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Robert Half – KI könnte die ohnehin vorhandenen Probleme noch verschärfen

Der US-Personaldienstleister hat mit einem schwierigen Umfeld zu kämpfen. Könnte die Aktie dennoch bald einen Boden finden?
Viele Investoren warten gespannt auf die Fed-Sitzung am 10. Dezember. Für zahlreiche Experten ist es ausgemachte Sache, dass die Fed den Leitzins um 25 Basispunkte auf 3,5 bis 3,75 Prozent senken wird. Das würde die Konjunktur und damit möglicherweise auch das Geschäft der US-Personalvermittlungsbranche ankurbeln.
Sie ist seit drei Jahren in einer herben Krise mit deutlich sinkenden Umsätzen, wie der Vorstandschef von Robert Half, M. Keith Waddell, auf der Analystenkonferenz nach der Vorlage der 9-Monats-Zahlen am 22. Oktober wiederholt eingeräumt hat. Wegen des unsicheren Konjunkturumfelds in den USA und der hohen Inflation hätten viele Unternehmen an ihren Festangestellten festgehalten und im Gegenzug die Zahl der Zeitarbeiter abgebaut.
Robert Half ist ein Personaldienstleister, der Unternehmen mit Fachkräften in Bereichen wie Finanzwesen, IT, Recht und Verwaltung zusammenbringt, indem er Zeitarbeiter, Festangestellte und Freelancer vermittelt sowie Beratungsdienstleistungen anbietet. Er hilft Bewerbern, den passenden Job zu finden und unterstützt Unternehmen mit maßgeschneiderten Personallösungen für ihre Projekte.
In den vergangenen Jahren war zudem ein Großteil der Jobs in den USA bei Behörden, im Gesundheitswesen sowie in den Bereichen Freizeit und Gastronomie entstanden. Genau diese Bereiche haben laut Waddell aber kaum Bedarf an Zeitarbeitern.
Das schwierige Umfeld spiegelt die Ergebnisse von Robert Half klar wider. Im dritten Quartal ist der Umsatz um 7,5 Prozent auf 1,35 Milliarden Dollar gesunken. Das lag leicht unter den Schätzungen der Analysten von 1,36 Milliarden Dollar. Dabei habe es 64,2 Abrechnungstage gegeben, im Vergleich zu 64,1 Tagen im Vorjahreszeitraum.
Während das Geschäft mit Personaldienstleistungen schon länger erheblich unter Druck steht, schrumpfte nun auch jenes mit Beratungsdienstleistungen, weil etliche größere Projekte ausgelaufen sind und diese nicht vollständig durch kleinere Projekte mit kürzeren Laufzeiten ersetzt werden konnten.
Dabei ist der bereinigte Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) auf Konzernebene um 31,8 Prozent auf 61,2 Millionen Dollar eingebrochen, damit hat sich die Marge weiter deutlich verschlechtert, von 6,1 auf 4,5 Prozent.
Zudem ist der Gewinn je Aktie um 32,8 Prozent auf 0,43 Dollar eingeknickt, damit wurden allerdings die Erwartungen genau getroffen.
Schwache Prognose
Für das vierte Quartal hat Waddell einen enttäuschenden Ausblick gegeben.
Dabei soll ein Umsatz von lediglich 1,245 bis 1,345 Milliarden Dollar erreicht werden. Die Mitte der Spanne (1,295 Milliarden Dollar) bedeutet einen Umsatzrückgang um 7 Prozent, womit das Minus ähnlich groß wäre wie im dritten Quartal.
Dabei werde es im vierten Quartal 61,4 Abrechnungstage geben, im Vergleich zu 61,6 Tagen im Vorjahreszeitraum.
Zudem soll die operative Marge 2 bis 5 Prozent erreichen, was in der Mitte der Spanne von Umsatz und operativem Gewinn 45,3 Millionen Dollar bedeutet. Das wäre ein Einbruch um 35 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum, als 70,2 Millionen Dollar sowie eine Marge von 5,1 Prozent zu Buche gestanden hatten.
Außerdem wird diesmal ein Gewinn je Aktie von 0,25 bis 0,35 Dollar angestrebt.
Um die Aktionäre dennoch bei der Stange zu halten, hält das Management an der hohen Dividende von zuletzt 0,59 Dollar je Quartal fest und lässt dadurch den Aktionären einen Großteil des Free Cashflows als Dividende zukommen.
Die Dividendenrendite liegt damit bei herben 8,2 Prozent. Das ist allerdings nur ein sehr schwacher Trost, nachdem die Aktie seit Jahresanfang um 62 Prozent kollabiert ist.
Wegen des schwachen Free Cashflows ist allerdings kaum noch Geld für Aktienrückkäufe übrig. In den ersten drei Quartalen 2025 beliefen sich die Dividendenzahlungen auf insgesamt 179,5 Millionen Dollar.
Auf der Analystenkonferenz betonte Waddell, dass die Firma weiterhin den gesamten Free Cashflow den Aktionären zukommen lassen wolle. Er werde kurzfristig die Dividendenzahlungen weiter decken, ansonsten habe der schuldenfreie Konzern einen Cash-Bestand von 365,3 Millionen Dollar und könne notfalls damit die Dividende weiterhin zahlen.
Einige Analysten äußerten die Sorge, dass KI in einigen Bereichen für starke Produktivitätsgewinne sorgen könnte, was die Nachfrage nach Personal von Robert Half beeinträchtigen könne. Hingegen gab sich Waddell zuversichtlich, dass KI zwar Mitarbeiter ersetzen könne, die am Anfang ihrer Karriere stünden, allerdings keine erfahrenen und hochqualifizierten Mitarbeiter. Robert Half setze daher genau deswegen auf Letzteres.
So sehen die Schätzungen aus
Analysten prognostizieren für 2025 einen Umsatzrückgang um 7,4 Prozent auf 5,4 Milliarden Dollar. Hingegen soll der Erlös 2026 stagnieren, womit er allerdings weit unter dem 2022er-Wert von 7,2 Milliarden Dollar liegen würde.
Dabei soll das bereinigte Ebit 2025 um 45,6 Prozent auf 182,5 Millionen Dollar einbrechen. Hingegen wird für 2026 ein Sprung nach oben um 29,3 Prozent auf 235,9 Millionen Dollar vorhergesagt, was allerdings ebenfalls meilenweit unter dem Niveau früherer Jahre wäre. Damit würde die Marge zuerst von 5,8 auf 3,4 Prozent einbrechen, um sich 2026 auf 4,4 Prozent zu erholen.
Wie geht’s weiter mit der Aktie?
Nach der jahrelangen Talfahrt liegt der Börsenwert bei 2,7 Milliarden Dollar. Abzüglich des Netto-Cash-Bestands von 365,3 Millionen Dollar liegt der Enterprise Value bei 2,3 Milliarden Dollar.
Das entspricht dem 12,8-Fachen des von Analysten für 2026 vorhergesagten Ebit. Meiner Meinung nach ist das eine mehr als ausreichende Bewertung für ein Unternehmen, dessen Umsatz in den vergangenen Jahren kräftig gesunken ist – und eine schnelle Besserung ist meiner Meinung nach nicht in Sicht. Damit der Erlös im Jahr 2026 tatsächlich stabil bleibt, müsste er sich im Jahresverlauf deutlich erholen, was längst keine ausgemachte Sache ist.
Und das 2026er-KGV liegt bei 15,5.
Meiner Meinung nach dürfte die Entwicklung der Aktie von Robert Half kurzfristig vor allem von der Entwicklung der Zahlen vom US-Arbeitsmarkt abhängen, also davon, ob er weiterhin schwach ist. Schließlich hat die US-Privatwirtschaft im November laut den Zahlen von ADP 32.000 Jobs abgebaut. Hingegen hatten Volkswirte einen Aufbau um 20.000 Jobs vorhergesagt.
Umso wichtiger wird der offizielle Arbeitsmarktbericht für Oktober, der wegen des zwischenzeitlichen Shutdowns erst am 16. Dezember veröffentlicht wird. Je nachdem, wie die Zahlen zu den neugeschaffenen Jobs und der Arbeitslosenquote ausfallen, könnte der US-Aktienmarkt im Allgemeinen und das Robert Half-Papier im Speziellen darauf deutlich reagieren.
Von großer Bedeutung ist zudem die Fed-Sitzung am 10. Dezember. Je nach den Ergebnissen der Sitzung und vor allem dem Signal von Fed-Chef Jay Powell für das Jahr 2026 könnte das die US-Konjunktur ankurbeln, was die Robert-Half-Aktie stützen könnte.
BNP Paribas bietet auf die Aktie von Robert Half (856701) Mini Futures, Unlimited Turbos, Faktor-Optionsscheine und weitere Produkte an.

Egmond Haidt
Der Autor dieses Beitrags, Egmond Haidt, arbeitete nach seiner Bankausbildung und dem BWL-Studium ab 2000 als Redakteur bei BÖRSE ONLINE. Seit Juli 2013 ist der Finanzjournalist als Freiberufler tätig. Jeden Dienstag ab 18 Uhr analysiert er die neuesten Entwicklungen am Finanzmarkt in der Sendung Euer Egmond.
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