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Ormat Technologies – Vom zunehmenden Stromhunger der Rechenzentren profitieren
Der US-Betreiber von Geothermie- und Energiespeicheranlagen hat ehrgeizige Mittelfristziele. Bleibt die Aktie auf Rekordfahrt?
Auf Rekordhochs war die Aktie von Ormat Technologies nach oben geschossen, ehe sie zuletzt etwas nachgegeben hat. Für Rückenwind hatte zuletzt die Vorlage der guten Quartalszahlen am 6. Mai gesorgt. Zuvor hatte der Iran-Krieg das Papier beflügelt, heizen doch die kräftig gestiegenen Preise für Strom und Gas die Nachfrage nach Erneuerbaren Energien an.
Ormat hat sich auf die Entwicklung, den Bau und den Betrieb von Geothermie-, Solar- und Energiespeicheranlagen spezialisiert. Sie stehen unter anderem in den USA, Kenia, der Türkei und Indonesien. Der erzeugte Strom wird über langfristige Verträge an Versorger oder Hyperscaler verkauft. Derzeit wird die Stromnachfrage in den USA vor allem von neuen Rechenzentren nach oben getrieben.
Zudem produziert das Unternehmen Komponenten für Kraftwerke wie Turbinen, Pumpen oder Wärmetauscher. Zuletzt hat der Konzern verstärkt auf Hybridkraftwerke gesetzt, die Geothermie mit Solarenergie und Batteriespeichern kombinieren.
Gute Ergebnisse
Im ersten Quartal ist der Umsatz um 75,8 Prozent auf 403,9 Millionen Dollar gestiegen, das lag deutlich über den Schätzungen der Analysten von 349,0 Millionen Dollar.
Dabei stammten 105,1 Millionen Dollar aus dem Verkauf des Topp2-Projekts in Neuseeland, nachdem der bisherige Kunde das Recht zum Kauf der Anlage ausgeübt hatte. Abgesehen davon war das Batteriespeichergeschäft der Wachstumstreiber des Unternehmens, dessen Einnahmen um 153,1 Prozent auf 44,9 Millionen Dollar nach oben geschossen sind.
Zudem ist der bereinigte Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) auf Konzernebene um 29,7 Prozent auf 194,9 Millionen Dollar geklettert. Allerdings ist die Marge von 65,4 auf 48,3 Prozent eingebrochen.
Außerdem hat sich der bereinigte Gewinn je Aktie annähernd verdoppelt, auf 1,30 Dollar, womit die Erwartungen von 0,91 Dollar bei Weitem übertroffen worden sind.
Allerdings belasten die hohen Investitionen den Cashflow. Jener aus dem operativen Geschäft lag bei 78,6 Millionen Dollar. Dem standen allerdings Investitionen von 113,8 Millionen Dollar gegenüber.
Vorstandschef Doron Blachar hat den Höhenflug der Aktie genutzt, um im März Wandelanleihen im Volumen von 1,0 Milliarden Dollar zu platzieren.
Damit lagen die Nettoschulden am Quartalsende bei 2,6 Milliarden Dollar. Das entsprach dem 4,2-Fachen des bereinigten Ebit der vorherigen vier Quartale, was ein ziemlich hoher Wert ist. Dennoch belief sich der durchschnittliche Zinssatz auf die Schulden von insgesamt 3,4 Milliarden Dollar auf lediglich 3,9 Prozent.
Prognose bestätigt
Bei der Zahlenvorlage zeigte sich Blachar mit den Ergebnissen sehr zufrieden und bestätigte die Prognose für das Gesamtjahr.
Demnach soll der Umsatz 2026 1,11 bis 1,16 Milliarden Dollar erreichen, die Mitte der Spanne bedeutet ein Wachstum von 14,6 Prozent.
Zudem soll das bereinigte Ebitda auf 615 bis 645 Millionen Dollar zulegen, die Mitte der Spanne entspricht einem Plus von 8,2 Prozent.
Außerdem sollen sich die Investitionen auf 700 Millionen Dollar belaufen.
Zuversichtlich stimmt Blachar, dass der Konzern beim Ausbau der Kapazitäten deutlich vorankommt und das Unternehmen neue Verträge zur Lieferung von Strom an Land gezogen hat, etwa von Google und dem Betreiber von Rechenzentren Switch. Außerdem hat Ormat eine Anlage in Hawaii gekauft, die Solar- und Batteriespeicherlösungen kombiniert. Gleichzeitig sind etliche Verträge mit Kunden verlängert worden.
Zudem bestätigte das Management die Ziele für 2028. Demnach soll der Umsatz zwischen 2025 und 2028 um durchschnittlich 7,4 Prozent pro Jahr steigen, um 2028 1,20 bis 1,25 Milliarden Dollar zu erreichen.
Im gleichen Zeitraum soll das bereinigte Ebitda überproportional um 11,2 Prozent pro Jahr im Schnitt zulegen, um 2028 bei 775 bis 825 Millionen Dollar zu liegen.
Auf der Analystenkonferenz drehen sich viele Fragen vor allem um die Entwicklung von „Enhanced Geothermal Systems“ (EGS). Das sind Technologien, mit denen Erdwärme auch dort genutzt werden kann, wo kein natürliches heißes Wasser im Untergrund fließt. Sie erschließen die nahezu unbegrenzte Energie in tiefem, heißem Trockengestein.
In diesem Bereich arbeitet Ormat mit dem US-Ölzulieferer SLB (ehemals Schlumberger) und dem Ormat-Wettbewerber Sage Geosystems zusammen. Dazu sollen nach der Erteilung der Genehmigung durch die Behörden jeweils Pilotprojekte gestartet werden. Dieses Thema ist also noch Zukunftsmusik.
So sehen die Schätzungen aus
Analysten prognostizieren für 2026 einen Umsatzanstieg um 15,8 Prozent auf 1,15 Milliarden Dollar. Allerdings soll es 2027 um lediglich 2,6 Prozent auf 1,18 Milliarden Dollar nach oben gehen.
Dabei soll das bereinigte Ebitda 2026 um 8,9 Prozent auf 633,6 Millionen Dollar zulegen, gefolgt von einem Plus von 7,7 Prozent auf 682,6 Millionen Dollar für 2027.
Zudem soll der bereinigte Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) 2026 um 13,5 Prozent auf 192,1 Millionen Dollar klettern, gefolgt von ein einem ebenso starken Zuwachs auf 217,7 Millionen Dollar für 2027.
Damit würde die Marge zuerst etwas nachgeben, von 17,1 auf 16,8 Prozent, um 2027 deutlich zu steigen, auf 18,5 Prozent. Damit läge sie allerdings noch immer meilenweit unter dem Niveau früherer Jahre von 25 bis 30 Prozent und noch mehr.
Wie geht’s weiter mit der Aktie
Im Zuge des Höhenflugs der Aktie ist der Börsenwert auf 8,6 Milliarden Dollar gestiegen. Inklusive der Nettoschulden von 2,6 Milliarden Dollar liegt der Enterprise Value (EV) bei 11,2 Milliarden Dollar.
Das entspricht dem 51,4-Fachen des von Analysten für 2027 prognostizierten Ebit. Die geradezu astronomische Bewertung zeigt, welch gigantisches Wachstum in der Aktie eingepreist ist. Da ist meiner Meinung nach nicht nur eine sehr erfreuliche Geschäftsentwicklung für die nächsten paar Jahre, sondern auch ein großer Erfolg beim Zukunftsthema EGS eingepreist. Selbst auf Basis der 2028er-Ebit-Schätzung von 258,3 Millionen Dollar geht das Multiple auf lediglich das 43,4-Fache zurück, was immer noch eine extrem hohe Bewertung ist.
Und das 2027er-KGV liegt bei 56,8.
Trotz der extrem hohen Bewertung dürfte meiner Meinung nach die Rekordfahrt der Aktie von Ormat Technologies weitergehen, schließlich scheint – trotz des jüngsten Kurseinbruchs bei den Chip-Aktien nach dem schwachen Ausblick von Broadcom – weiterhin kein Ende des KI-Hypes in Sicht zu sein. In diesem Umfeld könnten Investoren weiterhin auf das Ormat-Papier setzen. Und nach den jüngsten gegenseitigen Angriffen zwischen Israel und Iran scheint ein mögliches Ende des Iran-Kriegs ebenfalls nicht in Sicht zu sein.
BNP Paribas bietet auf die Aktie von Ormat Technologies (A0DK9X) Mini Futures, Unlimited Turbos und weitere Produkte an.

Egmond Haidt
Der Autor dieses Beitrags, Egmond Haidt, arbeitete nach seiner Bankausbildung und dem BWL-Studium ab 2000 als Redakteur bei BÖRSE ONLINE. Seit Juli 2013 ist der Finanzjournalist als Freiberufler tätig. Jeden Dienstag ab 18 Uhr analysiert er die neuesten Entwicklungen am Finanzmarkt in der Sendung Euer Egmond.
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