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Oracle – Zahlen und Ausblick lassen Aktie einbrechen

Investoren hatten befürchtet, dass sich der Softwareriese bei den Investitionen in Rechenzentren übernehmen könnte. Geht die Talfahrt der Aktie weiter?
Welchen Unterschied doch rund drei Monate ausmachen können: Nachdem die Oracle-Aktie nach der Veröffentlichung der Quartalszahlen am 9. September noch den größten Kursgewinn seit Jahrzehnten verbucht hatte, ehe es anschließend auf eine herbe Talfahrt ging, ist das Papier nach der Präsentation der Ergebnisse am Mittwochabend, dem 10. Dezember, um 11 Prozent eingebrochen. Was hat Investoren neben den Ergebnissen noch nicht gefallen?
Im per November beendeten zweiten Quartal des Fiskaljahrs 2025/26 ist der Umsatz um 14 Prozent auf 16,06 Milliarden Dollar gestiegen. Das lag allerdings leicht unter den Schätzungen der Analysten von 16,21 Milliarden Dollar.
Dabei waren die für Analysten und Investoren so wichtigen Erlöse im Bereich Cloud-Infrastruktur um 68 Prozent auf 4,08 Milliarden Dollar geklettert, das lag allerdings ebenfalls leicht unter den Erwartungen von 4,09 Milliarden Dollar.
Zudem ist der bereinigte Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) auf Konzernebene um 10,3 Prozent auf 6,7 Milliarden Dollar gestiegen, allerdings hat sich die Marge von 43,4 auf 41,9 Prozent deutlich verschlechtert, womit die Erwartungen von 42,2 Prozent leicht verfehlt wurden.
Wenig erfreut waren Investoren zudem vom massiven Anstieg der Investitionen, sie haben sich auf herbe 12,0 Milliarden Dollar verdreifacht. Das lag meilenweit über den Schätzungen von 8,25 Milliarden Dollar.
Die Folge: Es stand ein negativer Free Cashflow von 10,0 Milliarden Dollar zu Buche.
Damit stiegen gleichzeitig die Nettoschulden weiter an, auf zuletzt 88,3 Milliarden Dollar, nachdem es Ende Mai zum Abschluss des Fiskaljahrs 2024/25 „nur“ 81,4 Milliarden Dollar gewesen waren.
Da half es auch nichts, dass der Auftragsbestand zuletzt auf 523 Milliarden Dollar nach oben geschossen ist.
Drastische Erhöhung der Investitionen angekündigt
Wenig begeistert waren Investoren zudem von den neuen Investitionsplänen der neuen Co-Vorstandschefs Clay Magouyrk und Mike Sicilia. Sie haben die Investitionsprognose für das Fiskaljahr 2025/26 drastisch nach oben geschraubt, von 35 auf 50 Milliarden Dollar. Das ist ein Anstieg um horrende 136 Prozent gegenüber dem Vorjahreswert von 21,2 Mrd. Dollar.
Auf der Analystenkonferenz versuchten die Co-Vorstandschefs und der Finanzchef Doug Kehring, die Sorgen der Investoren vor einer anhaltenden Verschlechterung des Free Cashflows und der zunehmenden Verschuldung zu zerstreuen.
Das Management wolle an dem Investment-Grade-Rating festhalten. Das Management habe Analystenstudien gelesen, wonach der Konzern mehr als 100 Milliarden Dollar in den Bau seiner Rechenzentren investieren werde. Der Vorstand glaube aber, dass er „erheblich“ weniger Geld brauchen werde, um das zu finanzieren.
Offensichtlich haben die Aussagen des Managements die Investoren aber nicht überzeugt, schließlich sind die Credit Default Swaps (CDS), mit denen sich Investoren gegen eine Verschlechterung der Finanzlage bei Oracle absichern beziehungsweise auf sie wetten können, auf das höchste Niveau seit dem Frühjahr 2009 gestiegen. Das ist ein ernstes Warnsignal.
Wie geht’s weiter mit der Aktie?
Meiner Meinung nach dürfte die Talfahrt der Oracle-Aktie erst einmal weitergehen. Anstatt auf die Sorgen der Investoren zu reagieren und die Investitionen möglicherweise zu drosseln, hat der Vorstand genau das Gegenteil getan und die Investitionsprognose vielmehr kräftig aufgestockt. Das war das letzte, was Investoren hören wollten.
Neben der Entwicklung der Aktie gilt es zudem auch, jene der Anleihen der Softwarefirma zu beobachten. Je weiter sie sinken, also je stärker die Zinsen steigen, umso mehr Abwärtsdruck sollte das auf die Aktie ausüben.
BNP Paribas bietet auf die Aktie von Oracle (871460) Mini Futures, Unlimited Turbos, Optionsscheine, Faktor-Optionsscheine und weitere Produkte an.

Egmond Haidt
Der Autor dieses Beitrags, Egmond Haidt, arbeitete nach seiner Bankausbildung und dem BWL-Studium ab 2000 als Redakteur bei BÖRSE ONLINE. Seit Juli 2013 ist der Finanzjournalist als Freiberufler tätig. Jeden Dienstag ab 18 Uhr analysiert er die neuesten Entwicklungen am Finanzmarkt in der Sendung Euer Egmond.
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