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Sivers Semiconductors – Umbau des Geschäfts braucht viel Zeit
Trotz des KI-Hypes ist die Aktie des kleinen schwedischen Chipherstellers auf Talfahrt. Gibt es Hoffnung auf eine Trendwende nach oben?
Im Gegensatz zu vielen anderen Papieren aus dem Chipsektor, die in den vergangenen Monaten deutlich geklettert sind, ist jenes von Sivers Semiconductors um mehr als 70 Prozent gegenüber dem Rekordhoch vom Juni 2026 eingebrochen.
Damit rückt der Sommer immer mehr in Vergessenheit, als das Papier innerhalb weniger Monate auf das 35-Fache des Tiefs von Ende Februar explodiert war. Was sind die Gründe für die Talfahrt der vergangenen Monate, und könnte das Papier eventuell nach oben drehen?
Sivers Semiconductors ist ein schwedisches Unternehmen, das Chips, Komponenten und Module für Photonics (optische Halbleiter) und Wireless (Drahtlostechnologie) herstellt. Bei Ersteren handelt es sich um Hochleistungs-Laser für optische Verbindungen, die den Datenverkehr in KI-Infrastrukturen und Rechenzentren beschleunigen. Weitere Anwendungen sind LiDAR-Sensoren für 3D-Bildgebung (Robotik, autonomes Fahren), sowie optische Sensorik für Wearables und Gesundheitstechnik. Im zweiten Bereich geht es um Chips für 5G- und 6G-Mobilfunktechnologie sowie Satellitenkommunikation.
Ernüchternde Zahlen
Im zweiten Quartal war der Umsatz von Sivers um 12 Prozent auf 53,8 Millionen Schwedische Kronen (4,8 Millionen Euro) gesunken. Grund war der Umbau des Geschäftsmodells, wonach das Unternehmen deutlich weniger Entwicklungsarbeit für Kunden übernimmt, sondern stattdessen das eigene Produktgeschäft vorantreibt. Während daher die Erlöse aus ersterem Geschäft eingebrochen sind, sind die Einnahmen aus Produkterlösen um 13,6 Prozent auf 29,2 Millionen Kronen gestiegen.
Allerdings ist der bereinigte Verlust vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) auf Konzernebene um 69,9 Prozent auf 35,5 Millionen Kronen nach oben geschossen.
Ebenso unschön sah die Lage beim Cashflow aus: Jener aus dem operativen Geschäft ist auf minus 70,0 Millionen Kronen nach oben geschossen, das war das 3,5-Fache des Vorjahreszeitraums. Es gab also einen massiven Cash-Abfluss.
Allerdings hat das Management die Kursexplosion im zweiten Quartal genutzt, um zwei Kapitalerhöhungen durchzuführen. Bei der ersten Mitte Januar hat das Unternehmen 125 Millionen Kronen eingenommen, bei jener am 30. Juni waren es sogar rund 700 Millionen Kronen, das Geld ist allerdings erst Anfang Juli zugeflossen.
Gleichzeitig hat das Management im zweiten Quartal die Pipeline weiter vorangetrieben und mit etlichen Kunden Verträge geschlossen, wobei die Produktion in den nächsten Quartalen beziehungsweise Jahren starten soll.
So hat Sivers im Juni einen mehrjährigen Produktauftrag im Volumen von 8,2 Millionen Dollar von der britischen Tech-Firma ALL.SPACE bekommen. Hinzu kam eine Produktorder über 3,0 Millionen Dollar vom US-Unternehmen Tachyon Networks.
Gleichzeitig erwartet das Management einen Auftrag von einem strategischen LiDAR-Kunden für das vierte Quartal 2026, wobei die Produktion 2027 starten soll. Außerdem sollen vom US-Auftragsfertiger für Elektronik Jabil Circuit im ersten Halbjahr 2027 Orders eingehen, wobei die Produktion im zweiten Halbjahr 2027 starten soll.
Das Sivers-Management hat einen Teil des Geldes aus der bislang letzten Kapitalerhöhung verwendet, um das Werk in Glasgow auszubauen. Die zusätzlichen Kapazitäten sollen Ende 2027 in Betrieb gehen.
Vorbereitungen für US-Listing vorantreiben
Auf der Analystenkonferenz am 27. August machte das Management wie üblich keinerlei Angaben zum Ausblick. Allerdings verwies es wiederholt auf die „Chancen“-Pipeline von 1,2 Milliarden Dollar, das sei ein Anstieg um 268 Prozent gegenüber Ende 2025.
Dabei handelt es sich allerdings nicht um den Auftragsbestand, sondern um etliche Projekte in verschiedenen Stufen für den Zeitraum 2026 bis 2030, wobei niemand vorhersagen kann, was davon schlussendlich als Auftrag eingehen beziehungsweise als Umsatz durch die Bücher gehen wird.
Zudem betonte das Management, dass 2027 ein „Übergangsjahr“ werde, weil das Unternehmen in diesem Jahr zum Produktunternehmen werde.
Gleichzeitig treibe das Management das Zweit-Listing in den USA zügig voran, wobei die Vorbereitungsarbeiten im ersten Halbjahr 2027 abgeschlossen werden sollen. Für die Vorbereitungen waren im zweiten Quartal 2026 Kosten von 12,4 Millionen Kronen angefallen.
So sehen die Schätzungen aus
Analysten prognostizieren für 2026 einen Umsatzrückgang von 10,2 Prozent auf 273,1 Millionen Kronen. Hingegen soll der Erlös 2027 um 67,6 Prozent auf 457,8 Millionen Kronen nach oben schießen, gefolgt von einem Plus von 35,6 Prozent auf 620,6 Millionen Kronen für 2028.
Dabei soll sich der bereinigte Ebitda-Verlust 2026 mehr als verdreifachen, auf 173 Millionen Kronen. Hingegen soll 2027 der Turnaround gelingen und ein Ebitda-Gewinn von 33 Millionen Kronen zu Buche stehen, der sich 2028 annähernd vervierfachen soll, auf 131 Millionen Kronen.
Gleichzeitig soll 2026 der bereinigte Verlust vor Zinsen und Steuern (Ebit) 2026 auf 235,4 Millionen Kronen nach oben schießen, hingegen soll er 2027 um 80 Prozent abgebaut werden, auf 49,2 Millionen Dollar. 2028 soll dann der Turnaround gelingen und ein Ebit-Gewinn von 32,1 Millionen Kronen zu Buche stehen.
Selbstverständlich sind die Schätzungen mit enormer Unsicherheit behaftet, schließlich kann niemand vorhersagen, welche Aufträge in den nächsten Monaten, Quartalen und Jahren tatsächlich bei Sivers eingehen werden.
Wie geht’s weiter mit der Aktie?
Nach dem Kollaps der Aktie in den vergangenen Monaten liegt der Börsenwert bei 10,1 Milliarden Kronen. Abzüglich des – laut meinen Berechnungen – Netto-Cash-Bestands von rund 650,0 Millionen Kronen (inklusive der Kapitalerhöhung vom 30. Juni) liegt der Enterprise Value bei 9,45 Milliarden Kronen.
Das entspricht dem 72,1-Fachen des von Analysten für 2028 prognostizierten Ebitda sowie dem 294,4-Fachen des prognostizierten Ebit. Die völlig astronomische Bewertung zeigt, welch astronomisches Wachstum in der Aktie immer noch eingepreist ist.
Meiner Meinung nach dürfte die weitere Entwicklung der extrem teuren Sivers-Aktie stark davon abhängen, ob und wie lange der KI-Hype möglicherweise noch anhalten könnte. Immerhin ist in den vergangenen Wochen verstärkt die Frage aufgekommen, wie der massiv zunehmende Kapitalbedarf der Hyperscaler sowie von OpenAI und Anthropic in den nächsten Monaten und Jahren weiter finanziert werden soll, zumal falls die Zinsen für viele KI-Unternehmen weiter deutlich steigen sollten.
Falls sich die Lage an der Zinsfront zumindest kurzfristig beruhigt, könnte sich die Sivers-Aktie stabilisieren. Sollten hingegen die Zinsen weiter deutlich steigen, dürfte das Papier deutlich nach unten drehen.
BNP Paribas bietet auf die Aktie von Sivers Semiconductors (A1W9Z9) Mini Futures, Faktor-Optionsscheine und weitere Produkte an.

Egmond Haidt
Der Autor dieses Beitrags, Egmond Haidt, arbeitete nach seiner Bankausbildung und dem BWL-Studium ab 2000 als Redakteur bei BÖRSE ONLINE. Seit Juli 2013 ist der Finanzjournalist als Freiberufler tätig. Jeden Dienstag ab 18 Uhr analysiert er die neuesten Entwicklungen am Finanzmarkt in der Sendung Euer Egmond.
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