Nachhaltig investieren

15.03.2024 · von Matthias Niklowitz

Die US-Börsenaufsicht SEC konkretisiert die ESG-Berichterstattung

Jetzt ist sie da: Anfang März veröffentlichte die US-Börsenaufsicht SEC ihre Regeln zur Nachhaltigkeitsberichterstattung. Nach dem Versand des Entwurfs waren über 24.000 Rückmeldungen gekommen, viele davon noch in den letzten 72 Stunden. Die SEC kommt damit zwar später als beispielsweise das europäische Klima-Reporting-Regelwerk CSRD, aber in den USA sind viele Firmen bereits zuvor dazu übergegangen, über ihre Klimabelastungen zu berichten. Sie erledigen das allerdings außerhalb der Berichtsbereiche, für die die SEC zuständig ist. Gemäß Schätzungen sind bereits 90 Prozent der im Russell 1000 enthaltenen Firmen so weit. Von diesen Firmen machen rund 60 Prozent Angaben zu den Emissionen – allerdings auch „nur“ in den Nachhaltigkeitsberichten und nicht in der Berichterstattung für die Investoren. Diese Unterscheidung ist wichtig, denn bei der Berichterstattung an die Anlegerinnen und Anleger gelten sehr strenge Kriterien für die Korrektheit der Angaben.

Darüber hinaus ist die SEC auch nicht die erste Einrichtung, die den großen börsengelisteten Firmen entsprechende Vorschriften macht. In Kalifornien wurden kürzlich drei Gesetze verabschiedet, die weitere Informationen von Unternehmen verlangen, die ihren Sitz in diesem Bundesstaat haben. Kalifornien lehnt sich diesbezüglich an die Vorgaben der Task Force on Climate-related Financial Disclosures an und schließt bei den Emissionen den Scope-3-Bereich mit ein. Die SEC hingegen verlangt nur die Angaben zu Scope-1- und Scope-2-Emissionen (das sind die direkten und indirekten eigenen Emissionen; die Scope-3-Emissionen schließen auch die der Lieferketten ein). In Europa gehören die Angaben zu Scope-3-Emissionen in der Nachhaltigkeitsberichterstattung zwingend dazu.

Anlegerinnen und Anleger finden die Daten zu den Emissionen zukünftig in den 10Q-Berichten, die von den börsengelisteten Firmen jeweils quartalsweise eingereicht werden und die für sich schon eine reichhaltige Quelle interessanter Zusatzinformationen sind. Ergänzt werden diese Informationen zukünftig auch um solche zu wetterbedingten außergewöhnlichen Ereignissen. Firmen müssen zukünftig berichten, ob und wie teuer die Schäden durch Stürme waren und welche Schäden sie selbst tragen. Es bleiben einige offene Fragen: Zunächst ist offen, wie teuer die Berichterstattung für die einzelnen Unternehmen wird. Gegenüber dem ersten Entwurf ist die Rede von 90 Prozent weniger Aufwand, zumal man die Scope-3-Emissionen weglässt – und die zu erfassen gilt als besonders anspruchsvoll. Den Einsparungen, die hier gemacht werden, stehen oft mögliche Haftungsklagen-Risiken gegenüber – und die können im Einzelfall weitaus kostspieliger ausfallen.

Und dann stellt sich die Frage, was mit den weiteren Dimensionen der Nachhaltigkeit passiert. Im Vordergrund steht der Bereich des Humankapitals und hier besonders die Themen rund um Qualifikation, Offenheit für Minderheiten sowie die Karrierechancen von Frauen in den Unternehmen.

Aufgrund der zunehmenden Bedeutung von nachhaltigem Investieren berichtet Märkte & Zertifikate weekly an dieser Stelle jede Woche über Neuigkeiten am ESG-Markt sowie über die vielfältigen Aktivitäten von BNP Paribas in diesem Bereich.

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Matthias Niklowitz

Matthias Niklowitz ist Analyst und Journalist in Zürich (Schweiz). Themenbereiche sind Innovationen, Nachhaltigkeit und Technologie. Nach dem Studium in Zürich (Sozial-, Umwelt- und Wirtschaftswissenschaften) arbeitete er in der universitären Forschung, bei Wirtschaftsmedien, in Banken und in Think Tanks in der Schweiz, in Frankreich, in Grossbritannien und in Deutschland. Matthias Niklowitz ist verheiratet, zur ganzen Familie gehören vier Kinder.

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