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Netflix – Zwei enttäuschende News lassen Aktie einbrechen
Nach dem gescheiterten Übernahmeversuch bei Warner Bros. hatte sich die Aktie des US-Streaminganbieters kräftig erholt. Wie geht es nach der Zahlenvorlage weiter?
Mit einem Kurseinbruch von 9,0 Prozent hat die Netflix-Aktie auf die Veröffentlichung der Quartalszahlen am Donnerstagabend, dem 17. April, reagiert. Während sie weitgehend wie erwartet ausgefallen sind, haben zwei schlechte Nachrichten (dazu gleich mehr) für herbe Enttäuschung bei Investoren gesorgt. Dreht das Papier dennoch wieder nach oben?
Im ersten Quartal ist der Umsatz von Netflix um 16,2 Prozent auf 12,25 Milliarden Dollar gestiegen. Das lag leicht über den Schätzungen der Analysten von 12,17 Milliarden Dollar. Währungsbereinigt stand ein Plus von 14 Prozent zu Buche. Gründe für den Umsatzzuwachs waren eine gestiegene Kundenzahl, Preiserhöhungen sowie höhere Einnahmen aus dem Werbegeschäft.
Zwar lagen die Erlöse in der Region USA/Kanada mit einem nominellen Anstieg von 14 Prozent auf 5,25 Milliarden Dollar leicht unter den Erwartungen. hingegen lief das Geschäft in den anderen Regionen Europa, Naher Osten und Afrika (EMEA) sowie Lateinamerika und Asien-Pazifik jeweils etwas besser als erwartet.
Zudem legte der Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) auf Konzernebene um 18,2 Prozent auf 3,96 Milliarden Dollar zu, womit die Erwartungen von 3,94 Milliarden Dollar leicht übertroffen wurden. Damit hat sich die Marge etwas verbessert, von 31,7 auf 32,3 Prozent. Damit wurden die Schätzungen von 32,4 Prozent fast punktgenau getroffen.
Außerdem ist der Cashflow aus dem operativen Geschäft um 2,5 Milliarden Dollar auf 5,3 Milliarden Dollar gestiegen. Verantwortlich dafür war allerdings eine Zahlung von 2,8 Milliarden Dollar von Warner Bros. Discovery wegen des geplatzten Übernahmeversuchs.
Abzüglich der Investitionen von 196,1 Millionen Dollar stand bei Netflix ein Free Cashflow von 5,09 Milliarden Dollar zu Buche.
Das Unternehmen hat zudem im Laufe des Quartals für 1,3 Milliarden Dollar Aktien zurückgekauft, womit noch 6,8 Milliarden Dollar aus dem laufenden Programm übrig bleiben.
Zwei Gründe für den Kurseinbruch
Auf der Analystenkonferenz zeigten sich die Co-Vorstandschefs Greg Peters und Ted Sarandos zufrieden mit den Ergebnissen und bestätigten die Prognose für das Gesamtjahr.
Demnach soll der Umsatz 2026 weiterhin um 12 bis 14 Prozent auf 50,7 bis 51,7 Milliarden Dollar zulegen, während eine Ebit-Marge von 31,5 Prozent erwirtschaftet werden soll, nach einem Rekord von 29,5 Prozent für 2025.
Dazu will das Management die Einnahmen aus dem Werbegeschäft 2026 – wie bisher angekündigt – auf rund 3,0 Milliarden Dollar verdoppeln.
Zudem schraubte das Vorstandsteam die Prognose für den Free Cashflow von zuvor 11 Milliarden Dollar auf 12,5 Milliarden Dollar nach oben. Der Hauptgrund hierfür sei die Einmalzahlung aus dem geplatzten Warner-Bros.-Deal.
Allerdings waren Investoren vom Ausblick auf das zweite Quartal enttäuscht. Demnach soll der Umsatz um lediglich 13,5 Prozent auf 12,57 Milliarden Dollar zulegen. Das lag leicht unter den Erwartungen von 12,64 Milliarden Dollar, während sich das Wachstum das zweite Quartal in Folge abschwächen würde. Zur Erinnerung: Im vierten Quartal 2025 waren es 17,6 Prozent.
Zudem soll das Ebit um lediglich 8,7 Prozent auf 4,11 Milliarden Dollar klettern, womit die Erwartungen von 4,34 Milliarden Dollar deutlich verfehlt worden sind. Grund sind höhere Abschreibungen auf Inhalte, also auf Filme, TV-Shows etc. Dabei würde die Marge deutlich zurückgehen, von 34,1 auf 32,6 Prozent, womit die Schätzungen von 34,4 Prozent deutlich verfehlt werden.
Außerdem hat das Unternehmen angekündigt, dass Reed Hastings, Mitgründer des Unternehmens und derzeitiger Chef des Aufsichtsgremiums, bei der Hauptversammlung im Juni nicht zur Wiederwahl antritt, sondern stattdessen aus dem Gremium ausscheidet, um sich auf Philanthropie und seine persönlichen Interessen zu fokussieren. Diese Nachricht dürfte ebenfalls nicht gerade für Begeisterung bei Investoren gesorgt haben.
So sehen die Schätzungen aus
Analysten prognostizieren für 2026 einen Umsatzanstieg um 13,7 Prozent auf 51,35 Milliarden Dollar. 2027 soll es um 11,7 Prozent auf 57,35 Milliarden Dollar nach oben gehen.
Dabei soll das Ebit 2026 um 22,1 Prozent auf 16,27 Milliarden Dollar zulegen, gefolgt von einem Plus von 19,7 Prozent auf 19,48 Milliarden Dollar für 2027. Damit würde die Ebit-Marge jeweils deutlich zulegen, zuerst vom Rekord von 29,5 auf 31,7 Prozent, um 2027 sogar 34,0 Prozent zu erreichen.
Allerdings sind die Schätzungen mit etwas erhöhter Unsicherheit behaftet, schließlich kann niemand vorhersagen, wie sich die Kundenzahl vor dem Hintergrund der deutlich erhöhten Inflationsraten aufgrund des Iran-Kriegs weiter entwickeln könnte.
Wie geht’s weiter mit der Aktie?
Nach dem Kurseinbruch nach der Zahlenvorlage liegt der Börsenwert bei 409,8 Milliarden Dollar. Inklusive der Nettoschulden von 2,1 Milliarden Dollar liegt der Enterprise Value (EV) bei 411,9 Milliarden Dollar.
Das entspricht dem 21,1-Fachen des von Analysten für 2027 vorhergesagten Ebit. Die sehr hohe Bewertung zeigt, welch kräftiges Wachstum in der Aktie eingepreist ist.
Und das 2027er-KGV liegt bei 25,3.
Meiner Meinung nach könnte sich der Kursrückgang kurzfristig noch ein bisschen ausweiten, weil Investoren die enttäuschenden News erst einmal verdauen müssen. Anschließend dürften sich die Investoren aber wieder darauf fokussieren, dass sich an der Prognose für das Gesamtjahr nichts geändert hat, während das Geschäft auch nach Hastings’ Ausscheiden weiterhin gut laufen sollte. Vor diesem Hintergrund könnte das Papier meiner Meinung nach wieder nach oben drehen.
BNP Paribas bietet auf die Aktie von Netflix (US6411) Mini Futures, Unlimited Turbos, Optionsscheine, Faktor-Optionsscheine und weitere Produkte an.

Egmond Haidt
Der Autor dieses Beitrags, Egmond Haidt, arbeitete nach seiner Bankausbildung und dem BWL-Studium ab 2000 als Redakteur bei BÖRSE ONLINE. Seit Juli 2013 ist der Finanzjournalist als Freiberufler tätig. Jeden Dienstag ab 18 Uhr analysiert er die neuesten Entwicklungen am Finanzmarkt in der Sendung Euer Egmond.
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