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Infineon – Aussicht auf marktbreiten Aufschwung sorgt für Prognoseanhebung
Der KI-Hype hat in den vergangenen Wochen für eine Rally bei der Aktie des Chipherstellers gesorgt. Wie geht’s nach der Zahlenvorlage weiter?
Mit einem deutlichen Kurseinbruch hatte die Infineon-Aktie auf die Vorlage der Halbjahreszahlen am Mittwoch, 6. Mai 2025 reagiert, ehe das Papier tags drauf auf das höchste Niveau seit September 2000 nach oben geschossen ist.
Sie lagen leicht unter den Erwartungen, allerdings hat Vorstandschef Jochen Hanebeck die Prognose für das Fiskaljahr 2025/26 deutlich angehoben. Dennoch dürfte die eine oder andere seiner Aussagen Investoren nicht begeistert haben.
Im per März beendeten zweiten Quartal des Fiskaljahres 2025/26 ist der Umsatz gegenüber dem Vorquartal um 4 Prozent auf 3,81 Milliarden Euro gestiegen, womit die Erwartungen praktisch genau getroffen worden sind.
Wachstumsmotor war vor allem der Bereich „Power & Sensor Systems“ der sich „weiterhin guter Nachfrage im Bereich Server und Rechenzentren für künstliche Intelligenz sowie anziehender Nachfrage in den Bereichen Radarsensoren für Autos, mobile Endgeräte und bei nahezu allen Leistungshalbleiterapplikationen“ erfreute, so die Pressemeldung. Sprich das Geschäft wird vor allem von der starken Nachfrage nach Stromversorgungen für KI-Rechenzentren angeheizt.
Zudem war das Segmentergebnis, also der bereinigte Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit), auf Konzernebene mit 653 Millionen Euro stabil gegenüber dem Vorquartal, damit sind allerdings die Erwartungen von 677 Millionen Euro deutlich verfehlt worden. Zudem ist die Marge etwas zurückgegangen von 17,9 auf 17,1 Prozent.
Außerdem gab der bereinigte Gewinn je Aktie leicht nach auf 0,34 Euro, das lag deutlich unter den Erwartungen von 0,37 Euro.
Hingegen hat sich der Cashflow erfreulich entwickelt. Jener aus dem operativen Geschäft ist gegenüber dem Vorquartal deutlich gestiegen auf 436 Millionen Euro.
Abzüglich der Investitionen von 499 Millionen Euro (netto) stand ein Free Cashflow von minus 63 Millionen Euro zu Buche, als ein deutlicher Cash-Abfluss, nach minus 199 Millionen Euro für das erste Quartal 2025/26.
Zudem ist der Auftragsbestand um 19 Prozent gegenüber dem Vorquartal auf 25 Milliarden Euro geklettert. Das ist der höchste Wert seit dem vierten Quartal 2022/23 (29 Milliarden Euro).
Prognose angehoben
Hanebeck gab sich mit den Ergebnissen zufrieden und versprach eine weitere Geschäftsbelebung für das zweite Halbjahr 2025/26.
„Im zweiten Halbjahr werden wir stärker als bislang erwartet wachsen, ein breiterer Aufschwung vieler Endmärkte ist in Sicht. Der KI-Boom weitet sich aus und unsere Stromversorgungslösungen für KI-Rechenzentren sind äußerst gefragt. Der Ausbau der Energieinfrastruktur gewinnt an Fahrt und ist ein zunehmender Wachstumstreiber für unser Industriegeschäft“, sagte der Vorstandschef. Zudem würden Kunden aus dem Autosektor ihre Lagervorräte wieder aufstocken.
Allerdings warnte er, dass das Geschäft in einem Teil des Autobereichs schwierig sei. „ Im Bereich Automotive sehen wir eine positive Entwicklung, insbesondere bei softwaredefinierten Fahrzeugen, gedämpft durch ein herausforderndes Elektromobilitätsgeschäft für Hochvoltkomponenten“, so der Vorstandschef. Er will das Geschäft mit diesen Hochspannungsantriebssträngen in den nächsten Quartalen energisch restrukturieren, was erst einmal die Profitabilität belasten wird.
Für das dritte Quartal 2025/26 hat er einen Konzernumsatz von rund 4,1 Milliarden Euro in Aussicht gestellt – das lag leicht über den Erwartungen von 4,04 Milliarden Euro. Das bedeutet zudem einen Zuwachs von 7,6 Prozent gegenüber dem Vorquartal.
Dabei soll die bereinigte Segmentergebnis-Marge im hohen Zehner-Prozentbereich liegen.
Zudem hat der Vorstandschef die Prognose für das Gesamtjahr 2025/26 angehoben. Demnach soll der Konzernumsatz „deutlich“ steigen auf rund 16 Milliarden Euro, was einem Wachstum von 10 Prozent entspricht, statt des zuvor geplanten „moderaten“ Wachstums. Dabei soll sich das Geschäft in den nächsten Quartalen insgesamt besser entwickeln als saisonal üblich.
Außerdem soll die Segmentergebnis-Marge 2025/26 20 Prozent erreichen, statt des zuvor avisierten „hohen Zehner-Prozentbereichs.“ Für die Anhebung seien ein steigender Absatz sowie stärker als ursprünglich geplante Preiserhöhungen verantwortlich.
Das Management peilt außerdem weiterhin Investitionen von 2,7 Milliarden Euro an. Dabei sollen die Kapazitäten gerade im Geschäft mit Stromversorgungen für KI-Rechenzentren deutlich hochgefahren werden.
Allerdings hat das Management die Umsatzprognose für diese heißbegehrten Chips von 1,5 Milliarden Euro für das Fiskaljahr 2025/26, sowie von 2,5 Milliarden Euro für 2026/27 lediglich bestätigt, zumal das Unternehmen die Belastung durch den schwachen Dollar wettmachen will.
Auf der Analystenkonferenz wollte sich das Management trotz mehrfacher Fragen von Analysten nicht auf eine Erhöhung der obigen Zahlen einlassen, schließlich hänge das von den Lieferketten ab, zudem welche Produkte genau von den Kunden geordert werden würden und von der Preisentwicklung.
Das dürfte für etwas Enttäuschung bei etlichen Investoren gesorgt haben, nachdem in den vergangenen Wochen etliche andere Chiphersteller ihren Ausblick für das KI-Geschäft nach oben geschraubt hatten.
Insgesamt liegt die Anhebung der Prognose für 2025/26 also an der Entwicklung des Geschäfts außerhalb der KI-Chips. Das könnte bei etlichen Investoren die Fantasie kurzfristig nicht gerade angeheizt haben.
Hanebeck hat außerdem den Ausblick für den Free Cashflow für 2025/26 auf 1,25 Milliarden Euro nach oben geschraubt, statt der zuvor geplanten 1,0 Milliarden Euro. Dazu soll auch der Abbau der Lagervorräte beitragen, die sich zuletzt auf 4,5 Milliarden Euro belaufen haben.
So sehen die Schätzungen aus
Nach der Zahlenvorlage haben Analysten ihre Umsatz- und Gewinnschätzungen für 2026 und 2027 jeweils angehoben.
Demnach prognostizieren die Finanzprofis – nach zwei Jahren in Folge mit Erlösrückgängen – für das per September endende Fiskaljahr 2025/26 einen Umsatzanstieg von 8,9 Prozent auf 15,96 Milliarden Euro. 2026/27 soll es um 13,7 Prozent auf 18,15 Milliarden Euro nach oben gehen, womit sich das Wachstum deutlich beschleunigen würde.
Zudem soll das bereinigte Ebit 2025/26 um 61,6 Prozent auf 2,45 Milliarden Euro nach oben schießen, gefolgt von einem Sprung um 46,8 Prozent auf 3,60 Milliarden Euro für 2026/27. Damit würde die Marge jeweils nach oben schießen, zuerst von 10,3 auf 15,3 Prozent für 2025/26, um 2026/27 sogar 19,8 Prozent zu erreichen. Das wäre der höchste Wert seit dem Fiskaljahr 2022/23 (24,2 Prozent).
Wie geht’s weiter mit der Aktie?
Nach dem Kurssprung auf Mehr-Jahres-Hochs liegt der Börsenwert bei 80,1 Milliarden Euro. Inklusive der Nettoschulden von 5,7 Milliarden Euro liegt der Enterprise Value (EV) bei 85,8 Milliarden Euro.
Das entspricht dem 23,9-Fachen des von Analysten für 2026/27 prognostizierten Ebit. Die hohe Bewertung zeigt, welch massives Wachstum in der Aktie eingepreist ist. Allerdings soll sich das Geschäft in den nächsten Quartalen besser als saisonal üblich entwickeln und sich das Umsatzwachstum 2026/27 deutlich beschleunigen, während die Marge in diesem und im nächsten Fiskaljahr jeweils drastisch verbessert werden soll.
Und das KGV liegt bei 25,3.
Meiner Meinung nach sollte der Höhenflug der Infineon-Aktie weitergehen. Investoren könnten darauf setzen, dass sich das Geschäft des Halbleiterherstellers insgesamt weiter erfreulich entwickeln wird und er schlussendlich die Prognose für die Stromversorgungen für KI-Rechenzentren doch noch nach oben schrauben könnte, vielleicht bei der Vorlage der Jahreszahlen, die üblicherweise Mitte November veröffentlicht werden.
Und selbstverständlich hängt die weitere Entwicklung des Infineon-Papiers nicht zuletzt davon ab, ob der KI-Hype bei den weltweiten Chipaktien weitergeht, wovon ich ausgehe.
BNP Paribas bietet auf die Aktie von Infineon (623100) Mini Futures, Unlimited Turbos, Optionsscheine, Faktor-Optionsscheine und weitere Produkte an.

Egmond Haidt
Der Autor dieses Beitrags, Egmond Haidt, arbeitete nach seiner Bankausbildung und dem BWL-Studium ab 2000 als Redakteur bei BÖRSE ONLINE. Seit Juli 2013 ist der Finanzjournalist als Freiberufler tätig. Jeden Dienstag ab 18 Uhr analysiert er die neuesten Entwicklungen am Finanzmarkt in der Sendung Euer Egmond.
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