massiv angehoben hat.
Im per 1. Mai beendeten ersten Quartal des Fiskaljahrs 2026/27 ist der Umsatz um 88 Prozent auf den Rekord von 43,84 Milliarden Dollar nach oben geschossen. Das lag meilenweit über den Schätzungen der Analysten von 35,52 Milliarden Dollar und war zugleich der stärkste Zuwachs seit der Rückkehr an die Börse im Jahr 2018.
Wachstumsmotor war das Geschäft mit KI-Servern, dessen Erlöse um 757 Prozent auf den Rekord von 16,1 Milliarden Dollar explodiert sind und damit die Erwartungen von 13,1 Milliarden Dollar meilenweit übertroffen haben.
Zudem verbuchte das Unternehmen einen Auftragseingang von 24,4 Milliarden Dollar für KI-Server, während der Auftragsbestand für diese auf den Rekord von 51,3 Milliarden Dollar geklettert ist. Inzwischen hat das Unternehmen mehr als 5.000 Kunden für KI-Produkte, das ist ein Anstieg um mehr als 50 Prozent innerhalb von zwei Quartalen.
Zudem ist der Umsatz mit herkömmlichen Servern und Netzwerktechnik um 92 Prozent gegenüber dem Vorjahr auf 8,5 Milliarden Dollar geklettert. Außerdem brummte das Geschäft auch in sämtlichen anderen Bereichen, etwa im Speichergeschäft und bei PCs für Unternehmen und Privatkunden.
Dabei ist der bereinigte Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) auf Konzernebene um 154 Prozent auf 4,2 Milliarden Dollar nach oben geschossen, womit die Erwartungen von 2,77 Milliarden Dollar bei Weitem übertroffen worden sind. Damit hat sich die Marge von 7,1 auf 9,7 Prozent stark verbessert.
Außerdem hat sich der bereinigte Gewinn je Aktie auf 4,86 Dollar mehr als verdreifacht.
Die Entwicklung des Cashflows war ebenfalls prächtig. Jener aus dem operativen Geschäft ist um 46 Prozent auf den Rekord von 4,1 Milliarden Dollar geklettert. Obwohl die Investitionen auf 963 Millionen Dollar kräftig gestiegen sind, legte der Free Cashflow um 40 Prozent auf 3,1 Milliarden Dollar zu.
Das Management hat die Aktionäre an den hervorragenden Ergebnissen teilhaben und ihnen 2,1 Milliarden Dollar zukommen lassen, davon 1,6 Milliarden Dollar über Aktienrückkäufe und 464 Millionen Dollar über Dividenden.
Prognose angehoben
Auf der Analystenkonferenz zeigte sich das Management sehr zufrieden und betonte, dass das Unternehmen in allen Bereichen Marktanteile gewinne, bei KI-Servern ebenso wie bei herkömmlichen Servern, bei Speichern und PCs. Daher gab das Management eine starke Prognose für das zweite Quartal 2026/27 ab.
Demnach soll der Konzernumsatz im zweiten Quartal 2026/27 44,5 Milliarden Dollar (plus/minus 0,5 Milliarden Dollar) erreichen – das lag meilenweit über den Erwartungen von 35,06 Milliarden Dollar. Die Mitte der Spanne bedeutet ein Wachstum von rund 50 Prozent.
Dabei soll der Erlös mit KI-Servern 15,5 Milliarden Dollar erreichen.
Zudem soll das bereinigte Ebit auf Konzernebene um 80 Prozent zulegen.
Außerdem soll der bereinigte Gewinn je Aktie auf 4,80 Dollar (plus/minus 0,10 Dollar) nach oben schießen. Das lag weit über den Erwartungen von 3,05 Dollar, während die Mitte der Spanne mehr als einer Verdopplung gegenüber dem Vorjahreszeitraum entspricht.
Schlussendlich schraubte das Management die Prognose für das im Januar endende Fiskaljahr 2026/27 drastisch nach oben.
Demnach soll der Konzernumsatz 167 Milliarden Dollar (plus/minus 2 Milliarden Dollar) erreichen, statt der zuvor avisierten 140 Milliarden Dollar (plus/minus 2 Milliarden Dollar). Die Mitte der neuen Spanne bedeutet ein Wachstum von 47 Prozent.
Dabei sollen die Erlöse mit KI-Servern mit 60 Milliarden Dollar das 2,4-Fache des Vorjahresniveaus erreichen. Zuvor war ein Zuwachs auf 50 Milliarden Dollar geplant.
Zudem soll das bereinigte Ebit auf Konzernebene um mehr als 55 Prozent klettern.
Schlussendlich soll der bereinigte Gewinn je Aktie 17,90 Dollar (plus/minus 0,25 Dollar) erreichen, die Mitte der Spanne bedeutet einen Zuwachs von 74 Prozent. Bislang hatte das Management 12,90 Dollar (plus/minus 0,25 Dollar) in Aussicht gestellt.
Auf der Analystenkonferenz betonte das Management, dass die Nachfrage auf absehbare Sicht das Angebot weiter deutlich übersteigen werde, weil es eine Knappheit bei Speicherchips und teilweise auch bei Festplatten geben werde.
Zudem zerstreute das Management erfolgreich Sorgen, dass es sich bei dem KI-Boom nur um ein kurzfristiges Strohfeuer handeln könnte. Das Management betonte, dass es für das Ende des Fiskaljahrs 2026/27 einen hohen Auftragsbestand erwarte, weshalb das Geschäft auch in das Fiskaljahr 2027/28 hinein weiterhin gut laufen solle.
Dabei bestätigte das Management einmal mehr die langfristige Prognose. Demnach soll der Konzernumsatz um durchschnittlich 7 bis 9 Prozent pro Jahr steigen, während der Gewinn je Aktie im Schnitt um mehr als 15 Prozent pro Jahr zulegen soll.
So sehen die Schätzungen aus
Nach der Zahlenvorlage haben Analysten ihre Umsatz- und Gewinnschätzungen kräftig nach oben geschraubt. Demnach soll der Umsatz im per Januar endenden Fiskaljahr 2026/27 um 50,6 Prozent auf 170,93 Milliarden Dollar steigen.
Hingegen soll er 2027/28 um lediglich 7,8 Prozent auf 184,32 Milliarden Dollar zulegen, womit sich das Wachstum drastisch abschwächen würde. Offenbar bezweifeln die Finanzprofis, dass KI für einen nachhaltigen Wachstumsboom bei Dell sorgen wird.
Zudem soll das bereinigte Ebit 2026/27 um 59,4 Prozent auf 17,13 Milliarden Dollar klettern, gefolgt von einem Zuwachs von 7,6 Prozent auf 17,13 Milliarden Dollar für 2027/28. Damit würde die Marge zuerst von 8,8 auf 9,3 Prozent für 2026/27 steigen, um 2027/28 auf diesem Niveau zu stagnieren.
Selbstverständlich sind die Schätzungen mit erhöhter Unsicherheit behaftet, schließlich kann niemand seriös vorhersagen, ob und wie lange der KI-Boom noch anhalten könnte. Bislang deutet allerdings absolut nichts auf dessen Ende hin, zumal nach dem Ausblick von Dell.
Wie geht’s weiter mit der Aktie?
Nach dem Kurssprung der Aktie auf Rekordhochs liegt der Börsenwert (inklusive der nicht börsennotierten Aktien) bei 273,4 Milliarden Dollar. Inklusive der Nettoschulden von 19,6 Milliarden Dollar liegt der Enterprise Value (EV) bei 293,0 Milliarden Dollar.
Das entspricht dem 17,1-Fachen des von Analysten für 2027/28 prognostizierten Ebit. Die meiner Meinung nach hohe Bewertung zeigt, welch kräftiges Wachstum in der Aktie eingepreist ist. Dabei hat der Konzern zuletzt mit einem herausragenden Wachstum und einer erheblichen Verbesserung der Marge überzeugt.
Zum Vergleich: Das Multiple von Nvidia für das im Januar endende Fiskaljahr 2027/28 liegt bei einem Enterprise Value von 5,04 Billionen Dollar und einem geschätzten Ebit von 361,0 Milliarden Dollar bei 14,0. Dabei lag die bereinigte Ebit-Marge im abgelaufenen Quartal bei herben 65,9 Prozent. Im Klartext: Dell ist viel höher bewertet als Nvidia.
Und das 2027/28er-KGV von Dell liegt bei 20,5.
Trotz der hohen Bewertung sollte die Rekordfahrt der Dell-Aktie – abgesehen von jederzeit möglichen Gewinnmitnahmen – meiner Meinung nach weitergehen, zumal das Unternehmen mit den herausragenden Quartalszahlen und dem sensationellen Ausblick den KI-Hype weiter angeheizt hat.
BNP Paribas bietet auf die Aktie von Dell Technologies (A2N6WP) Mini Futures, Unlimited Turbos, Optionsscheine, Faktor-Optionsscheine und weitere Produkte an.

Egmond Haidt
Der Autor dieses Beitrags, Egmond Haidt, arbeitete nach seiner Bankausbildung und dem BWL-Studium ab 2000 als Redakteur bei BÖRSE ONLINE. Seit Juli 2013 ist der Finanzjournalist als Freiberufler tätig. Jeden Dienstag ab 18 Uhr analysiert er die neuesten Entwicklungen am Finanzmarkt in der Sendung Euer Egmond.
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