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Tesla – Senkung der Investitionsprognose verunsichert Investoren
Der E-Auto-Hersteller hat Quartalszahlen vorgelegt. Wie geht’s weiter mit der Aktie?
Mit einem Kurseinbruch von aktuell 4 Prozent hat die Tesla-Aktie auf die Veröffentlichung der Quartalszahlen am Mittwochabend, dem 21. Oktober, reagiert. Sie enthielten eine wichtige Überraschung, während sich Vorstandschef Elon Musk auf der Analystenkonferenz wie üblich super-bullisch bezüglich der Geschäftsperspektiven für die nächsten Jahre gab. Wie geht’s weiter mit der Aktie?
Im dritten Quartal hat der Umsatz von Tesla bei 28,05 Milliarden Dollar stagniert, damit wurden die Schätzungen der Analysten quasi genau getroffen.
Dabei war der Erlös im Autogeschäft um 3,0 Prozent auf 20,56 Milliarden Dollar gesunken, Grund war vor allem der Absatzrückgang um 2,1 Prozent. Das Management erklärte, dass die Nachfrage nach Fahrzeugen das Angebot deutlich übersteige, zumal viele Kunden vor allem die Software für das autonome Fahren (FSD) haben wollten. Allerdings seien Batterien knapp, was eine größere Autoproduktion verhindert habe. Gleichzeitig sei der Auftragsbestand im Autogeschäft der größte seit 4 Jahren.
Zudem waren die Einnahmen im Bereich Energie und Speicher auf 2,9 Milliarden Dollar eingebrochen, wohingegen das Service-Geschäft brummte.
Aufgrund stark gestiegener Kosten etwa für Forschung und Entwicklung im Bereich KI, autonomes Fahren und des Roboters Optimus ist der Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) auf Konzernebene um 55,8 Prozent auf 718 Millionen Dollar eingebrochen, damit hat sich die Marge erheblich von 5,8 auf nur noch 2,6 Prozent verschlechtert.
Bemerkenswert war aber vor allem die Entwicklung beim Cashflow. Jener aus dem operativen Geschäft stagnierte bei 6,3 Milliarden Dollar. Zwar haben sich die Investitionen auf 4,7 Milliarden Dollar mehr als verdoppelt, das lag aber meilenweit unter den Erwartungen von 7,95 Milliarden Dollar. Damit stand ein Free Cashflow von 1,5 Milliarden Dollar zu Buche, wohingegen Analysten einen Free Cashflow von minus 5,0 Milliarden Dollar vorhergesagt hatten, also einen kräftigen Cashflow.
Dennoch dürften diese Zahlen vielen Investoren nicht gefallen haben, schließlich hängt das künftige Wachstum bei KI, beim autonomen Fahren v.a. mit dem Roboter-Taxi Cybercab, Optimus und etlichen anderen Produkten davon ab, wie viel Geld Tesla in den Aufbau der entsprechenden Produktionskapazitäten steckt.
Nachdem die Investitionen bereits im zweiten Quartal überraschend gering ausgefallen waren, hat das Management nun die Prognose für das Gesamtjahr um 5 Milliarden Dollar auf nur noch 20 Milliarden Dollar gesenkt. Das sorgt für Verunsicherung bei Investoren, nachdem das Management die Prognose erst vor 6 Monaten um 5 Milliarden Dollar erhöht hatte.
Gewohnt bullische Analystenkonferenz
Dennoch gaben sich Musk und Finanzchef Vaibhav Taneja auf der Analystenkonferenz super-bullisch. Demnach soll das Cybercab ab November in Dallas im US-Bundesstaat Texas an den Start gehen, in den folgenden Monaten sollen zahlreiche weitere Städte folgen. Gleichzeitig soll das Robotaxi-Geschäft zum Jahresende 2026 auf 24 Stunden pro Tag ausgeweitet werden. Das Geschäft mit Roboter-Taxis werde ab dem zweiten Quartal 2027 spürbare Ergebnisbeiträge liefern, ab dem dritten Quartal sollen sie umso mehr durchschlagen.
Zudem soll es die ersten Aktivierungen für das nichtüberwachte FSD im zweiten Quartal 2027 geben. Derzeit müssen Fahrer das FSD noch selbst überwachen und jederzeit eingreifbereit sein. Außerdem sollen die ersten hauseigenen Chips im Mai oder Juni 2027 produziert werden.
Außerdem sollen die ersten Auslieferungen des Optimus Ende 2027 starten. Allerdings werde die Produktion anfangs nur langsam gesteigert werden können, weil es erst gelte, die gesamte Lieferkette aufzubauen. „Ich bleibe der Überzeugung, dass Optimus das größte Produkt auf Erden sein wird, und humanoide Roboter werden im Allgemeinen das größte Produkt auf Erden sein“, sagte Musk.
Die massiven Investitionen in autonomes Fahren, Robotik, Chip-Produktion etc. werde in den nächsten Jahren für einen kräftigen Anstieg der Investitionen sorgen. Vor diesem Hintergrund habe sich Tesla bereits eine Kreditfazilität von 30 Milliarden Dollar gesichert, allerdings solle sie erst einmal nicht in Anspruch genommen werden.
Hingegen machte Musk auf der Analystenkonferenz keinerlei Angaben zu einem möglichen Zusammenschluss von Tesla und SpaceX.
So sehen die Schätzungen aus
Analysten prognostizieren für 2026 für Tesla einen Umsatzanstieg um 13,1 Prozent auf 107,27 Milliarden Dollar. 2027 soll es um 13,1 Prozent auf 121,32 Milliarden Dollar nach oben gehen.
Allerdings soll das bereinigte Ebit 2026 um 15,1 Prozent auf 3,70 Milliarden Dollar sinken, hingegen soll es 2027 um 57,5 Prozent auf 5,82 Milliarden Dollar nach oben schießen. Damit würde die Marge zuerst von 4,6 auf 2,9 Prozent für 2026 einbrechen, um sich 2027 auf 4,7 Prozent zu erholen.
In diesem Zusammenhang sei erwähnt, dass die Finanzprofis in den vergangenen Monaten die Umsatzschätzungen für 2026 und 2027 allmählich nach oben geschraubt haben, während die Ebit-Schätzungen für die beiden Jahre immer weiter gesenkt wurden.
Wie geht’s weiter mit der Aktie?
Nach dem Kurseinbruch nach der Zahlenvorlage liegt der Börsenwert bei 1,47 Billionen Dollar. Abzüglich des – laut meinen Berechnungen – Netto-Cash-Bestands von 35,9 Milliarden Dollar liegt der Enterprise Value (EV) bei 1,43 Billionen Dollar.
Das entspricht dem 246,4-Fachen des von Analysten für 2027 prognostizierten Ebit. Die völlig astronomische Bewertung deutet darauf hin, dass der Umbau von Tesla vom E-Auto-Hersteller zu einem KI- und Robotik-Spezialisten längst in der Aktie eingepreist ist. Auf Basis der Ebit-Schätzungen für 2028 (9,6 Milliarden Dollar) geht das Multiple zwar auf das 148,3-Fache zurück, was aber immer noch eine völlig astronomische Bewertung ist.
Und das 2027er-KGV liegt bei horrenden 173,5. Offenbar sind Investoren, die Musks Versprechen Glauben schenken, bereit, jeden Preis zu bezahlen.
Meiner Meinung nach könnte die Tesla-Aktie kurzfristig etwas nachgeben, weil die Senkung der Investitionsprognose für 2026 Investoren etwas verunsichert hat. Allerdings könnten sie anschließend auf einen möglichen Zusammenschluss mit SpaceX wetten, woraufhin sich das Tesla-Papier trotz der völlig astronomischen Bewertung allmählich stabilisieren könnte.
Zudem gilt es die Nachrichten aus dem KI-Bereich weiter genau zu verfolgen. Falls die Sorgen der Investoren zunehmen sollten, dass der KI-Markt in den nächsten Jahren auch nicht annähernd so stark wachsen sollte, wie Experten derzeit prognostizieren, weil sich keine Investoren finden, die die geplanten massiven Investitionen finanzieren möchten, könnte das Tesla-Papier deutlich nach unten drehen.
BNP Paribas bietet auf die Aktie von Tesla (A1CX3T) Mini Futures, Unlimited Turbos, Optionsscheine, Faktor-Optionsscheine und weitere Produkte an.

Egmond Haidt
Der Autor dieses Beitrags, Egmond Haidt, arbeitete nach seiner Bankausbildung und dem BWL-Studium ab 2000 als Redakteur bei BÖRSE ONLINE. Seit Juli 2013 ist der Finanzjournalist als Freiberufler tätig. Jeden Dienstag ab 18 Uhr analysiert er die neuesten Entwicklungen am Finanzmarkt in der Sendung Euer Egmond.
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