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Ouster – KI-Boom sorgt für kräftiges Wachstum
Der US-Hersteller von LiDAR-Sensoren und Sensortechnik hat Quartalsergebnisse vorgelegt. Wie geht’s weiter mit der Aktie?
Eine heftige Berg- und Talfahrt hat die Ouster-Aktie in den vergangenen Wochen durchgemacht. Zuerst hat sich das Papier zwischen Ende März und Ende Juni in der Spitze auf 62,50 Dollar mehr als verdreifacht, nur um anschließend bis auf knapp über 30 Dollar einzubrechen und schlussendlich wieder bis auf 48 Dollar nach oben zu schießen.
Vorstandschef Angus Pacala hat die Kursexplosion genutzt, um Anfang Juli einmal mehr eine Kapitalerhöhung durchzuführen und dabei Nettoeinnahmen von 191 Millionen Dollar zu generieren. Dabei hatte das Unternehmen erst im zweiten Quartal 98 Millionen Dollar per Kapitalerhöhung eingesammelt.
Damit habe die Firma nun genügend Geld auf ihrem Weg in die „Profitabilität“. Zuletzt hat der Konzern dann am 6. August Quartalszahlen vorgelegt. Sie zeigen, dass es bis zum Erreichen der Profitabilität noch ein weiter Weg werden könnte.
Ouster produziert hochauflösende digitale LiDAR-Sensoren und softwarebasierte Erkennungslösungen. Die Firma nutzt dabei Laserlicht, um die Umgebung von Maschinen, Robotern oder Fahrzeugen in Echtzeit als präzises dreidimensionales Bild zu erfassen. Außerdem kombiniert Ouster LiDAR-Daten mit Kamerasystemen und Software, um physische KI-Anwendungen und Robotik zu unterstützen.
Die Produkte kommen zudem bei der Industrieautomatisierung, also der Überwachung und Steuerung von Fabriken und Lagern, zum Einsatz, bei der Verkehrs- und Personenerfassung im öffentlichen Raum, beim autonomen Fahren sowie in Assistenzsystemen und Lieferrobotern.
Im zweiten Quartal ist der Umsatz von Ouster um 56 Prozent auf den Rekord von 54,6 Millionen Dollar gestiegen. Das lag deutlich über den Schätzungen der Analysten von 51,55 Millionen Dollar. Dabei hat das Unternehmen mehr als 9.000 LiDAR- und mehr als 8.000 Kamerasysteme abgesetzt.
Zum Erlöswachstum hat auch die Übernahme des kleinen Konkurrenten Stereolabs beigetragen, der Deal war am 4. Februar abgeschlossen worden. Stereolabs hatte 2025 einen Umsatz von rund 16 Millionen Dollar erzielt.
Dabei war die bereinigte Bruttomarge von Ouster im zweiten Quartal 2026 um 2 Prozentpunkte auf 53 Prozent verbessert worden. Bereinigt um etliche zusätzliche Sondereffekte lag die Marge allerdings lediglich im oberen 30-Prozent-Bereich.
Zudem ist der bereinigte Verlust vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) um 21 Prozent auf 4,5 Millionen Dollar abgebaut worden.
Die hohen Kosten und Anlaufinvestitionen spiegeln sich auch im Cashflow wider. Jener aus dem operativen Geschäft lag – laut meinen Berechnungen – bei minus 12,8 Millionen Dollar, es gab also einen Cash-Abfluss. Abzüglich der Investitionen von 2,6 Millionen Dollar stand ein negativer Free Cashflow von minus 15,4 Millionen Dollar zu Buche.
So sieht die Prognose aus
Bei der Zahlenvorlage gab sich Pacala mit den Ergebnissen sehr zufrieden und stellte für das dritte Quartal einen Umsatz von 54,5 bis 57,5 Millionen Dollar in Aussicht.
Allerdings machte Pacala keinerlei Angaben zur möglichen Bruttomarge. Zudem sollen die operativen Kosten gegenüber dem Vorjahr um 5 bis 8 Prozent steigen.
Der Vorstandschef hat große Erwartungen an Rev8, die 8. Generation digitaler LiDAR-Sensoren, die weltweit ersten Modelle mit nativer Farberfassung. Die ersten Prototypen waren im zweiten Quartal auf den Markt gekommen. Im dritten Quartal soll die Produktion von Rev8 hochgefahren werden und ab der zweiten Quartalshälfte Fahrt aufnehmen. Innerhalb von 2 bis 3 Jahren soll dann die Umstellung von dem aktuellen System Rev7 auf das viel leistungsstärkere Rev8 umgesetzt werden.
Großes Potenzial sieht der Vorstandschef auch für ZED X Nano, die äußerst kompakte Stereokamera für Roboterarme, humanoide Roboter und andere Anwendungen im Bereich physische KI, die die Tochter Stereolabs im April am Markt eingeführt hat.
Pacala bestätigte zudem einmal mehr die Langfristziele und damit den Weg zur „Profitabilität“. Demnach soll der Umsatz jährlich um durchschnittlich 30 bis 50 Prozent steigen. Dabei soll eine Bruttomarge von 35 bis 40 Prozent erwirtschaftet werden. Gleichzeitig sollen die operativen Kosten um weniger als 5 Prozent im Jahresvergleich steigen, Ausgangswert ist das Jahr 2025.
Auf Basis dieser Annahmen will Pacala bis Ende 2027, also im vierten Quartal 2027, beim bereinigten Ebitda den Break-even erreichen. Das bezeichnet er als „Profitabilität.“
So sehen die Schätzungen aus
Analysten prognostizieren für 2026 einen Umsatzanstieg von 30,8 Prozent auf 221,5 Millionen Dollar. 2027 soll es um 33,5 Prozent auf 295,6 Millionen Dollar nach oben gehen. Dennoch würden die Wachstumsraten damit am unteren Rand der Managementprognose liegen.
Dabei soll der bereinigte Ebitda-Verlust 2026 auf 27,25 Millionen Dollar deutlich mehr als verdoppelt werden. Hingegen soll er 2027 auf 3,8 Millionen Dollar kräftig abgebaut werden. Für 2028 wird dann ein Ebitda-Gewinn von 35 Millionen Dollar vorhergesagt.
Gleichzeitig soll der bereinigte Verlust vor Zinsen und Steuern (Ebit) 2026 um 64,3 Prozent auf 51,46 Millionen Dollar nach oben schießen. Hingegen soll er 2027 deutlich abgebaut werden, auf 30,92 Millionen Dollar. Für 2028 wird dann ein bereinigter Ebit-Gewinn von 16,2 Millionen Dollar vorhergesagt.
Selbstverständlich sind die Schätzungen mit sehr großer Unsicherheit behaftet, schließlich kann niemand vorhersagen, wie sich die Märkte für physische KI, Robotik und autonomes Fahren – und damit die Nachfrage nach den Produkten von Ouster – in den nächsten Jahren entwickeln werden.
Wie geht’s weiter mit der Aktie?
Der Börsenwert liegt bei 3,1 Milliarden Dollar. Abzüglich des Netto-Cash-Bestands von 454 Millionen Dollar liegt der Enterprise Value (EV) bei 2,65 Milliarden Dollar.
Das entspricht dem 9,0-Fachen des 2027er-Umsatzes. Die hohe Bewertung zeigt, welch kräftiges Wachstum in der Aktie eingepreist ist.
Zudem entspricht das dem 163,6-Fachen des von Analysten für 2028 vorhergesagten Ebit – nicht desjenigen für 2027, sondern desjenigen für 2028. Das ist eine geradezu astronomische Bewertung und zeigt, welch gigantisches Wachstum in der Aktie eingepreist ist.
Meiner Meinung nach dürfte die Entwicklung der Ouster-Aktie weiterhin von der Nachrichtenlage im KI-Sektor abhängen, wobei die Zahlenvorlage des Branchenprimus Nvidia am 26. August rapide näher rückt. Sollte im Vorfeld der Ergebnispräsentation die Stimmung der Investoren für den Sektor gut sein, könnte sich das Ouster-Papier etwas weiter erholen. Sollten allerdings die Sorgen der Investoren zurückkehren, dass die mögliche Blase bei Chip-Aktien eventuell geplatzt sein könnte, dürfte das auch die Ouster-Aktie belasten.
Zusätzlichen Gegenwind würde das Ouster-Papier bekommen, falls die Zinsen für 10-jährige US-Anleihen weiter deutlich steigen sollten, denn in diesem Umfeld würden die künftig stark steigenden Gewinne umso stärker abdiskontiert. Für hoch bewertete US-Technologie-Aktien wie Ouster wären das schlechte Nachrichten.
BNP Paribas bietet auf die Aktie von Ouster (A3ECDT) Mini Futures, Unlimited Turbos, Faktor-Optionsscheine und weitere Produkte an.

Egmond Haidt
Der Autor dieses Beitrags, Egmond Haidt, arbeitete nach seiner Bankausbildung und dem BWL-Studium ab 2000 als Redakteur bei BÖRSE ONLINE. Seit Juli 2013 ist der Finanzjournalist als Freiberufler tätig. Jeden Dienstag ab 18 Uhr analysiert er die neuesten Entwicklungen am Finanzmarkt in der Sendung Euer Egmond.
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