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Patient Gold
Wie lange die Hausse wohl noch die Hausse nährt?
Ein Krankenhausaufenthalt hat auch seine guten Seiten, auch für Anleger. Neulich, im Wartebereich der Patientenaufnahme, saß neben mir eine kleinere Gruppe von älteren Damen und Herren, und sie diskutierten eifrig über Gold. Was heißt diskutieren, eigentlich war man sich einig, Gold kann nur steigen, auf keinen Fall billiger werden. Ich konnte nicht alles ganz genau hören, aber von Trump war die Rede, von einer großen Unsicherheit und dass die Welt im Grunde genommen ins Chaos stürzt. So ungefähr lautete die Argumentation, auf jeden Fall, wie gesagt: Es kann mit dem Goldpreis nur nach oben gehen, so die einhellige Meinung.
Wow, dachte ich, das habe ich doch schon mal gehört – vor etwa 25 Jahren. Ein Taxifahrer in Frankfurt erklärte mir damals, dass der Neue Markt nur steigen könne. Die Unternehmen hätten alle grenzenloses Potenzial, egal welches. Na ja, wir wissen ja, was dann kam, der große „Tech-Knall“. Den Neuen Markt gibt es heute nicht mehr, und auch viele Unternehmen von damals sind verschwunden. So viel zum Thema „grenzenlos“. Nun, ich will an dieser Stelle gar nicht den Neuen Markt mit Gold gleichsetzen. Das wäre zu viel des Guten. Im Gegensatz zu einigen Aktien von damals hat Gold ja durchaus einen Wert. Rund 1.000 Dollar Produktionskosten je Unze etwa müssten hier veranschlagt werden. Und auch die Seltenheit von Gold müsste in Rechnung gestellt werden – alles jemals produzierte Gold zusammengepresst ergibt einen Würfel mit einer Kantenlänge von 21 Metern, das ist nicht viel. Wie hoch der Eigenwert von Gold ist, lässt sich aber schwer sagen. Bedenklich ist jedoch, dass in den zurückliegenden Monaten extrem viel Geld, ich nenne es mal spekulatives Kapital, in Gold geflossen ist. Getreu dem Motto „Die Hausse nährt die Hausse“ wurde 2025 allein über ETFs weltweit ein Zufluss von rund 90 Milliarden Dollar in Gold verzeichnet, was das verwaltete Vermögen der Gold-ETFs auf eine Gesamtsumme von 560 Milliarden Dollar katapultierte. Das entspricht umgerechnet beim aktuellen Goldpreis von 5.000 Dollar einer Menge von 112 Millionen Unzen Gold. Und das wiederum entspricht einem Großteil der jährlichen Nachfrage nach Gold, die sich 2025 wohl auf 176 Millionen Unzen belief.
Was, so frage ich mich, passiert wohl, wenn die Unsicherheit weicht und Anleger zumindest einen Teil ihrer Gold-ETFs verkaufen? Ob die Damen und Herren in der Patientenaufnahme dann immer noch so überzeugt sind, dass es nicht auch mal nach unten gehen kann?

Olaf Hordenbach
Olaf Hordenbach ist Chefredakteur des Kundenmagazins von BNP Paribas MÄRKTE & ZERTIFIKATE. Zuvor war er über viele Jahre Chefredakteur eines großen deutschen Börsenmagazins. Nun ist er seit 17 Jahren selbstständiger Finanzjournalist.
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