Nachhaltig investieren

05.07.2024 · von Matthias Niklowitz

Wie man nachhaltigen Energien zum Durchbruch verhilft

Solarmodule kosteten früher ein kleines Vermögen: Die Preise lagen in den 1950er-Jahren, als diese Technologie erst im Labor funktionierte, bei 300.000 Dollar pro Megawattstunde. Inzwischen ist man bei 20 Dollar – Tendenz weiter fallend.

Diese Technologie gilt gemäß Gregory Nemet, der vor einigen Jahren das Standardbuch zum Thema „How Solar Energy Became Cheap“ vorgelegt hat, als gutes Vorbild für weitere Technologien im Bereich der Nachhaltigkeit. Denn noch vor wenigen Jahren hatte kaum ein Experte mit dem weiteren Verfall der Preise gerechnet, wie er jetzt eingetreten ist. Wichtigste Erkenntnis: Es ist nicht so, dass ein einzelnes Unternehmen den Durchbruch ermöglicht hat. Laut Nemet gab es drei wichtige Phasen: In der ersten Phase, die bis weit in die 1990er-Jahre reichte, verbesserte man in den USA die Technologien. Danach kamen die Förderungen in Form der Einspeisevergütungen in Deutschland – damit entstand ein lohnenswert großer Markt. In der dritten Phase kam dann China ins Spiel. In den Jahren 2009/2010 wurde die Solarbranche mit billigen Milliardenkrediten gefördert, und nach 2011 gab es auch hier eine lokale Variante der Einspeisevergütung. Inzwischen befinden sich die weltweit größten Hersteller von Solarmodulen in China – und sie holen ihre Talente aus der Bekleidungsbranche. Die drei wichtigen Schritte – die Entwicklung der Technologie, der Aufbau eines Marktes und die Kostenreduktion durch die Massenproduktion – lassen sich laut Nemet auch auf andere Bereiche übertragen.

Zu nennen sind hier:

  • Lithium-Ionen-Akkus weisen ähnliche Eigenschaften auf wie Solarmodule. Sie sind vergleichsweise klein, modular aufgebaut und weisen ein einfaches Design auf. 
  • Das Gleiche gilt prinzipiell für Wärmepumpen. Auch hier gibt es rasche Fortschritte in Richtung Massenproduktion. 
  • Die sogenannten „Carbon-Removal“-Technologien, mit denen man CO2 auf unterschiedliche Weise aus der Atmosphäre holt, stehen gegenwärtig dort, wo die Solarbranche in den 1980er-Jahren gestanden hatte. Hier drängt die Zeit – man kann sich keine 20 Jahre leisten, um letzte offene Fragen hundertprozentig sicher zu regeln.
  • Ergänzende Infrastrukturen müssen vorhanden sein – bei Solarenergie traf beziehungsweise trifft das auf die Stromnetze zu, bei der Wasserstoff-Wirtschaft trifft es nicht zu.
  • Man benötigt einige Jahre der Förderung, um ganz neuen Technologien zum Durchbruch zu verhelfen. 
  • Förderungen wirken, aber man muss auch die Richtung optimieren, denn je nach Land und Markt bestehen große Unterschiede bei den Installationskosten. Für Solarmodule sind diese Kosten in den USA dreimal so hoch wie beispielsweise in Australien. 

Ungleich schwieriger zu handhaben sind globale Themen wie Standort- und Technologieförderungen, Zugriffe auf wichtige Basis-Rohstoffe wie seltene Erden und Friktionen in den Lieferketten. Die reibungslos funktionierende globale Arbeitsteilung hat der Solarenergie zum Durchbruch verholfen – und hier haben sich die Verhältnisse fundamental verändert.

Aufgrund der zunehmenden Bedeutung von nachhaltigem Investieren berichtet Märkte & Zertifikate weekly an dieser Stelle jede Woche über Neuigkeiten am ESG-Markt sowie über die vielfältigen Aktivitäten von BNP Paribas in diesem Bereich.

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Matthias Niklowitz

Matthias Niklowitz ist Analyst und Journalist in Zürich (Schweiz). Themenbereiche sind Innovationen, Nachhaltigkeit und Technologie. Nach dem Studium in Zürich (Sozial-, Umwelt- und Wirtschaftswissenschaften) arbeitete er in der universitären Forschung, bei Wirtschaftsmedien, in Banken und in Think Tanks in der Schweiz, in Frankreich, in Grossbritannien und in Deutschland. Matthias Niklowitz ist verheiratet, zur ganzen Familie gehören vier Kinder.

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