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Siemens – Kurzfristausblick sorgt für Enttäuschung bei Investoren

Im Rahmen der Zahlenvorlage hat der Industriekonzern Pläne zur Abspaltung von Siemens Healthineers und mittelfristige Ziele bekannt gegeben.
Mit einem Kurseinbruch reagiert die Siemens-Aktie auf die Vorlage der Ergebnisse für das Fiskaljahr 2024/25 und ist damit heute der größte Verlierer im DAX. Einerseits sind sie gemischt ausgefallen, andererseits dürfte der Ausblick für 2025/26 für Enttäuschung bei Investoren sorgen, wenngleich sich die mittelfristigen Ziele mehr als sehen lassen können.
Im per September beendeten vierten Quartal 2024/25 ist der Umsatz des Industriekonzerns um 3 Prozent auf 21,43 Milliarden Euro gestiegen, damit wurden die Schätzungen der Analysten genau getroffen. Auf organischer Basis, also bereinigt um Währungs- und Portfolioeffekte, legte der Erlös um 6 Prozent zu.
Wachstumsmotor war der Bereich Digital Industries (Industrieautomatisierung), dessen Einnahmen um 10 Prozent zugelegt haben, während Smart Infrastructure (Gebäude- und Infrastrukturtechnik) ein Plus von 5 Prozent verbucht hat. Hingegen waren die Erlöse bei Mobility (Bahntechnik) um 2 Prozent gesunken, während jene der Medizintechniktochter Siemens Healthineers stagniert haben.
Zwar sank der Auftragseingang auf Konzernebene um 4 Prozent auf 21,94 Milliarden Euro, allerdings wurden die Erwartungen praktisch genau getroffen. Damit lag das Book-to-Bill-Verhältnis, also das Verhältnis von Auftragseingang zu Umsatz, bei 1,02. Werte über 1,0 deuten auf künftiges Umsatzwachstum hin.
Hingegen ist das Ergebnis des industriellen Geschäfts, also der bereinigte Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit), um 2 Prozent auf 3,19 Milliarden Euro gestiegen, damit ist die Marge allerdings leicht zurückgegangen, von 15,5 auf 15,3 Prozent. Damit wurden allerdings die Erwartungen von 3,32 Milliarden Euro deutlich verfehlt.
Während der Bereich Smart Infrastructure die Erwartungen übertroffen hat, lagen alle anderen Bereich jeweils deutlich unter den Schätzungen der Analysten.
Abspaltung von Siemens Healthineers vorantreiben
Bei der Zahlenvorlage zeigte sich Vorstandschef Roland Busch dennoch zufrieden. Er will die Abspaltung von Siemens Healthineers weiter vorantreiben. In einem ersten Schritt sollen Siemens-Aktionäre einen 30-Prozent-Anteil der Siemens Healthineers-Aktien ins Depot gebucht bekommen.
Siemens hält derzeit noch rund 67 Prozent an Siemens Healthineers. Mittelfristig will Siemens den Anteil auf weniger als 20 Prozent abbauen. In den nächsten Monaten wird Siemens an der konkreten Ausgestaltung der Struktur und des Zeitplans arbeiten. Anfang 2027 müssen dann die Hauptversammlungen von Siemens und Siemens Healthineers, die üblicherweise im Februar stattfinden, über die Transaktion abstimmen.
„Der heutige Tag markiert den Beginn der nächsten Wachstumsphase für Siemens. Mit der Abgabe der Kontrollmehrheit an Siemens Healthineers fokussieren wir uns auf ein hochgradig synergetisches Siemens-Portfolio“, sagte Busch „Dies ist ein konsequenter, nächster Schritt bei der Umsetzung unserer Strategie der Verbindung der realen und der digitalen Welt mit Fokus auf beschleunigtem, profitablerem Wachstum unserer digitalen Geschäfte, vernetzter und softwaredefinierter Hardware sowie industrieller KI.“
Enttäuschende Prognose für 2025/26
Für das Fiskaljahr 2025/26 hat Busch ein Umsatzwachstum auf vergleichbarer Basis von 6 bis 8 Prozent in Aussicht gestellt, warnte allerdings vor erheblichen Belastungen durch Währungseffekte.
„Es wird ferner erwartet, dass negative Währungseffekte sowohl die nominalen Wachstumsraten beim Volumen als auch das Ergebnis der industriellen Geschäfte sowie das Ergebnis je Aktie (EPS) im Geschäftsjahr stark belasten werden“, so die Pressemeldung.
Die Schätzungen der Analysten liegen bei 83,5 Milliarden Euro, was einem nominellen Anstieg von 5,8 Prozent gegenüber dem 2024/25er-Wert von 78,9 Milliarden Euro entspricht. Sollten Währungseffekte den Erlös tatsächlich „stark belasten“, müssten die Finanzprofis meiner Meinung nach ihre Umsatzschätzung deutlich nach unten korrigieren.
Zudem soll das Book-to-Bill-Verhältnis laut Siemens über 1 liegen.
Schlussendlich soll ein bereinigter Gewinn je Aktie von 10,40 bis 11,00 Euro erwirtschaftet werden. Die Mitte der Spanne (10,70 Euro) läge damit zwar etwas über dem von Siemens genannten Vergleichswert von 10,31 Euro für 2024/25, allerdings um 2 Prozent unter den Konsensschätzungen für 2025/26.
Starke Mittelfristziele
Umso mehr können sich die Mittelfristziele von Siemens sehen lassen. Busch hat die Prognose für das Umsatzwachstum (exklusive Siemens Healthineers) auf 6 bis 9 Prozent pro Jahr angehoben. Dabei soll der bereinigte Gewinn je Aktie angetrieben durch die steigende Profitabilität im industriellen Geschäft weiterhin im hohen einstelligen Prozentbereich pro Jahr zulegen.
„Mit einem hochgradig synergetischen Portfolio planen wir, unseren Umsatz im Digitalgeschäft zu verdoppeln, unsere Position in Wachstumsregionen und Verticals auszubauen und unsere KI-Angebote mit Investitionen von 1 Milliarde Euro in den nächsten drei Jahren zu skalieren“, sagte Busch. Siemens habe das Ziel, die Erlöse im Digitalgeschäft bis 2030 zu verdoppeln, das bedeute ein jährliches Wachstum von durchschnittlich 15 Prozent.
Wie geht’s weiter mit der Aktie?
Nach dem Kurseinbruch nach der Zahlenvorlage liegt der Börsenwert bei 189,8 Milliarden Euro. Inklusive der Nettoschulden von 40,0 Milliarden Euro liegt der Enterprise Value (EV) bei 229,8 Milliarden Euro.
Das entspricht dem 19,0-Fachen des von Analysten für das Fiskaljahr 2025/26 vorhergesagten Ebit. Das zeigt, welch kräftiges Wachstum in der Aktie eingepreist ist. Nach der eindringlichen Warnung des Managements vor „starken“ Belastungen durch Währungseffekte dürften die Finanzprofis allerdings ihre Umsatz- und Ebit-Schätzungen für 2025/26 mehr oder minder deutlich stutzen.
Und das KGV liegt – auf Basis der aktuellen Schätzungen – bei 19,8.
Meiner Meinung nach dürften sich Investoren erst einmal auf den verhaltenen Ausblick für 2025/26 fokussieren, weshalb die Siemens-Aktie nach dem anfänglichen Einbruch kurzfristig seitwärts tendieren könnte.
Anschließend sollten sich die Investoren aber wieder darauf konzentrieren, dass Busch – nach dem sehr erfolgreichen Konzernumbau der vergangenen Jahre – den Wachstumskurs weiter energisch vorantreiben dürfte, woraufhin das Papier wieder auf Rekordfahrt gehen sollte.
BNP Paribas bietet auf die Aktie von Siemens (723610) Mini Futures, Unlimited Turbos, Optionsscheine, Faktor-Optionsscheine und weitere Produkte an.

Egmond Haidt
Der Autor dieses Beitrags, Egmond Haidt, arbeitete nach seiner Bankausbildung und dem BWL-Studium ab 2000 als Redakteur bei BÖRSE ONLINE. Seit Juli 2013 ist der Finanzjournalist als Freiberufler tätig. Jeden Dienstag ab 18 Uhr analysiert er die neuesten Entwicklungen am Finanzmarkt in der Sendung Euer Egmond.
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