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Marvell Technology – Kursrakete steht vor Aufstieg in den S&P 500
Nach einer Aussage von Nvidia-Chef Jensen Huang ist der Börsenwert des US-Chipkonzerns um 63 Milliarden Dollar nach oben geschossen. Wie geht’s weiter mit dem Papier?
Am 22. Juni ist es so weit: An diesem Tag steigen die Aktien des US-Chipkonzerns Marvell Technology und jene des Auftragsfertigers für die Elektronikindustrie Flex zum Handelsstart in den USA in den S&P 500 auf. Damit erreicht Marvell einen weiteren Meilenstein in der Unternehmensgeschichte, während das Papier – trotz des jüngsten Kursrückgangs – um knapp 300 Prozent höher notiert als vor einem Jahr.
Den jüngsten Kurssprung nach oben hatte es am 2. Juni gegeben, als Nvidia-Chef Jensen Huang bei einer Präsentation mit Marvell-Chef Matt Murphy auf der Computex-Messe in Taipeh gesagt hatte, dass Marvell das nächste Unternehmen sein werde, das einen Börsenwert von 1 Billion Dollar erreichen werde.
Daraufhin war die Aktie um 33 Prozent nach oben geschossen, das war der größte Anstieg seit Juni 2000. Damit ist der Börsenwert um 63,1 Milliarden Dollar auf 254,4 Milliarden Dollar explodiert. Wie könnte es mit dem Papier weitergehen, nachdem es zuletzt im Zuge des Einbruchs bei den US-Technologie-Aktien deutlich nachgegeben hat?
Immerhin brummt das Geschäft des Chipkonzerns immer mehr, weshalb das Management in den vergangenen Quartalen wiederholt die Prognose angehoben hatte, zuletzt bei der Zahlenvorlage am 27. Mai.
Marvell produziert Prozessoren und optische Netzwerklösungen, die nötig sind, um die rechenintensiven KI-Grafikchips beispielsweise von Nvidia in großen Rechenzentren miteinander zu verbinden. Marvell stellt dabei Chips, Switches und Server-Verbindungssysteme für die Hyperscaler her.
Gute Zahlen
Im per 2. Mai beendeten ersten Quartal des Fiskaljahrs 2026/27 ist der Umsatz um 28 Prozent auf den Rekord von 2,42 Milliarden Dollar gestiegen. Das lag leicht über den Schätzungen der Analysten von 2,41 Milliarden Dollar.
Dabei legte der Erlös im Bereich Rechenzentren um 27 Prozent auf den Rekord von 1,83 Milliarden Dollar zu, womit sein Anteil an den Konzernerlösen bei 76 Prozent geblieben ist. Zudem kletterten die Einnahmen im Bereich „Kommunikation und sonstige“ um 29 Prozent auf 585,1 Millionen Dollar.
Allerdings hat die bereinigte Bruttomarge auf Konzernebene etwas nachgegeben, von 59,8 auf 58,9 Prozent.
Hingegen ist der bereinigte Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) um 30,8 Prozent auf 846,9 Millionen Dollar gestiegen. Damit hat sich die Marge etwas verbessert, von 34,2 auf 35,0 Prozent.
Schlussendlich legte der bereinigte Gewinn je Aktie um 29 Prozent auf 0,80 Dollar zu.
Beim Cashflow sah die Lage ebenfalls sehr erfreulich aus. Jener aus dem operativen Geschäft hat sich annähernd verdoppelt – auf den Rekord von 638,8 Millionen Dollar. Obwohl die Investitionen kräftig gestiegen sind – auf 155,7 Millionen Dollar –, ist der Free Cashflow auf 483,1 Millionen Dollar nach oben geschossen.
Das Management hat die guten Geschäfte genutzt, um für 200 Millionen Dollar Aktien zurückzukaufen und den Anteilseignern über Dividenden 54 Millionen Dollar zukommen zu lassen.
Prognose angehoben
Auf der Analystenkonferenz zeigte sich Murphy mit den Ergebnissen sehr zufrieden und gab einen starken Ausblick ab, zumal die Kooperation mit Nvidia hervorragend laufe.
Demnach soll der Umsatz im zweiten Quartal 2026/27 2,7 Milliarden Dollar (plus/minus 5 Prozent) erreichen, das lag etwas über den Erwartungen von 2,6 Milliarden Dollar. Die Mitte der Spanne bedeutet ein Wachstum von 35 Prozent, womit es sich gegenüber dem Vorquartal beschleunigen würde.
Zudem soll eine bereinigte Bruttomarge von 58,25 bis 59,25 Prozent erwirtschaftet werden.
Schlussendlich soll der bereinigte Gewinn je Aktie 0,93 Dollar (plus/minus 0,05 Dollar) erreichen.
Wegen der boomenden Nachfrage nach Produkten aus dem Bereich Rechenzentren schraubte das Management zudem die Prognose für die Fiskaljahre 2026/27 und 2027/28 erneut nach oben.
Demnach soll der Konzernerlös im Fiskaljahr 2026/27 um rund 40 Prozent auf rund 11,5 Milliarden Dollar zulegen, statt der zuvor geplanten 11,0 Milliarden Dollar. Dabei soll sich das Umsatzwachstum von Quartal zu Quartal weiter beschleunigen. Wachstumsmotor soll der Bereich Rechenzentren sein, der im Gesamtjahr einen Umsatzsprung von rund 50 Prozent verbuchen soll, nach 46 Prozent für 2025/26.
Zudem soll der Konzernerlös im Fiskaljahr 2027/28 um rund 45 Prozent auf 16,5 Milliarden Dollar klettern. Die neue Prognose liegt um rund 1,5 Milliarden Dollar über der vorherigen. Dabei soll sich das Wachstum im Bereich Rechenzentren auf 55 Prozent beschleunigen. Das war alles Musik in den Ohren der Investoren.
So sehen die Schätzungen aus
Nach der Zahlenvorlage haben Analysten ihre Schätzungen für 2026/27 und 2027/28 nach oben geschraubt, dabei jene für 2027/28 noch stärker als die für 2026/27.
Demnach soll der Umsatz im per Januar endenden Fiskaljahr 2026/27 um 40,6 Prozent auf 11,52 Milliarden Dollar steigen. 2027/28 soll es um 44,7 Prozent auf 16,68 Milliarden Dollar nach oben gehen.
Dabei soll das bereinigte Ebit 2026/27 um 47,6 Prozent auf 4,27 Milliarden Dollar zulegen, gefolgt von einem Sprung um 54,2 Prozent auf 6,58 Milliarden Dollar für 2027/28. Damit würde sich die Marge jeweils deutlich verbessern, zuerst von 35,3 auf 37,0 Prozent für 206/27, um 2027/28 sogar 29,5 Prozent zu erreichen.
Wie geht’s weiter mit der Aktie?
Nach der Kurserholung liegt der Börsenwert bei 258,6 Milliarden Dollar. Inklusive der Nettoschulden von lediglich 1,1 Milliarden Dollar liegt der Enterprise Value (EV) bei 259,7 Milliarden Dollar.
Das entspricht dem 39,5-Fachen des von Analysten für 2027/28 prognostizierten Ebit. Die sehr hohe Bewertung zeigt, welch massives Wachstum in der Aktie eingepreist ist.
Zum Vergleich: Das Multiple für Nvidia liegt auf der gleichen Basis bei lediglich 14,1. Anders ausgedrückt: Das Multiple für Marvell ist 2,8-mal so hoch wie jenes für Nvidia.
Und das KGV für Marvell liegt bei herben 47,9.
Meiner Meinung nach sollte der Höhenflug der Aktie von Marvell Technology trotz der sehr hohen Bewertung weitergehen, schließlich gibt es einmal mehr Hoffnungen auf ein Friedensabkommen im Iran-Krieg, während nach dem sehr erfolgreichen Börsengang von SpaceX kein Ende des KI-Hypes in Sicht ist.
In diesem Umfeld dürfte für viele Investoren die hohe Bewertung von Marvell weiterhin keine Rolle spielen, vielmehr dürften sich Investoren darauf fokussieren, dass sich das Wachstum bei dem Unternehmen weiter beschleunigen soll, auf Konzernebene ebenso wie vor allem im Bereich Rechenzentren.
BNP Paribas bietet auf die Aktie von Marvell Technology (A3CNLD) Mini Futures, Unlimited Turbos, Optionsscheine, Faktor-Optionsscheine und weitere Produkte an.

Egmond Haidt
Der Autor dieses Beitrags, Egmond Haidt, arbeitete nach seiner Bankausbildung und dem BWL-Studium ab 2000 als Redakteur bei BÖRSE ONLINE. Seit Juli 2013 ist der Finanzjournalist als Freiberufler tätig. Jeden Dienstag ab 18 Uhr analysiert er die neuesten Entwicklungen am Finanzmarkt in der Sendung Euer Egmond.
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