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SpaceX – Wird der Börsengang ein Erfolg?
Etliche Experten warnen, dass die schiere Größe des Emissionsvolumens und die möglicherweise hohe Bewertung zum Problem werden könnten. Ist die Sorge berechtigt?
Es ist genau so gekommen, wie etliche Medien zuvor berichtet hatten: SpaceX will am 12. Juni an die Börse gehen und dabei 75 Milliarden Dollar einsammeln – der mit weitem Abstand größte Börsengang aller Zeiten. Dazu will die Firma 555,6 Millionen Aktien zu 135 Dollar je Aktie platzieren.
Damit würde der Börsenwert von Elon Musks Unternehmen bei insgesamt 1,75 Billionen Dollar liegen. Im Vergleich zu den Schwergewichten aus dem S&P 500 würde SpaceX damit auf Rang 7 und damit klar vor den nächsten Verfolgern Tesla und Meta Platforms mit jeweils knapp 1,5 Billionen Dollar rangieren.
Allerdings hat sich der Indexanbieter S&P Dow Jones Indices im Gegensatz zur Nasdaq entschieden, die Aufnahmeregeln für den S&P 500 nicht zu ändern, womit SpaceX laut dem aktuellen Stand frühestens in 12 Monaten in den S&P 500 aufgenommen würde. Damit gäbe es von Fonds und ETFs, die diesen Index abbilden, erst einmal keine Nachfrage nach SpaceX-Aktien.
Morningstar warnt vor hoher Bewertung
Obwohl auf der Homepage von SpaceX vor allem Bilder von Trägerraketen, Abschussrampen und von der Satellitentochter Starlink zu sehen sind, ist der Börsengang selbst keine Wette auf den Erfolg des Raumfahrtgeschäfts, sondern vor allem eine auf einen jahrzehntelangen Boom bei KI und damit bei der SpaceX-Tochter xAI. Das können Sie in dem Beitrag „SpaceX – Der Countdown zum mit weitem Abstand größten Börsengang aller Zeit läuft“ nachlesen.
In diesem Zusammenhang warnt die US-Analysefirma Morningstar vor der hohen Bewertung von SpaceX. Das Unternehmen sei „erheblich überbewertet“, während Morningstar eine Marktkapitalisierung von lediglich 780 Milliarden Dollar für angemessen hält. Das sind rund 55 Prozent weniger als der von Musk angestrebte Börsenwert beim Debüt.
Die Finanzprofis von Morningstar betrachten xAI als „erhebliche Gefahr, Werte zu zerstören“. Die Analysten sehen eine weite Spanne für die mögliche spätere Profitabilität von xAI, zumal ihr „wirtschaftlicher Burggraben unbestimmt“ sei.
Im Klartext: Niemand kann seriös vorhersagen, ob und wie sehr xAI in den nächsten Jahren und Jahrzehnten mit seinen KI-Lösungen für Unternehmen erfolgreich sein könnte oder nicht.
Dennoch gehen die Finanzprofis von Morningstar davon aus, dass das IPO zumindest kurzfristig ein Erfolg werden könnte. Schließlich sei der Free Float beim Börsengang gering, während die Nachfrage der Investoren nach KI-Infrastrukturinvestments hoch sei.
Und schlussendlich werde die Aktie – statt wie bislang üblich nach 3 Monaten – nun bereits 15 Tage nach dem Börsengang in den Nasdaq 100 aufgenommen, nachdem der Indexanbieter extra für die Schwergewichte seine Regeln geändert hatte. Das heizt die Nachfrage nach den Papieren an. Das hatte ich der Sendung „Euer Egmond“ vom 26. Mai ausführlich analysiert.
Herbe 30 Prozent der Aktien für Privatanleger
Können die Emissionsbanken es tatsächlich schaffen, beim Börsengang 75 Milliarden Dollar einzusammeln? Das ist zumindest keine leichte Aufgabe, schließlich ist es das mit weitem Abstand größte IPO aller Zeiten.
Dabei sollen 30 Prozent der zu platzierenden Aktien an Privatanleger gehen, üblicherweise sind es aber lediglich 5 bis maximal 10 Prozent. Damit müssten die Geldhäuser diesmal also rund 22,5 Milliarden Dollar bei Privatanlegern einsammeln.
Den extrem hohen Anteil von 30 Prozent finden etliche Experten kritisch, könne das doch dafür sorgen, dass die Volatilität der Aktie in den ersten Handelstagen noch viel höher werden könnte als ohnehin erwartet, falls viele Privatanleger mögliche Kursgewinne für schnelle Verkäufe der Papiere nutzen sollten.
Ein möglicher kurzfristiger Erfolg des IPOs hängt auch davon ab, wie schnell die Altaktionäre ihre Aktien verkaufen können, denn je größer deren Angebot an Papieren ist, umso mehr drückt das auf den Preis.
Laut dem Börsenprospekt können Altaktionäre ab dem 2. Handelstag nach der Vorlage der Halbjahreszahlen bis zu 20 Prozent ihrer Aktien verkaufen. Sie werden für Ende Juli oder Anfang August erwartet.
Außerdem können Altaktionäre abhängig von der Performance der Aktie zusätzliche Papiere veräußern. Demnach können Altaktionäre zusätzlich bis zu 10 Prozent ihrer Aktien verkaufen, falls die Aktie an 5 der 10 Handelstage nach der Zahlenvorlage um mindestens 30 Prozent über dem Ausgabepreis liegt.
Unabhängig davon laufen in den nächsten Monaten immer mehr Haltefristen für Altaktionäre ab, woraufhin immer mehr Papiere auf den Markt kommen können.
Wahrscheinlich astronomische Bewertung
Kurz noch mal zurück zum Thema Bewertung: Sich ein genaues Bild dazu zu machen, ist für Privatanleger – und damit auch für mich als Journalist – völlig unmöglich, schließlich dürfen Analysten in den USA in den ersten 25 Tagen nach dem Börsendebüt keine Schätzungen veröffentlichen.
Bei der Bewertung sähe die Lage jedoch wie folgt aus: Angenommen, der Börsenwert läge wie geplant bei 1,75 Billionen Dollar. Zudem lagen – laut meinen Berechnungen – die Nettoschulden per Ende März bei 6,6 Milliarden Dollar.
Vom Emissionserlös von 75 Milliarden Dollar ziehe ich die Gebühren für die Banken ab, die bei 500 Millionen Dollar kolportiert werden. Damit läge der Netto-Cash-Bestand nach dem IPO bei 67,9 Milliarden Dollar.
Abzüglich des Netto-Cash-Bestands läge der Enterprise Value (EV) damit nach dem IPO bei 1,68 Billionen Dollar.
Wie astronomisch die Bewertung schlussendlich sein wird, wird man frühestens am 8. Juli sehen, läuft doch tags zuvor die obige 25-Tage-Frist aus.
Ich gehe jedenfalls davon aus, dass die Bewertung von SpaceX um ein Vielfaches höher sein dürfte als aktuell jene von Tesla ist: Bei dem E-Auto-Hersteller liegt das Verhältnis von EV zum Umsatz für 2027 bei herben 12,6.
Zudem liegt das Verhältnis von EV zum bereinigten Ebitda für das gleiche Jahr bei astronomischen 74,4 und das Verhältnis zum bereinigten Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) bei noch astronomischeren 180,0.
Wie könnte die Aktie kurzfristig laufen?
Trotz der obigen Fakten und Annahmen gehe ich davon aus, dass der Börsengang von SpaceX zumindest kurzfristig ein Erfolg werden dürfte, schließlich dürften sich institutionelle Investoren ebenso wie Privatanleger um die Aktien reißen, zumal es derzeit einen beispiellosen Hype um KI und Raumfahrttechnik gibt. Vor diesem Hintergrund sollte es kein Problem werden, die Papiere zu platzieren.
Zudem sollte der Aufstieg in den Nasdaq 100 nach nur 15 Tagen dafür sorgen, dass die Nachfrage nach den SpaceX-Aktien zusätzlich angekurbelt wird.
Vor diesem Hintergrund sollten die Emissionsbanken auch den gesamten Green Shoe von zusätzlich 83,3 Millionen Aktien innerhalb von 30 Tagen platzieren können, womit das Emissionsvolumen um 11,25 Milliarden Dollar auf insgesamt 86,25 Milliarden Dollar steigen würde.
Anschließend dürfte es nicht zuletzt von den Verkäufen der Altaktionäre abhängen, ob der mögliche Hype weitergeht, zumal auch Anthropic und ChatGPT in den Startlöchern für ihre geplanten Börsengänge stehen.
Und nun bin ich gespannt auf die Kursentwicklung von SpaceX am ersten Handelstag am 12. Juni und an den darauffolgenden Tagen.

Egmond Haidt
Der Autor dieses Beitrags, Egmond Haidt, arbeitete nach seiner Bankausbildung und dem BWL-Studium ab 2000 als Redakteur bei BÖRSE ONLINE. Seit Juli 2013 ist der Finanzjournalist als Freiberufler tätig. Jeden Dienstag ab 18 Uhr analysiert er die neuesten Entwicklungen am Finanzmarkt in der Sendung Euer Egmond.
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