Auf die Handelsqualität kommt es an

28.10.2022 · von Olaf Hordenbach

​Anleger, die mit Zertifikaten handeln, sollten vor allem auch auf die Handelsqualität, für die die Emittenten von Zertifikaten verantwortlich sind, achten. Worauf es dabei ankommt, erklärt MÄRKTE & ZERTIFIKATE.

Wenn es an den Börsen turbulent zugeht und die Aktienkurse stark steigen oder fallen, sind Zertifikateanleger auf einen zuverlässigen Handelspartner angewiesen. Anlage- und Hebelprodukte in hektischen Börsenphasen zu fairen Preisen und auch in größeren Stückzahlen kaufen und verkaufen – Experten sprechen in diesem Zusammenhang von der Handelsqualität des Emittenten. Für erfahrene Anleger ist die Handelsqualität eines der Hauptkriterien bei der Auswahl von Zertifikaten. Doch was versteckt sich hinter dem Begriff der Handelsqualität?

Verfügbarkeit handelbarer Kurse. Das Wichtigste ist, dass der Emittent handelbare Kurse für seine Produkte stellt. Ist dies nicht der Fall, können Anleger nämlich das Produkt möglicherweise nicht oder nur eingeschränkt kaufen beziehungsweise verkaufen. Wobei der Verkauf meist wichtiger ist, denn: Nichts schmerzt mehr als eine offene Handelsposition, die ein Anleger schließen möchte, aber nicht kann. Und gerade hier trennt sich in volatilen Zeiten die Spreu vom Weizen – welcher Emittent handelbare Kurse stellt und welcher nicht.

Warum ist das so? Die Belastung der EDV-Systeme des Emittenten nimmt massiv zu, wenn sich die Börse plötzlich sehr schnell bewegt: Pro Sekunde müssen deutlich mehr Daten ausgewertet werden. Gleichzeitig müssen die Systeme deutlich mehr Transaktionen ausführen. Vor allem aber: Die Systeme müssen aufgrund der sich schnell ändernden Preise der Basiswerte sowie beispielsweise veränderter Volatilitäten oder gegebenenfalls Währungskursänderungen deutlich mehr Preise pro Sekunde berechnen.

Nur ein Emittent, der seine Systeme von vornherein für Ausnahmesituationen ausgelegt hat, kann in hochvolatilen Zeiten einen stabilen Handel gewährleisten. Da kann es gut sein, dass die Systeme in ruhigen Zeiten nur zu 15 oder 20 Prozent ausgelastet sind.

Schnelligkeit der Ausführung. Neben der Verfügbarkeit von handelbaren Kursen ist auch die Geschwindigkeit der Orderausführung und der Bestätigung der Ausführung relevant. Im normalen Fall geht das innerhalb von Millisekunden. Schwieriger wird es da schon, wenn zum selben Zeitpunkt viele Anleger handeln wollen. Dann kann es auf der Datenautobahn schon mal eng werden. Auch für solche Momente müssen die Systeme eines Emittenten ausgelegt sein. Wichtig dabei ist die „gesamte Strecke“ vom heimischen Computer über die Systeme der Bank, die die Order entgegennimmt, bis zu den Systemen der Börse oder des außerbörslichen Handelssystems, die oder das dann in der Regel mit dem Emittenten handelt.

Handelbare Stückzahl. Ebenfalls relevant ist die handelbare Stückzahl, also welche Anzahl des gewählten Produkts der Anleger kaufen oder verkaufen kann. Wer etwa DAX Mini-Long handeln möchte, findet als Stückzahl zum Beispiel 20.000. Das bedeutet, dass der Emittent bis zu 20.000 Stück des Produkts zum aktuellen Kurs zum Kauf und Verkauf anbietet. Kostet der DAX-Mini-Long gerade 14,09 Euro, können Anleger also eine Summe von bis zu 281.800 Euro problemlos in einen Trade investieren. Weniger ist natürlich auch möglich. 

Doch was ist, wenn Sie mehr als die 20.000 Stück im Beispiel handeln möchten? In diesem Fall können Anleger statt einer Order zwei erteilen. Wer zum Beispiel 40.000 DAX Mini-Long handeln möchten, der Emittent aber nur Kurse für 20.000 Stück stellt, kann nacheinander zwei Orders zu je 20.000 Stücken platzieren.

Alternativ kann sich der Anleger, wenn eine größere Stückzahl gekauft oder verkauft werden soll, auch direkt an den Emittenten wenden. Bei BNP Paribas geht das schnell und kompliziert entweder telefonisch (069/7193-3111) oder per Chat auf der Website (www.bnp.de). 

Auf die Liquidität kommt es an. Doch warum sind die handelbaren Stückzahlen überhaupt begrenzt? Das hängt insbesondere mit der Liquidität des Basiswerts zum jeweiligen Zeitpunkt zusammen. Bekanntlich sichern sich Anbieter ab, indem sie etwa dann den Basiswert kaufen, wenn der Anleger beispielsweise einen Call-Optionsschein auf den DAX kauft. Der DAX-Future ist meist liquider als eine Aktie aus dem DAX, die wiederum ihrerseits meist liquider ist als eine „kleine“ S-DAX-Aktie. Dementsprechend können Anleger grundsätzlich mehr DAX-Produkte kaufen oder verkaufen als Produkte auf eine weniger liquide S-DAX Aktie.

Wichtig dabei: Die Liquidität des Basiswerts verändert sich über die Zeit. Zum Beispiel sind Aktien aus dem DAX zwischen 9:00 Uhr und 17:30 Uhr – also wenn der Referenzmarkt XETRA geöffnet ist – deutlich liquider als etwa abends zwischen 20:00 und 22:00 Uhr oder morgens vor 9:00 Uhr. Daher ist auch die Stückzahl, die ein Emittent stellt, in der Regel während der XETRA-Handelszeiten für einen deutschen Basiswert höher als außerhalb dieser Zeiten. Gleichzeitig profitieren Sie während der XETRA-Handelszeiten in der Regel von engeren Spreads, also geringeren Differenzen zwischen Kauf- und Verkaufskursen. Das Gleiche gilt zum Beispiel für US-Basiswerte, die eine höhere Liquidität aufweisen, wenn der US-Markt geöffnet ist, also nachmittags ab 15:30 Uhr.

Faire Preise und konstantes Pricing. Dank des intensiven Wettbewerbs auf dem deutschen Derivatemarkt sind die Preise für Derivate hier im internationalen Vergleich durchaus fair. Zwischen zehn und 15 Banken bieten Anlegern ihre Produkte an. Wer zu teuer ist, trifft auf keine Nachfrage. Der günstigste Preis ist aber bei Weitem nicht alles. Eventuell stammt er von einem Emittenten, der nicht konsequent in seine Systeme investiert und im Härtefall keine gute Handelsqualität mehr bieten kann. Erfahrene Anleger setzen in allererster Linie auf Emittenten mit guter Handelsqualität und blicken gleichzeitig auf den Preis. 

BNP Paribas ist seit über 20 Jahren im Zertifikatemarkt aktiv und einer der größten Emittenten in Deutschland. Die französische Bank wird regelmäßig für ihre gute Handelsqualität und für die Qualität des Sekundärmarkts prämiert. 

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