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Infineon – Kräftige Erhöhung der KI-Prognose euphorisiert Investoren

Die Aktie des Chipherstellers tendiert seit etlichen Jahren unter großen Schwankungen seitwärts. Wie geht’s nach der Vorlage der Jahreszahlen weiter?
Mit einem satten Kurssprung nach oben reagiert die Infineon-Aktie auf die Vorlage der Ergebnisse für das per September beendete Fiskaljahr 2024/25. Zwar sind sie gemischt ausgefallen, doch umso begeisterter sind Investoren, dass Vorstandschef Jochen Hanebeck die Prognose für die KI-Umsätze für das laufende Jahr um 50 Prozent auf 1,5 Milliarden Euro nach oben geschraubt hat.
Im vierten Quartal 2024/25 ist der Umsatz um 6 Prozent gegenüber dem Vorquartal auf 3,94 Milliarden Euro gestiegen. Das lag leicht über den Schätzungen der Analysten von 3,91 Milliarden Euro. Währungsbereinigt lag das Plus bei 8,5 Prozent.
Zu dem Wachstum haben sämtliche Geschäftsbereiche beigetragen. Dabei legten die Einnahmen mit Chips für Autos zu, was Infineon unter anderem auf „das Auslaufen von Förderungen (für E-Autos) in den USA und China“ zurückführte. Das Autogeschäft ist der mit weitem Abstand wichtigste Umsatzlieferant von Infineon, steuerte er doch mit 1,92 Milliarden Euro 48,7 Prozent der Konzernerlöse bei. Entsprechend stark hängt das Unternehmen von der Entwicklung des Automarkts ab.
Zudem wuchsen die Einnahmen mit Chips für Energieinfrastruktur, wozu Infineon erneuerbare Energien und Netzinfrastruktur zählt, ebenso wie mit jenen für Server und Rechenzentren für KI.
Dabei stieg das Segment-Ergebnis, also der bereinigte Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit), gegenüber dem Vorquartal um 7 Prozent auf 717 Millionen Euro. Damit hat sich die Marge von 18,0 auf 18,2 Prozent leicht verbessert.
Allerdings lag das unter den Erwartungen von 733 Millionen Euro. Infineon räumte ein, dass Chips aus „bestimmten Produktgruppen für konsumentennahe Anwendungen“ aufgrund „unterausgelasteter Produktionskapazitäten vorübergehend zu niedrigeren Margen“ verkauft worden seien.
Hingegen stieg der Auftragsbestand erfreulicherweise gegenüber dem Vorquartal von 18 auf 20 Milliarden Euro, womit sich der Wert auf dem Niveau der vergangenen fünf Quartale eingependelt hat.
KI-Prognose massiv angehoben
Bei der Zahlenvorlage zeigte sich Hanebeck zufrieden mit den Ergebnissen. „Für das Geschäftsjahr 2026 erwarten wir ein moderates Wachstum in einem weiterhin uneinheitlichen Marktumfeld. In automobil-, industrie- und verbrauchernahen Märkten sind die Wachstumsimpulse noch verhalten. Viele Kunden fahren auf Sicht und bestellen kurzfristig“, sagte der Vorstandschef.
„Dagegen steigen Investitionen in die KI-Infrastruktur weltweit weiter stark an und wir rechnen mit einer deutlich anziehenden Nachfrage nach unseren führenden Stromversorgungslösungen für KI-Rechenzentren. Wir heben unser Ziel deutlich an und erwarten hier im Geschäftsjahr 2026 rund 1,5 Milliarden Euro Umsatz“, so der Firmenlenker.
Das sind 50 Prozent mehr als die 1,0 Milliarden Euro, die er bei der Präsentation der 9-Monats-Zahlen in Aussicht gestellt hatte, und bedeutet zudem mehr als eine Verdopplung gegenüber 2024/25 als sich die Einnahmen aus KI-Chips fast verdreifacht hatten, auf mehr als 700 Millionen Euro.
Analysten prognostizieren für 2025/26 einen Anstieg des Konzernumsatzes auf 15,8 Milliarden Euro. Damit würde der Anteil der KI-Erlöse von 4,8 Prozent auf 9,5 Prozent nach oben schießen – und genau diese Aussicht euphorisiert Investoren.
Bis zum Ende des Jahrzehnts werde der für Infineon adressierbare Markt für KI-Chips eine Größe von 8 bis 12 Milliarden Euro erreichen. Dabei will Infineon seinen Marktanteil von aktuell 30 bis 40 Prozent verteidigen.
Für das erste Quartal 2025/26 hat Hanebeck einen Umsatz von 3,6 Milliarden Euro in Aussicht gestellt, das lag allerdings unter den Erwartungen von 3,75 Milliarden Euro. Dabei soll eine Segment-Ergebnis-Marge im „mittleren bis hohen Zehner-Prozentbereich“ erwirtschaftet werden.
Für das Fiskaljahr 2025/26 peilt der Vorstandschef – wie oben geschrieben – bei einem moderaten Umsatzwachstum eine Segment-Ergebnis-Marge im „hohen Zehner-Prozentbereich“ an.
So sehen die Schätzungen aus
Analysten prognostizieren für das Fiskaljahr 2025/26 einen Umsatz von 15,82 Milliarden Euro, das entspricht einem Anstieg von 7,9 Prozent gegenüber 2024/25. Das wäre eine erfreuliche Entwicklung, nachdem die Erlöse zwei Jahre in Folge gesunken sind, von 16,4 Milliarden für 2022/23 über 15,0 Milliarden Euro für 2023/24 auf 14,7 Milliarden für 2024/25.
Im gleichen Zeitraum ist die Segment-Ergebnis-Marge von 27 Prozent über 21 Prozent auf 18 Prozent zurückgegangen. Das bereinigte Ebit soll 2025/26 2,8 Milliarden Euro erreichen, was einen Zuwachs von 9,4 Prozent bedeutet. Damit würde sich die Marge leicht verbessern, von 17,5 auf 17,7 Prozent.
Wie geht’s weiter mit der Aktie?
Nach dem Kurssprung liegt der Börsenwert bei 47,5 Milliarden Euro. Inklusive der Nettoschulden von 4,7 Milliarden Euro liegt der Enterprise Value (EV) bei 52,2 Milliarden Euro.
Das entspricht dem 18,6-Fachen des von Analysten für 2025/26 vorhergesagten Ebit. Ich finde, das ist eigentlich eine ziemlich hohe Bewertung für ein Unternehmen, das üblicherweise ein zyklisches Geschäft hat und das zudem gerade unter der Flaute der Autoindustrie leidet.
Und das KGV liegt bei 19,9.
Der Kurssprung zeigt, dass sich die Stimmung der Investoren für die Aktie kräftig verbessert hat. Vor diesem Hintergrund dürfte die Aktie kurzfristig weiter in Richtung des 52-Wochen-Hochs von 38,66 Euro vom Februar 2025 steigen, denn der KI-Hype euphorisiert nun auch die Aktionäre von Infineon.
BNP Paribas bietet auf die Aktie von Infineon (623100) Mini Futures, Unlimited Turbos, Optionsscheine, Faktor-Optionsscheine und weitere Produkte an.

Egmond Haidt
Der Autor dieses Beitrags, Egmond Haidt, arbeitete nach seiner Bankausbildung und dem BWL-Studium ab 2000 als Redakteur bei BÖRSE ONLINE. Seit Juli 2013 ist der Finanzjournalist als Freiberufler tätig. Jeden Dienstag ab 18 Uhr analysiert er die neuesten Entwicklungen am Finanzmarkt in der Sendung Euer Egmond.
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