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Kinsale Capital – Sorge vor Wachstumsabschwächung belastet Aktie
Der US-Spezialversicherer hatte Investoren jahrelang mit rasantem Wachstum überzeugt. Umso verunsicherter sind Anleger derzeit.
Keinen Grund zur Freude hatten Anteilseigner von Kinsale Capital in den vergangenen Monaten. Während der S&P 500 auf Rekordfahrt ist, ist die Aktie des US-Spezialversicherers auf Talfahrt und nähert sich zusehends den 24-Monats-Tiefs. Grund ist der Preisdruck in einzelnen Teilen des Geschäfts, der die Ergebnisse belastet.
Der Konzern versichert einzigartige oder besonders hohe Risiken, die „normale“ Versicherer nicht versichern wollen. Außerdem geht es um Selbstbehalt- oder Überschussversicherungen. Bei Ersteren zahlt die Versicherung im Schadensfall den Selbstbehalt beispielsweise bei Hausrat-, Mietwagen- oder Reiseversicherungen. Hingegen zahlen Überschussversicherungen, wenn im Schadensfall die Hauptversicherungssumme überschritten wird (Haftpflicht).
Das Unternehmen hatte bei den Prämieneinnahmen jahrelang Wachstumsraten von 30 bis 50 Prozent pro Jahr, weil es mit seinen günstigen Preisen Kunden überzeugen konnte.
Im dritten Quartal ist zwar der Umsatz gegenüber dem Vorjahr um 19 Prozent auf 497,5 Millionen Dollar gestiegen, allerdings legten die Prämieneinnahmen um lediglich 8,4 Prozent auf 486,3 Millionen Dollar zu.
Dabei sind die Prämieneinnahmen im Bereich Gewerbeimmobilien, der der größte des Unternehmens ist, wegen von Preisrückgängen aufgrund des harten Wettbewerbsdrucks um 7.9 Prozent zurückgegangen. Das war allerdings eine Verbesserung gegenüber dem Vorquartal, als ein Minus von herben 16,8 Prozent zu Buche gestanden hatte.
Bereinigt um den Bereich Gewerbeimmobilien sind die Prämieneinnahmen zwar um 12,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr gestiegen, allerdings bedeutet das eine Verlangsamung gegenüber dem Wert des Vorquartals von 14,3 Prozent.
Langfristiges Wachstum intakt
Auf der Analystenkonferenz nach der Zahlenvorlage am 23. Oktober versuchte das Management um Vorstandschef Michael P. Kehoe zwar, Sorgen um eine Abschwächung des Wachstums zu zerstreuen, der Kurseinbruch am 24. Oktober deutet allerdings darauf hin, dass der Vorstand die Ängste der Investoren nicht entkräften konnte.
Dabei wurde die Schaden-Kosten-Quote im dritten Quartal auf 74,9 Prozent etwas verbessert, gegenüber 75,7 Prozent im Vorjahreszeitraum. Die Quote gibt das Verhältnis der Kosten für eingetretene Schäden sowie der Ausgaben für Verwaltung und für den Abschluss der Versicherungsverträge zu den Prämieneinnahmen wider. Je niedriger die Schaden-Kosten-Quote ist, umso besser für das Unternehmen.
Zudem kletterte der bereinigte Gewinn je Aktie um 24 Prozent auf 5,21 Dollar.
Auf der Analystenkonferenz machte das Management keinerlei Angaben zur Prognose für 2025. Allerdings gab es sich zuversichtlich, dass der Bereich Gewerbeimmobilien an einem Wendepunkt sei, weil der Preisrückgang in dem Bereich geringer geworden sei.
Kehoe räumte offen ein, dass das konzernweite Wachstum der Prämieneinnahmen in den vergangenen zwei Jahren von 40 Prozent auf zuletzt nur noch 8,4 Prozent zurückgegangen sei. Allerdings sei er überzeugt, dass im Laufe des Zyklus weiterhin Wachstumsraten von 10 bis 20 Prozent möglich seien.
Um Investoren bei Laune zu halten, hat der Konzern am 11. Dezember ein neues Aktienrückkaufprogramm von 250 Millionen Dollar angekündigt, nachdem das alte ausgelaufen war. Im dritten Quartal hatte der Versicherer 20,0 Millionen Dollar für Aktienrückkäufe ausgegeben.
So sehen die Schätzungen aus
Analysten prognostizieren für 2025 ein Umsatzwachstum von lediglich 17 Prozent auf 1,86 Milliarden Dollar. 2026 soll es sich auf 7,3 Prozent abschwächen, womit 2,0 Milliarden Dollar zu Buche stehen würden.
Dabei soll der Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) 2025 um 17,3 Prozent auf 615,8 Millionen Dollar zulegen. Hingegen sagen die Finanzprofis für 2026 einen Rückgang um 3,6 Prozent auf 593,8 Millionen Dollar vorher. Damit würde die Marge zuerst bei 33,1 Prozent stagnieren, um 2026 auf 29,8 Prozent deutlich zurückzugehen.
Wie geht’s weiter mit der Aktie?
Meiner Meinung nach könnte die Talfahrt der Aktie von Kinsale Capital kurzfristig weitergehen, zumal sie mit einem KGV von 18,7 nicht gerade günstig ist. Vielmehr dürften Investoren auf die Vorlage der Zahlen zum vierten Quartal warten, die üblicherweise Mitte Februar veröffentlicht werden, um zu sehen, ob es zumindest eine leichte Belebung des Wachstums gegeben hat. Der Konzern hat bislang noch keinen Termin für die Präsentation der Ergebnisse bekannt gegeben.
BNP Paribas bietet auf die Aktie von Kinsale Capital (A2APEC) Mini Futures, Unlimited Turbos und weitere Produkte an.

Egmond Haidt
Der Autor dieses Beitrags, Egmond Haidt, arbeitete nach seiner Bankausbildung und dem BWL-Studium ab 2000 als Redakteur bei BÖRSE ONLINE. Seit Juli 2013 ist der Finanzjournalist als Freiberufler tätig. Jeden Dienstag ab 18 Uhr analysiert er die neuesten Entwicklungen am Finanzmarkt in der Sendung Euer Egmond.
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