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RWE – Vorstand erhöht Ziele für 2026 und 2027
Dem Energiekonzern kommen die hohen Strompreise sehr zugute. Bleibt die DAX-Aktie auf Klettertour?
In die Nähe des 16-Jahres-Hochs ist die RWE-Aktie geklettert. Das würde man in einem Umfeld kräftig steigender Zinsen eigentlich nicht erwarten.
Für Rückenwind bei dem Papier sorgt allerdings, dass der Versorger den Anteil am Übertragungsnetzbetreiber Amprion immer weiter ausbaut. Dieses Geschäft ist mit seinen regulierten Erträgen weniger schwankungsanfällig und liefert gute Gewinnperspektiven. Zudem läuft das Geschäft bei RWE selbst hervorragend, weshalb das Management am 28. Juli per Adhoc-Meldung die Prognose für 2026 und 2027 deutlich angehoben hat (siehe unten).
Zwar ist im ersten Halbjahr der Umsatz um 23,8 Prozent auf 7,7 Milliarden Euro gesunken, das ist allerdings vor allem auf eine Bilanzierungsänderung im Großkundengeschäft der Tochter RWE Supply & Trading im Geschäftsbereich Energiehandel zurückzuführen.
Hingegen sprang der bereinigte Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) auf Konzernebene um 44 Prozent auf 3,0 Milliarden Euro nach oben. Ein wichtiger Faktor war dabei eine Entschädigungszahlung vom niederländischen Staat von 332 Millionen Euro für eine vorübergehende Beschränkung der Kohleverstromung im Jahr 2022.
„Darüber hinaus profitierten wir von den verbesserten Windverhältnissen in Europa sowie von der Inbetriebnahme neuer Windkraftanlagen, Solarparks und Batteriespeicher. Auch größere Einmaleffekte im Handelsgeschäft schlugen positiv zu Buche“, schreibt das Unternehmen im Halbjahresbericht. Dabei lag das Windaufkommen an den meisten europäischen Windkraftstandorten über dem Niveau von 2025.
Die größten Gewinnlieferanten waren die Bereiche Onshore Wind/Solar, sowie der Bereich Flexible Erzeugung, die jeweils ein bereinigtes Ebitda von 1,0 Milliarden Euro erwirtschaftet haben. Letzterer umfasst vor allem die Stromerzeugung aus Erdgas, Wasserkraft und Biomasse. Zudem entfielen 810 Millionen Euro auf den Bereich Offshore Wind.
Um die Aufstockung des Anteils an Amprion auf 55,5 Prozent zu finanzieren, hat RWE Ende Juni rund 4,0 Milliarden Euro über eine Kapitalerhöhung und den Verkauf eigener Aktien eingesammelt. Amprion plant hohe Investitionen in den Netzausbau.
Gleichzeitig investiert RWE weiterhin kräftig. Im ersten Halbjahr lagen die Investitionen bei 5,4 Milliarden Euro. Hinzu kamen 1,8 Milliarden Euro für Akquisitionen und Finanzanlageinvestitionen. Abzüglich der Einnahmen aus Desinvestitionen lagen – nach den obigen Bruttoinvestitionen von 7,2 Milliarden Euro – die Nettoinvestitionen bei 7,0 Milliarden Euro.
Prognose für 2026 und 2027 angehoben
Bei der Zahlenvorlage am 13. August zeigten sich Vorstandschef Markus Krebber und Finanzchef Michael Müller mit den Ergebnissen sehr zufrieden und bestätigten die am 28. Juli angehobene Prognose.
Demnach soll das bereinigte Ebitda 2026 auf 5,75 bis 6,35 Milliarden Euro steigen, statt der zuvor geplanten 5,2 bis 5,8 Milliarden Euro. Dafür gebe es drei Gründe: Die Sonderzahlung aus den Niederlanden, zudem laufe es im Bereich Offshore Wind besser als erwartet und drittens an der Aufstockung des Anteils bei Amprion. 2025 standen 5,0 Milliarden Euro zu Buche.
Außerdem soll der bereinigte Gewinn je Aktie auf 2,60 bis 3,30 Euro zulegen, statt der zuvor avisierten 2,20 bis 2,90 Euro, und gegenüber 2,50 Euro für 2025.
Zudem sollen die Nettoinvestitionen unter Berücksichtigung von Amprion nun 9 bis 11 Milliarden Dollar erreichen, statt der zuvor avisierten 6 bis 8 Milliarden Dollar. 2025 lagen die Nettoinvestitionen von RWE bei 4,0 Milliarden Euro.
2027 soll es weiter deutlich aufwärts gehen. Demnach soll das bereinigte Ebitda 6,7 bis 7,3 Milliarden Euro erreichen, statt der zuvor avisierten 6,2 bis 6,8 Milliarden Euro.
Außerdem soll der bereinigte Gewinn je Aktie auf 2,80 bis 3,50 Euro zulegen, statt der zuvor geplanten 2,70 bis 3,40 Euro.
Schlussendlich hat das Management den Ausblick für den bereinigten Gewinn je Aktie für 2031 auf 4,55 Euro nach oben geschraubt, von zuvor 4,40 Euro.
Am 16. September hat RWE dann angekündigt, dass der Anteil an Amprion auf 58 Prozent aufgestockt worden sei.
So sehen die Schätzungen aus
Analysten prognostizieren für 2026 einen Umsatzsprung von 19,5 Prozent auf 21,1 Milliarden Euro, 2027 soll es um 4,0 Prozent auf 21,9 Milliarden Euro nach oben gehen.
Dabei soll das bereinigte Ebitda 2026 um 19,8 Prozent auf 6,1 Milliarden Euro klettern, gefolgt von einem Plus von 16,4 Prozent auf 7,1 Milliarden Euro für 2027.
Zudem soll der bereinigte Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) 2026 um 28,5 Prozent auf 3,7 Milliarden Euro nach oben schießen, für 2027 wird ein Sprung um 18,9 Prozent auf 4,4 Milliarden Euro vorhergesagt. Damit würde sich die Marge jeweils deutlich verbessern, zuerst von 16,3 auf 17,5 Prozent für 2026, um 2027 sogar 20,0 Prozent zu erreichen.
Selbstverständlich sind die Schätzungen mit erhöhter Unsicherheit beschäftigt, schließlich kann niemand vorhersagen, wie lange der Iran- und der Ukraine-Krieg und damit der Aufwärtstrend bei den Öl- und Strompreisen noch anhalten werden.
Wie geht’s weiter mit der Aktie?
Nach dem Kursanstieg der vergangenen Monate liegt der Börsenwert bei 47,1 Milliarden Euro. Inklusive der Nettoschulden von 15,0 Milliarden Euro liegt der Enterprise Value (EV) bei 62,1 Milliarden Euro.
Das entspricht dem 14,1-Fachen des von Analysten für 2027 prognostizierten Ebit. Ich finde, das wäre in einem normalen Umfeld eigentlich eine ausreichende Bewertung. Allerdings gibt es wegen der Kriege kein normales Konjunkturumfeld.
Vielmehr treiben diese Kriege die Preise für Öl und Gas und damit für Strom nach oben. Hingegen steigen die Kosten für RWE mit seinen riesigen Anlagen bei Offshore Wind sowie bei Onshore Wind/Solar kaum, was die Margen von RWE deutlich nach oben treibt.
Gleichzeitig profitiert das Unternehmen von den kräftig steigenden Gaspreisen, während sich das Geschäft im Energiehandel deutlich erholt hat. Zudem könnte RWE den Anteil an Amprion weiter aufstocken. In diesem Umfeld sollte die RWE-Aktie – trotz der deutlich gestiegenen Zinsen – im Aufwind bleiben.
BNP Paribas bietet auf die Aktie von RWE (703712) Mini Futures, Unlimited Turbos, Optionsscheine, Faktor-Optionsscheine und weitere Produkte an.

Egmond Haidt
Der Autor dieses Beitrags, Egmond Haidt, arbeitete nach seiner Bankausbildung und dem BWL-Studium ab 2000 als Redakteur bei BÖRSE ONLINE. Seit Juli 2013 ist der Finanzjournalist als Freiberufler tätig. Jeden Dienstag ab 18 Uhr analysiert er die neuesten Entwicklungen am Finanzmarkt in der Sendung Euer Egmond.
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