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Micron Technology – Management prognostiziert für 2027 neue Rekordergebnisse
Das Geschäft des US-Herstellers von Speicherchips boomt viel stärker als jemals zuvor. Kann irgendetwas den Höhenflug der Aktie aufhalten?
Mit einer kleinen Berg- und Talfahrt hat die Aktie von Micron Technology auf die Vorlage der Quartalszahlen am Mittwochabend, dem 30. September, reagiert. Dabei lagen die Rekordergebnisse deutlich über den Schätzungen der Analysten, während das Management einmal mehr einen starken Ausblick gegeben hat. Allerdings fragen sich viele Investoren nur noch eins: Wie lange können die herausragenden Zeiten bei Micron noch anhalten?
Im per August beendeten vierten Quartal des Fiskaljahrs 2025/26 ist der Umsatz angeheizt vom KI-Boom und massiven Preiserhöhungen für Speicherchips um 379 Prozent auf den Rekord von 54,23 Milliarden Dollar nach oben geschossen. Das lag weit über den Schätzungen der Analysten von 51,49 Milliarden Dollar.
Dabei ist die bereinigte Bruttomarge von 45,7 auf 87,0 Prozent explodiert, damit wurden die Erwartungen von 86,2 Prozent klar übertroffen.
Zudem ist die bereinigte operative Marge, gemessen am Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) im Verhältnis zum Umsatz, von 35,0 auf 82,3 Prozent nach oben geschossen.
Außerdem hat sich der bereinigte Gewinn je Aktie auf 33,42 Dollar verelffacht, das lag deutlich über den Erwartungen von 31,83 Dollar.
Die Entwicklung des Cashflows war ebenfalls sensationell: Jener aus dem operativen Geschäft ist auf 44,0 Milliarden Dollar nach oben geschossen. Gleichzeitig haben sich die Nettoinvestitionen auf 10,8 Milliarden Dollar mehr als verdoppelt. Damit ist der Free Cashflow auf 33,2 Milliarden Dollar nach oben geschossen, gegenüber nur 803 Millionen Dollar im Vorjahreszeitraum.
Vor dem Hintergrund dieser Zahlen hatte Micron nun zum Quartalsende einen Netto-Cash-Bestand von 68,3 Milliarden Dollar – Rekord, nachdem zum Vorjahreszeitpunkt noch Nettoschulden von 2,6 Milliarden Dollar zu Buche gestanden hatten.
Starke Prognose
Vorstandschef Sanjah Mehrotra und Finanzchef Mark Murphy gaben zudem einen starken Ausblick für das Fiskaljahr 2026/27, schließlich solle die Lage im Speicherchip-Sektor trotz der massiven Investitionen von Micron ebenso wie derjenigen der Konkurrenten SK Hynix und Samsung Electronics angespannt bleiben. Es sei nicht absehbar, wann das Angebot die Nachfrage übersteigen werde.
Daher werde Micron 2026/27 neue Rekordergebnisse erzielen. Dabei soll der Umsatz von Quartal zu Quartal jeweils gegenüber dem Vorquartal steigen.
So soll im ersten Quartal 2026/27 ein Umsatz von 61,5 Milliarden Dollar (plus/minus 1,5 Milliarden Dollar) erreicht werden, das liegt weit über den Erwartungen von 57,02 Milliarden Dollar.
Allerdings soll die bereinigte Bruttomarge im ersten Quartal etwas zurückgehen, auf 86,25 Prozent. Das liegt etwas unter den Erwartungen von 86,7 Prozent. Grund für den Rückgang seien die deutlichen Gehaltserhöhungen, um Mitarbeiter an dem boomenden Geschäft zu beteiligen. Allerdings soll bei der bereinigten Bruttomarge im ersten Quartal der Tiefpunkt erreicht werden, ab dem zweiten Quartal soll es wieder aufwärts gehen.
Zudem sollen die operativen Kosten im Fiskaljahr 2026/27 um 2,5 Milliarden Dollar steigen, vor allem weil der Konzern noch mehr Geld in Forschung und Entwicklung stecken wolle.
Gleichzeitig will der Konzern weiter massiv investieren. So sollen die Investitionen im ersten Quartal 2026/27 auf 11,5 Milliarden Dollar steigen, im ersten Halbjahr sollen es insgesamt 25 Milliarden Dollar sein, damit also 13,5 Milliarden Dollar für das zweite Quartal.
Zudem sollen die Investitionen im zweiten Halbjahr höher sein, womit für das Gesamtjahr also mindestens 50 Milliarden Dollar zu Buche stehen sollen. Zum Vergleich: 2025/26 lagen die (Brutto)Investitionen bei 30,7 Milliarden Dollar und – nach Abzug der staatlichen Subventionen – die Nettoinvestitionen bei 27,4 Milliarden Dollar. Bislang waren Analysten von Investitionen von 48,3 Milliarden Dollar ausgegangen.
So sehen die Schätzungen aus
Analysten prognostizieren für das im August endende Fiskaljahr 2026/27 einen Umsatzsprung von 88,1 Prozent auf 250,52 Milliarden Dollar.
Dabei soll das bereinigte Ebit um 108,3 Prozent auf 210,81 Milliarden Dollar nach oben schießen. Damit würde die Marge von 76,0 auf 84,2 Prozent nach oben schießen.
Nach den hervorragenden Quartalszahlen und dem starken Ausblick dürften Analysten in den nächsten Tagen ihre Schätzungen für 2026/27 und auch die Folgejahre jeweils mehr oder minder deutlich nach oben schrauben.
Wie geht’s weiter mit der Aktie?
Nach der Rally der vergangenen Monate liegt der Börsenwert bei 1,20 Billionen Dollar. Abzüglich des Netto-Cash-Bestands von 68,3 Milliarden Dollar liegt der Enterprise Value (EV) bei 1,13 Billionen Dollar.
Das entspricht lediglich dem 5,4-Fachen des von Analysten für 2026/27 prognostizierten Ebit. Die sehr niedrige Bewertung zeigt, dass viele Investoren weiterhin überzeugt sind, dass Micron ein sehr zyklisches Geschäft haben könnte und der Umsatzboom schnell enden könnte, womit die aktuell sensationellen Margen nicht nachhaltig wären. Auf Basis der Ebit-Schätzungen für 2027/28 von 227,7 Milliarden Dollar liegt das Multiple sogar bei nur 5,0.
Und das KGV auf Basis der 2026/27er-Schätzungen liegt bei lediglich 5,6.
Die obigen Zahlen zeigen, dass die Aktie scheinbar sehr günstig sein könnte. Das Problem an der Sache: dass eben die geradezu astronomische Ebit-Marge nicht nachhaltig sein könnte. Zur Erinnerung: In den Fiskaljahren 2015/16 bis 2018/19, also in „normalen“ Zeiten vor Corona, Ukraine-Krieg und Iran-Krieg, lag sie im Schnitt bei „nur“ 28,2 Prozent.
Die Gefahr ist, dass – je nachdem, wie sehr die führenden Hersteller von Speicherchips ihre Kapazitäten ausbauen, während gleichzeitig der Wettbewerbsdruck durch chinesische Anbieter wie ChangXin Memory Technologies (CXMT) zunimmt – die Preise für Speicherchips allmählich unter Druck kommen könnten und schlussendlich auch der Absatz, gerade wenn die Zinsen für die Hyperscaler weiterhin deutlich steigen sollten.
Es ist unheimlich schwer vorherzusagen, wie sich die Micron-Aktie kurzfristig entwickeln könnte. Zwar sorgen die Nachrichten aus dem KI-Bereich, gerade jene um den geplanten Börsengang von Anthropic, für Auftrieb bei der Micron-Aktie, allerdings nimmt der Gegenwind für die Weltwirtschaft und damit auch den KI-Bereich durch die kräftig steigenden Zinsen praktisch jeden Tag zu.
Damit trüben sich auch die Aussichten für die Hersteller von Speicherchips ein. Vor diesem Hintergrund gilt es, die Entwicklung der Zinsen für 10-jährige US-Anleihen genauso intensiv zu verfolgen wie die Zinsen für die Anleihen der Hyperscaler und auch die Zinsen für Anleihen von Micron selbst. Je kräftiger die Zinsen steigen, umso mehr Abwärtsdruck sollte das auf die Aktien ausüben.
BNP Paribas bietet auf die Aktie von Micron Technology (869020) Mini Futures, Unlimited Turbos, Optionsscheine, Faktor-Optionsscheine und weitere Produkte an.

Egmond Haidt
Der Autor dieses Beitrags, Egmond Haidt, arbeitete nach seiner Bankausbildung und dem BWL-Studium ab 2000 als Redakteur bei BÖRSE ONLINE. Seit Juli 2013 ist der Finanzjournalist als Freiberufler tätig. Jeden Dienstag ab 18 Uhr analysiert er die neuesten Entwicklungen am Finanzmarkt in der Sendung Euer Egmond.
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