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Neste – Hohe Spritpreise lassen Gewinne sprudeln
Der finnische Hersteller von erneuerbaren Kraftstoffen hat Rekordergebnisse erzielt. Wie geht’s weiter mit der Aktie?
Kleine Entlastung für Autofahrer in Deutschland: Kurz vor den Wahlen in Berlin und Mecklenburg-Vorpommern hat die Bundesregierung für Anfang Oktober eine Senkung der Energiesteuer auf Benzin und Diesel angekündigt, womit der Preis (inklusive Umsatzsteuer) um rund 17 Cent je Liter sinken soll. Von den hohen Spritpreisen profitiert hingegen Neste (ehemals Neste Oil) kräftig, weshalb die Aktie im Rally-Modus ist und sich gegenüber dem Stand von vor einem Jahr verdoppelt hat.
Der finnische Konzern ist der weltgrößte Hersteller von Flugzeugtreibstoff und erneuerbarem Diesel, die aus Abfällen und Reststoffen gewonnen werden. Das Unternehmen hat sich damit von einem klassischen Mineralölkonzern zu einem Vorreiter für erneuerbare Kraftstoffe entwickelt.
Erneuerbarer Diesel wird aus Abfällen und Reststoffen wie Altspeiseöl oder tierischen Fetten hergestellt. Er reduziert die Treibhausgasemissionen im Vergleich zu fossilem Diesel deutlich. Zudem betreibt das Unternehmen im finnischen Porvoo eine klassische Ölraffinerie.
Rekordergebnisse erzielt
Im zweiten Quartal ist der Umsatz von Neste um 32,7 Prozent auf 6,2 Milliarden Euro gestiegen.
Dabei wurde ein bereinigter Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) von 1,2 Milliarden Euro erwirtschaftet – Rekord, das war das 3,5-Fache des Vorjahresniveaus.
Wachstumsmotor war das Geschäft mit erneuerbaren Produkten, das das Ergebnis auf den Rekord von 859 Millionen Euro beinahe verfünffacht hat. Damit hat es mehr als 70 Prozent des konzernweiten Profits beigesteuert. Allerdings hat das Management um Vorstandschef Heikki Malinen bemängelt, dass die Auslastung in diesem Bereich von 81 Prozent auf lediglich 75 Prozent zurückgegangen sei, was nicht zufriedenstellend sei.
Zudem ist das bereinigte Ebitda bei Ölprodukten auf 334 Millionen Euro nach oben geschossen, das war das 2,5-Fache des Vorjahreszeitraums.
Schlussendlich ist der bereinigte Gewinn je Aktie von 0,06 auf 1,06 Euro nach oben geschossen.
Allerdings hat das Unternehmen aufgrund der geplanten Wartungsarbeiten an mehreren Anlagen die Vorräte kräftig aufgestockt, um die Kunden während der Auszeit weiter beliefern zu können. Daher ist der Cashflow aus dem operativen Geschäft auf 255 Millionen Euro eingebrochen. Mit dem späteren Verkauf der Produkte soll sich die Lage beim Cashflow allerdings verbessern. Gleichzeitig beliefen sich die Investitionen im zweiten Quartal auf 199 Millionen Euro.
Das Management hat die insgesamt hervorragenden Ergebnisse genutzt, um in den nächsten Jahren auslaufende Anleihen im Volumen von insgesamt 500 Millionen Euro vorzeitig zurückzuzahlen. Damit setzt der Vorstand den ersten Schritt beim geplanten Schuldenabbau um und verringert die künftigen Zinszahlungen.
Guter Ausblick
Bei der Zahlenvorlage hat das Management folgenden Ausblick für das Gesamtjahr 2026 abgegeben: Der Absatz erneuerbarer Produkte soll auf dem Vorjahresniveau liegen. Hingegen soll jener von Ölprodukten aufgrund der geplanten Wartungsarbeiten zurückgehen.
Außerdem sollen die Investitionen rund 1,2 Milliarden Euro erreichen, statt der zuvor geplanten 1,0 bis 1,2 Milliarden Euro.
Gleichzeitig wird der Ausbau des Werks in Rotterdam vorangetrieben, das 2027 den Betrieb aufnehmen soll. Das Budget beläuft sich weiterhin auf 2,5 Milliarden Euro. Insgesamt wolle sich das Management darauf fokussieren, eine gute Rendite auf die bestehenden Anlagen zu erwirtschaften, die Schulden abzubauen und die Betriebsabläufe weiter zu optimieren.
So sehen die Schätzungen aus
Analysten prognostizieren für 2026 einen Umsatzanstieg um 14,6 Prozent auf 21,8 Milliarden Euro, 2027 soll es um 3,1 Prozent auf 22,5 Milliarden Euro nach oben gehen.
Dabei soll das bereinigte Ebitda 2026 um 142,6 Prozent auf 4,1 Milliarden Euro nach oben schießen, hingegen soll es 2027 um 15,8 Prozent auf 3,4 Milliarden Euro sinken.
Außerdem soll der bereinigte Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) 2026 um 324,7 Prozent auf 3,2 Milliarden Euro explodieren, hingegen soll er 2027 um 21,2 Prozent auf 2,5 Milliarden Euro einbrechen. Damit würde die Marge zuerst von 3,9 auf 14,6 Prozent für 2026 nach oben schießen, allerdings 2027 auf 11,2 Prozent zurückgehen.
Selbstverständlich sind die Schätzungen mit enormer Unsicherheit behaftet, schließlich kann niemand vorhersagen, wie lange der Iran- und der Ukraine-Krieg noch weitergehen werden.
Wie geht’s weiter mit der Aktie?
Nach der Rally der vergangenen Monate liegt der Börsenwert bei 26,8 Milliarden Euro. Inklusive der Nettoschulden von lediglich 3,6 Milliarden Euro liegt der Enterprise Value (EV) bei 30,4 Milliarden Euro.
Das entspricht dem 12,1-Fachen des von Analysten für 2027 prognostizierten Ebit. Die Bewertung ist meiner Meinung nach nicht hoch, sondern lässt vielmehr Spielraum nach oben.
Und das 2027er-KGV liegt bei 12,9.
Meiner Meinung nach sollte die Neste-Aktie weiter nach oben tendieren, schließlich scheint weiterhin kein Ende des Iran- und des Ukraine-Kriegs in Sicht zu sein. Und je länger die beiden Kriege andauern, umso mehr sollte der Aufwärtsdruck bei den Spritpreisen und damit auch bei den Preisen für erneuerbare Kraftstoffe anhalten.
BNP Paribas bietet auf die Aktie von Neste (A0D9U6) Mini Futures, Unlimited Turbos und weitere Produkte an.

Egmond Haidt
Der Autor dieses Beitrags, Egmond Haidt, arbeitete nach seiner Bankausbildung und dem BWL-Studium ab 2000 als Redakteur bei BÖRSE ONLINE. Seit Juli 2013 ist der Finanzjournalist als Freiberufler tätig. Jeden Dienstag ab 18 Uhr analysiert er die neuesten Entwicklungen am Finanzmarkt in der Sendung Euer Egmond.
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