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Kratos Defense & Security Solutions – US-Regierung denkt über Finanzspritzen für Drohnenhersteller nach
Der aufstrebende US-Rüstungs- und Raumfahrttechnikspezialist erfreut sich guter Geschäfte. Wie geht’s weiter mit der Aktie?
Am 28. Mai hat das Wall Street Journal gemeldet, dass das US-Kriegsministerium etlichen Drohnenherstellern wie der börsennotierten Firma Unusual Machines oder den in privater Hand befindlichen Unternehmen Performance Drone Works und Neros Technologies Finanzspritzen zukommen lassen möchte.
Auf die Meldung hin sind neben den Aktien von Unusual Machines auch jene etlicher US-Konkurrenten nach oben geschossen, zum Beispiel diejenigen von Red Cat, AeroVironment und Kratos Defense & Security Solutions, wenngleich die Unternehmen nicht in dem Bericht erwähnt worden waren.
Dennoch ist nicht ausgeschlossen, dass einige dieser Firmen doch Staatsgeld bekommen könnten. Wie könnte es vor diesem Hintergrund mit dem Kratos-Papier weitergehen?
Die Firma entwickelt Drohnen wie die XQ-58 Valkyrie, die vom US-Militär und Verbündeten eingesetzt werden. Außerdem unterstützt Hard- und Software von Kratos den Großteil der US-Weltraummissionen sowie zahlreiche kommerzielle Satellitenoperationen. Zudem baut die Firma suborbitale Raketen. Diese dienen als Ziele für Raketenabwehrsysteme oder werden für Tests neuer Hyperschall-Technologien genutzt.
Gute Zahlen
Im ersten Quartal ist der Umsatz von Kratos um 22,6 Prozent auf 371,0 Millionen Dollar gestiegen. Dabei belief sich das organische Wachstum auf 15,8 Prozent, zudem entfielen 20,6 Millionen Dollar auf die Übernahme der Firmen Nomad Global Communication Solutions (Nomad) und Orbit Technologies (Orbit).
Dabei ist der bereinigte Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) um 44,9 Prozent auf 38,7 Millionen Dollar nach oben geschossen, und damit hat sich die Marge von 8,8 Prozent auf 10,4 Prozent deutlich verbessert. Davon entfielen 33,5 Millionen Dollar auf das Geschäft mit staatlichen Stellen, allen voran mit dem US-Kriegsministerium.
Zudem legte der bereinigte Gewinn je Aktie um ein Drittel auf 0,16 Dollar zu.
Gleichzeitig belief sich der Auftragseingang auf 605,2 Millionen Dollar, womit das Book-to-Bill-Ratio, also das Verhältnis Auftragseingang zu Umsatz, den Wert von 1,6 erreicht hat. Werte oberhalb von 1,0 deuten auf künftiges Umsatzwachstum hin.
Der Auftragsbestand ist um 27,8 Prozent auf den Rekord von 2,0 Milliarden Dollar geklettert. Außerdem ist die Pipeline deutlich gestiegen, auf 14,3 Milliarden Dollar. Dabei handelt es sich um vielversprechende Gespräche mit Kunden über mögliche Aufträge sowie darum, dass Kratos seinerseits Angebote für mögliche Aufträge abgegeben hat.
Allerdings belastet der kräftige Ausbau der Kapazitäten den Cashflow erheblich. So stand beim Cashflow aus dem operativen Geschäft ein Abfluss von 27,4 Millionen Dollar zu Buche. Zudem beliefen sich die Investitionen auf 19,9 Millionen Dollar. Inklusive eines positiven Sondereffekts von 4,2 Millionen Dollar belief sich der Free Cashflow auf minus 43,1 Millionen Dollar, es entstand also ein erheblicher Abfluss.
Prognose angehoben
Bei der Zahlenvorlage am 6. Mai zeigte sich Vorstandschef Eric DeMarco dennoch zufrieden mit den Ergebnissen.
Für das zweite Quartal hat er einen Umsatz von 400 bis 410 Millionen Dollar in Aussicht gestellt, allerdings soll sich das organische Wachstum auf lediglich 4 bis 7 Prozent belaufen. Dabei soll das bereinigte Ebitda 30 bis 35 Millionen Dollar erreichen.
Zudem hat der Vorstandschef die Prognose für das Gesamtjahr angehoben, zumal in ihr nun auch die Übernahme von Orbit enthalten sei. Demnach soll der Erlös auf 1,70 bis 1,76 Milliarden Dollar statt der zuvor geplanten 1,595 bis 1,675 Milliarden Dollar steigen, dabei soll sich das organische Wachstum auf 15 bis 19 Prozent belaufen.
Außerdem peilt DeMarco ein bereinigtes Ebitda von 170 bis 176 Millionen Dollar statt der zuvor avisierten 157 bis 167 Millionen Dollar an. Damit soll die Marge also um 100 Basispunkte (1 Prozentpunkt) verbessert werden.
Einen Ausblick auf 2027 werde der Konzern bei der Vorlage der 9-Monats-Zahlen für 2026 veröffentlichen. Allerdings geht der Vorstandschef weiterhin davon aus, dass die Ebitda-Marge 2027 um weitere 100 Basispunkte verbessert werden soll.
Allerdings soll beim Free Cashflow ein Abfluss von 85 bis 105 Millionen Dollar statt der zuvor geplanten 85 Millionen Dollar stehen.
So sehen die Schätzungen aus
Analysten prognostizieren für 2026 einen Umsatzanstieg um 29,4 Prozent auf 1,74 Milliarden Dollar. 2027 soll es um 24,2 Prozent auf 2,17 Milliarden Dollar nach oben gehen.
Dabei soll das bereinigte Ebitda 2026 um 48,0 Prozent auf 177,4 Millionen Dollar nach oben schießen, gefolgt von einem Sprung um 35,1 Prozent auf 239,7 Millionen Dollar für 2027. Damit würde sich die Marge jeweils deutlich verbessern, zuerst von 8,9 Prozent auf 10,2 Prozent für 2026, um 2027 dann 11,1 Prozent zu erreichen.
Hingegen soll der bereinigte Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) 2026 um lediglich 0,5 Prozent auf 25,7 Millionen Dollar klettern. Für 2027 wird dann quasi eine Vervierfachung auf 99,3 Millionen Dollar vorhergesagt.
Wie geht’s weiter mit der Aktie?
Nach dem jüngsten Kurssprung nach oben liegt der Börsenwert bei 11,91 Milliarden Dollar. Abzüglich des Netto-Cash-Bestands von 1,46 Milliarden Dollar liegt der Enterprise Value (EV) bei 10,45 Milliarden Dollar.
Das entspricht dem 105,2-Fachen des von Analysten für 2027 prognostizierten Ebit. Die geradezu astronomische Bewertung zeigt, welch astronomisches Wachstum in der Aktie eingepreist ist.
Und das 2027er-KGV liegt bei herben 59,6.
In der Hoffnung, dass es in nächster Zeit Nachrichten der US-Regierung zu Finanzspritzen für die Drohnenhersteller geben könnte, könnte die Kratos-Aktie – und jene etlicher Konkurrenten – auf Erholungskurs bleiben, denn Investoren könnten in diesem Szenario die extrem hohe Bewertung zumindest kurzfristig ignorieren. Allerdings wäre es wichtig, dass Kratos dann auch tatsächlich ein Stück vom Kuchen abbekommt.
BNP Paribas bietet auf die Aktie von Kratos Defense & Security Solutions (A0YAND) Unlimited Turbos, Faktor Optionsscheine und weitere Produkte an.

Egmond Haidt
Der Autor dieses Beitrags, Egmond Haidt, arbeitete nach seiner Bankausbildung und dem BWL-Studium ab 2000 als Redakteur bei BÖRSE ONLINE. Seit Juli 2013 ist der Finanzjournalist als Freiberufler tätig. Jeden Dienstag ab 18 Uhr analysiert er die neuesten Entwicklungen am Finanzmarkt in der Sendung Euer Egmond.
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