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Unheimliche Dinge
Was nächsten Freitag passiert und was das für die Börse bedeutet
Abseits der Börse, im Volksglauben, beschreibt der „Hexensabbat“ die nächtlichen Treffen der Hexen mit dem Teufel. Wie man so liest, wurde bei diesen heiteren, rituellen Zusammenkünften gesungen, getanzt und noch viel mehr unanständige Sachen gemacht – die ich an dieser Stelle nicht weiter ausführen möchte. Sagen wir einfach, derartige Feten waren wohl recht volatil.
Da verwundert es nicht, dass der Begriff des Hexensabbats in der Neuzeit von den Börsianern für den großen Verfallstag von Optionen und Futures an den Terminbörsen gekapert wurde. Denn auch der Hexensabbat an der Börse findet, wie sein Pendant aus dem Volksglauben, viermal im Jahr statt, und es geht an diesen Tagen an der Börse typischerweise sehr, sehr volatil zu. Und der nächste Hexensabbat ist der Freitag kommender Woche. Dann werden alle offenen Options- und Future-Positionen auf diesen Verfallstag abgerechnet. Und weil das Volumen des Options- und Future-Markts um ein Vielfaches größer ist als das des Kassamarkts, werden an diesem Tag exorbitante Umsätze getätigt. Dabei kommen die meisten Options- und Future-Geschäfte gar nicht zur Ausübung, sprich: Das Geschäft wird am Ende gar nicht abgerechnet. Vielmehr werden die Geschäfte vor dem Verfall durch entsprechende Gegengeschäfte glattgestellt. Das ist in fast 99 Prozent aller Fälle so.
Doch schon das Glattstellen von offenen Derivate-Positionen kann einen signifikanten Kurseinfluss auf die zugrunde liegenden Aktien haben. Wenn es zum Beispiel mehr offene Positionen in Puts als in Calls gibt, oder umgekehrt. Die Preisfindung zur Schließung dieser Positionen hat mitunter direkten Einfluss auf den Aktienpreis, da mit der Schließung des Termingeschäfts durch die Marktteilnehmer oftmals auch deren Position am Kassamarkt angepasst wird. Dazu kommt, dass viele große, institutionelle Marktteilnehmer „ihre Muskeln spielen“ lassen, um bestimmte Preisniveaus der zugrunde liegenden Aktien zu erreichen, damit sie ihre eingegangenen Derivate-Positionen gewinnbringend verkaufen oder abrechnen können.
Entsprechend weise ist es wohl, bei etwaigen Hebelprodukt-Engagements nächste Woche den Hebel etwas kleiner zu wählen. Der Markt wird ausreichend Volatilität bringen, und was wir bestimmt nicht wollen, ist, dass der Teufel unser Depot am nächsten Freitag um einen allzu wilden Tanz bittet. Das kann zwar heiter sein, aber beim Hexensabbat passieren eben oftmals auch sehr unheimliche Dinge …

Florian M. Roebbeling
Der Autor war früher bei namhaften Banken im Derivate-Geschäft tätig und hat unter anderem das erste Soft-Commodity-Zertifikat in Deutschland emittiert. Heute kommentiert er die Märkte als freier Journalist und spricht auf dem YouTube-Kanal „Tipp Checker“ über Chancen mit Derivaten.
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