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Luxus in Zeiten von Krieg und Krise
Kommende Woche wird spannend für Aktien aus dem Luxussegment
Und? Haben Sie alle schon einen neuen Ferrari 849 Testarossa bestellt? Welche Farbe haben Sie gewählt? Rosso Corsa (Renn-Rot) oder Giallo Montecarlo (Montecarlo-Gelb)? Oder gar das Argento Nurburgring (Nürburgring-Silber)? Ach, Sie haben Ihre Order noch gar nicht aufgegeben? Dann sind Sie Teil der Gruppe von Nicht-Käufern, über die Benedetto Vigna, Chef von Ferrari, am kommenden Mittwoch höchstwahrscheinlich auch reden wird. Denn neben dem Beschluss zur Gewinnausschüttung (erwartet wird eine Dividende von 3,615 Euro pro Aktie) sowie dem erfolgreichen Abschluss des ersten Teils des Aktienrückkaufprogramms wird er auch über die Geschäftsergebnisse des ersten Quartals sowie über den Ausblick für das laufende Geschäftsjahr reden müssen.
Dabei muss er die Ferrari-Welt gar nicht so schwarzmalen, wie sie abseits der Sportwagenschmiede in Wirklichkeit ist. Denn allen Kriegen, Zöllen und Ölpreis-Schocks zum Trotz wird Ferrari auch im laufenden Jahr wahrscheinlich wieder Wachstum hinlegen können. Nur vielleicht nicht ganz so fulminant wie in den vergangenen Jahren. Und dieser „etwas negativere“ Ausblick schlägt sich auch im Aktienkurs nieder. Von ihrem Hoch im Februar 2025 ist die Aktie mittlerweile knapp 200 Euro entfernt. Dabei ist das noch nichts im Vergleich zu LVMH (Mode, Spirituosen, Schmuck, Kosmetik), dessen Aktienkurs seit Anfang des Jahres um satte 30 Prozent eingebrochen ist – der schlimmste Kurseinbruch in einem einzigen Quartal inklusive der Dot.com-Bubble, der Sub-Prime-Krise und Corona. LVMH veröffentlicht seine Quartalszahlen am kommenden Montag, und auf positive Überraschungen darf man sicherlich nicht hoffen. Während im letzten Jahr durch Zölle und andere Krisen das Nettoergebnis schon um 13 Prozent eingebrochen war, wird die Krise im Mittleren Osten das Ergebnis deutlich belasten. In Dubai und Katar werden derzeit nicht ganz so viele Lederhandtäschchen verkauft. Man hat dort gerade andere Probleme.
Kering (Mode, Schmuck, Düfte) kommt am Dienstag mit seinen Zahlen für erste Quartal. Die Aktie hat in den letzten drei Monaten nicht ganz so sehr gelitten wie der Sektor. Dafür geht’s bei Kering aber auch schon seit Mitte 2021 bergab. 2025 wurde beim Nettoergebnis mit Ach und Krach eine schwarze Null erwirtschaftet. Für 2026 wurde das „Jahr des Turnarounds“ ausgerufen, aber das muss wohl noch ein bisschen warten. Denn im ersten Quartal 2026 wird dieser Turnaround sicherlich nicht passiert sein. Und wenn auch Sie, liebe Leser, nicht den Kauf von Luxusuhren, Handtäschchen und Ferraris geplant haben, dann ist auch der Ausblick für die Luxusbranche nicht wirklich rosig

Florian M. Roebbeling
Der Autor war früher bei namhaften Banken im Derivate-Geschäft tätig und hat unter anderem das erste Soft-Commodity-Zertifikat in Deutschland emittiert. Heute kommentiert er die Märkte als freier Journalist und spricht auf dem YouTube-Kanal „Tipp Checker“ über Chancen mit Derivaten.
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