Die Profitabilität unter der Lupe

30.07.2023 · von Olaf Hordenbach

​Wie profitabel arbeitet ein Unternehmen in seinem operativen Geschäft? Darum geht es bei den Finanzkennzahlen EBT, EBIT, EBITA und EBITDA, die auch an der Börse sehr oft angewendet werden. Doch was steckt hinter diesen Kennzahlen?

EBT, EBIT, EBITA, EBITDA – was sich im ersten Moment wie ein lustiges Buchstabenrätsel liest, ist trockenes Buchhalterdeutsch respektive Buchhalterenglisch. Denn hinter den Kürzeln stecken finanzielle Kennzahlen, die bei der Untersuchung der Profitabilität von Unternehmen zum Zuge kommen. Dabei haben sich EBT, EBIT, EBITA und EBITDA zu allgemein anerkannten Standardbewertungsverfahren entwickelt, die auch an der Börse ständig anzutreffen sind. Doch nur wenige Anleger wissen, was sich hinter ihnen versteckt. MÄRKTE & ZERTIFIKATE gibt Auskunft.

Ohne Zinsen und Steuern. Damit alle stets über das gleiche sprechen, wenn von EBT, EBIT, EBITA und EBITDA die Rede ist, werden diese in den internationalen Rechnungslegungsvorschriften für Unternehmen, den International Financial Reporting Standards (IFRS), definiert. Dadurch soll vor allem eine Vergleichbarkeit der Unternehmen in Bezug auf ihre Profitabilität erreicht werden, egal in welcher Branche sie tätig oder in welchem Land sie ansässig sind. Vergleichbar mit einer Pyramide bildet das EBT – Earnings Before Taxes, auf Deutsch der Gewinn vor Steuern – dabei quasi das Fundament. Im Vergleich zu den folgenden Kennzahlen wird das EBT seltener angewendet. Die Kennzahl kann zum Vergleich von zwei Unternehmen, die aus der gleichen Branche stammen, aber an unterschiedlichen Orten ansässig sind und damit eventuell unterschiedlich hohe Steuern zahlen müssen, angewendet werden. Durch das Nichtberücksichtigen der individuellen Steuerlast wird eine Vergleichbarkeit gewährleistet. Doch das EBT kann nur ein erster Schritt bei der Überprüfung der Profitabilität von Unternehmen sein. Denn neben den Steuern spielen auch die Zinsen eine wichtige Rolle. Wenn sich Unternehmen Geld leihen, müssen sie dafür Zinsen zahlen. Die Zinslast kann sich jedoch erheblich unterscheiden, was wiederum abhängig ist vom Standort oder dem Zeitpunkt der Aufnahme von Krediten. Diese beinträchtigen natürlich erheblich den Erfolg eines Unternehmens – Konzerne sind schon aufgrund ihrer Zinslast in Konkurs gegangen –, sagen aber trotzdem erst einmal wenig über seine Profitabilität aus. Darum gibt es das EBIT, Earnings Before Interest and Taxes, auf Deutsch der Gewinn vor Zinsen und Steuern. Das EBIT wird auch als operativer Gewinn oder ordentliches Betriebsergebnis eines Unternehmens bezeichnet.

 

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Ohne Steuern, Zinsen und Abschreibungen. Beim EBITA, dem nächsten Schritt bei der Untersuchung der Profitabilität von Unternehmen, werden nicht nur Zinslast und Steuern he-rausgerechnet, sondern auch Abschreibungen auf immaterielle Wirtschaftsgüter, auf Englisch „amortization“. EBITA heißt also Earnings Before Interest, Taxes and Amortization. Was sind Abschreibungen auf immaterielle Wirtschaftsgüter? Typische Beispiele für immaterielle Wirtschaftsgüter sind etwa Lizenzen, Patente, Nutzungsrechte und EDV-Software. Entgegen den materiellen Wirtschaftsgütern sind immaterielle Wirtschaftsgüter körperlich nicht fassbar. Sie stellen jedoch einen wirtschaftlichen Wert dar, der selbstständig bewertbar ist. Häufig verlieren immaterielle Wirtschaftsgüter im Laufe der Zeit an Wert, dieser Wertverlust kann von den Unternehmen abgeschrieben werden. 

In einem nächsten Schritt werden nicht nur Zinsen, Steuern und Abschreibungen auf immaterielle Wirtschaftsgüter herausgerechnet, sondern auch die Abschreibungen auf Sachanlagen, also materielle Wirtschaftsgüter wie Maschinen, Werkzeuge oder Laptops. Auf Englisch werden diese Abschreibungen als „depreciation“ bezeichnet. Damit ergeben sich die Earnings Before Interest, Taxes, Depreciation and Amortization, kurz EBITDA. Mit dem EBITDA bleiben alle wichtigen Faktoren, die den Gewinn verändern und die Vergleichbarkeit der Profitabilität von Unternehmen erschweren, unberücksichtigt. Das EBITDA betrachtet die Rentabilität der operativen Zweige eines Unternehmens noch genauer, da Zinsen, Steuern und Abschreibungen (von materiellen wie auch immateriellen Gütern) nicht in der Rechnung vorkommen. 

Das EBITDA gewährt somit einen genauen Blick auf den Ertrag der Firmenaktivitäten eines Unternehmens und stellt eine Vergleichbarkeit mit anderen Unternehmen entweder aus derselben oder einer anderen Branche länderübergreifend her. Deswegen wird das EBITDA sehr gerne an der Börse von den Anlegern angewendet, um ihre Favoriten zu benennen. Unternehmen mit einem vergleichsweise starken EBITDA werden dabei bevorzugt.

Doch Vorsicht, das EBITDA ist kein Allheilmittel. Da Steuer-/Zinslast und Abschreibungen unberücksichtigt bleiben, verfälscht das am Ende den tatsächlichen Gewinn eines Unternehmens. Mehr noch, selbst Unternehmen mit einem guten EBITDA können am Ende Probleme haben, wenn alle Einflussfaktoren berücksichtigt werden. Das EBITDA ist also, wie das EBT, das EBIT und das EBITA auch, nur eine Kennzahl, die bei der Bewertung eines Unternehmens eingesetzt wird und eine Vergleichbarkeit zu anderen Unternehmen herstellt, aber sie ist eben nur eine Kennzahl von mehreren. Für eine Kaufentscheidung gibt sie Anhaltspunkte, aber allein reicht sie nicht aus.

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