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Steel Dynamics – Zum 30-jährigen Jubiläum zusätzliche Gewinnquellen erschließen
Der US-Stahlhersteller Steel Dynamics hat 2022 Rekordergebnisse erwirtschaftet. Vorstandschef Mark Millett will von den Investitionsprogrammen der US-Regierung profitieren und treibt gleichzeitig die Diversifizierung des Geschäfts energisch voran.
Wie sehr werden die stark gestiegenen und damit relativ hohen Zinsen die US-Wirtschaft in den nächsten Quartalen belasten? Diese Frage ist eine der wichtigsten für viele Investoren, denn neben der Entwicklung der US-Zinsen dürfte jene der US-Konjunktur einer der entscheidenden Treiber für die Aktienmärkte in den nächsten Monaten sein.
Auf der Fed-Sitzung vom 20. September hatte Fed-Chef Jay Powell erklärt, dass die Konjunktur deutlich besser laufe als erwartet, weshalb die Fed die Zinsen länger auf einem erhöhten Niveau belassen müsse, um weiter die Inflation zu bekämpfen.
Gerade von der Entwicklung der US-Konjunktur wird es abhängen, ob das Geschäft des US-Stahlherstellers Steel Dynamics weiter floriert. Er hat im August 30-jähriges Firmenjubiläum gefeiert.
Im Gegensatz zu den heimischen Branchenriesen, wie Nucor und United States Steel, produziert Steel Dynamics Stahl ausschließlich in Elektrostahlwerken. Dabei wird um 75 Prozent weniger Energie verbraucht als bei der herkömmlichen Produktion in Hochöfen, während die Treibhausgase sogar um 88 Prozent niedriger sind.
Der Konzern verfolgt dabei das Modell einer Kreislaufwirtschaft und setzt vor allem Altmetall bei der Produktion ein. 83 Prozent des bei der Stahlherstellung verwendeten Materials ist recycelter Eisenschrott. Der Stahl wird beispielsweise in der Eisenbahnindustrie, im Auto- oder Hausbausektor (Stahlbalken, Träger) eingesetzt.
Rekordwerte für 2022
Mit diesem Geschäftsmodell war Steel Dynamics in den vergangenen Jahren sehr erfolgreich, lag die Auslastung doch üblicherweise weit über dem Branchendurchschnitt in den USA, weshalb die Firma mit überdurchschnittlichen Profitabilitätskennzahlen glänzt.
2022 hat der Konzern von der gut laufenden US-Wirtschaft profitiert und Rekordergebnisse erzielt. So war der Stahlabsatz von 11,2 Millionen Tonnen für 2021 auf den Spitzenwert von 12,2 Millionen Tonnen gestiegen.
Zudem war der Konzernumsatz auf den Rekord von 22,3 Milliarden Dollar nach oben geschossen und der bereinigte Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) auf den Spitzenwert von 5,5 Milliarden Dollar nach oben gesprungen. Das entsprach einer Marge von sensationellen 24,8 Prozent.
Gute Aussichten für US-Stahlnachfrage
Dabei war das Geschäft im zweiten Halbjahr 2022 deutlich unter Druck gekommen, nachdem chinesische Stahlexporte den Weltmarkt überschwemmt und damit die Preise unter Druck gebracht hatten. Inzwischen begrenzt China allerdings die Stahlproduktion, um die Treibhausgase zu verringern, was die Stahlpreise zwischenzeitlich gestützt hat.
Daher gelang Steel Dynamics im zweiten Quartal 2023 eine Trendwende nach oben. So ist der Umsatz gegenüber dem Vorquartal um 3,9 Prozent auf 5,1 Milliarden Dollar gestiegen.
Zudem ist das bereinigte Ebitda um 22,6 Prozent auf 1,2 Milliarden Dollar nach oben geschossen. Das entsprach einer Marge von stattlichen 23,1 Prozent.
Hauptgrund war, dass die Stahlpreise deutlich stärker gestiegen sind als jene für Eisenschrott. Einen kleinen Teil des Konzernumsatzes und -gewinns steuerte zudem das Geschäft mit dem Recyclen von Metall bei.
Vorstandschef Mark Millett gab sich bezüglich der Ergebnisse zufrieden und zeigte sich zugleich zuversichtlich für die Zukunft. Das Management glaube, dass in den nächsten Jahren der Verbrauch von Stahl aus Nordamerika steigen werde, und dass die Nachfrage nach emissionsarmen, in den USA hergestelltem Stahl in Kombination mit niedrigen Importen die Stahlpreise stützen werde.
Schließlich würden viele Industrieunternehmen Kapazitäten in den USA aufbauen, zudem würde die US-Regierung mit Förderprogrammen für Infrastruktur, sowie dem „Inflation Reduction Act“ zur gezielten Förderung nachhaltiger Energienutzung die Nachfrage nach heimischem Stahl ankurbeln.
Zusätzliche Gewinnquellen erschließen
Millett nutzt die guten Geschäfte nicht nur, um die Kapazitäten im Stahlbereich deutlich auszubauen und investiert dabei beispielsweise 1,9 Milliarden Dollar in ein neues Stahlwerk in Sinton, Texas, sondern auch, um in die Produktion von Aluminium einzusteigen und investiert dazu 2,5 Milliarden Dollar in den Bau eines Werkes in Columbus, Mississippi. Es wird in der Nähe des dortigen Stahlwerks angesiedelt.
Mit dem geplanten Verkauf von Aluminium nimmt der Konzern gerade die Hersteller von Getränkedosen ins Visier, weil dieses Geschäft relativ konjunkturunabhängig ist. Weitere Sektoren sind die Autobranche und der Industriesektor. Zur Erinnerung: Der Bau eines E-Autos erfordert rund 40 Prozent mehr Aluminium als der eines herkömmlichen Fahrzeugs mit Verbrenner.
Das neue Aluminium-Werk soll im zweiten Halbjahr 2025 die Produktion aufnehmen und über einen Geschäftszyklus hinweg pro Jahr im Schnitt ein Ebitda von 650 bis 700 Millionen Dollar erwirtschaften. Nach Milletts Rechnung würde sich die Investition innerhalb von rund fünf Jahren amortisieren.
Bei einem von den Analysten für 2023 vorhergesagten Ebitda auf Konzernebene von knapp 3,8 Milliarden Dollar würde ein zusätzlicher Beitrag von 650 bis 700 Millionen Dollar aus dem Alu-Geschäft eine Steigerung um rund 18 Prozent bedeuten.
Am 18. September hat Steel Dynamics einen Ausblick für das dritte Quartal gegeben. Demnach werde der Gewinn pro Aktie bei 3,46 bis 3,50 Dollar liegen, nach 4,81 Dollar für das zweite Quartal. Grund sei, dass die Preise für Stahl deutlich stärker gesunken seien als jene für Altmetall. Zudem hätte die Produktion im Werk in Sinton wegen Maschinenproblemen unter den Erwartungen gelegen.
Wie geht’s weiter mit der Aktie?
Viele Analysten teilen den Optimismus von Vorstandschef Millett allerdings nicht, vielmehr befürchten sie, dass die herausragenden Zeiten erst einmal vorbei sind. Die Finanzprofis prognostizieren, dass der Umsatz und das Ebitda von Steel Dynamics in den kommenden Quartalen jeweils deutlich sinken wird gegenüber dem Vorquartal.
Nachdem der Umsatz im laufenden Jahr damit um 15,2 Prozent auf 18,88 Milliarden Dollar zurückgehen soll, soll es 2024 um 10 Prozent auf nurmehr 17,0 Milliarden Dollar abwärts gehen. Gleichzeitig soll das bereinigte Ebitda für 2023 um mehr als 30 Prozent auf knapp 3,8 Milliarden Dollar einbrechen und 2024 sogar auf nurmehr knapp 2,4 Milliarden Dollar, was einem Rückgang um 36,8 Prozent entspricht. Offensichtlich gehen die Analysten von einem kräftigen Preisverfall aus.
Demgegenüber steht ein Börsenwert von 17,5 Milliarden Dollar. Inklusive der Nettoschulden von 796 Millionen Dollar entspricht das einem Enterprise Value (EV) von herben 18,3 Milliarden Dollar. Das ist das 7,6-Fache des erwarteten 2024er-Ebitda.
Ich finde das ist eine Menge Holz für ein Unternehmen, für das Analysten für dieses und das nächste Jahr jeweils einen deutlichen Einbruch bei Umsatz und Profitabilität vorhersagen.
Und das 2024er-KGV liegt bei 12,3.
Ich gehe daher davon aus, dass die Aktie nach dem leichten Abwärtstrend der vergangenen paar Monate schon bald auf Talfahrt gehen könnte, zumal wenn die US-Konjunkturdaten aufgrund der hohen Zinsen schlechter werden sollten, und Rezessionssorgen aufkommen.
Im dem Umfeld dürfte nicht zuletzt der Immobiliensektor, gerade der Bau von Gewerbeimmobilien verstärkt unter Druck kommen, was die Stahlnachfrage belasten sollte. Und im Autosektor dürfte der Absatz den Rückwärtsgang einlegen, etc.
Das wäre meiner Meinung nach alles andere als ein gutes Umfeld für Zykliker wie den Stahlhersteller Steel Dynamics.
BNP Paribas hat auf die Aktien von Steel Dynamics (903772) verschiedene Produkte im Angebot, die Sie neben den unten stehenden Realtime-Charts abrufen können.
Egmond Haidt
Nach der Bankausbildung und dem BWL-Studium arbeitete er ab 2000 als Redakteur bei BÖRSE ONLINE. Seit Juli 2013 ist der Finanzjournalist als Freiberufler tätig. Jeden Dienstag ab 18 Uhr analysiert er die neuesten Entwicklungen am Finanzmarkt in der Sendung Euer Egmond.
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