Wirtschaft - Störfeuer Energie

28.01.2022 · von Olaf Hordenbach

Die Entwicklung der Verbraucherpreise in Deutschland hat nicht nur zu einer ernsthaften Belastung vieler privaten Haushalte geführt, sondern hängt auch wie ein Damoklesschwert über der Börse. Am kommenden Montag veröffentlicht das Statistische Bundesamt die mit Spannung erwarteten Daten für den Monat Januar 2022. Die gute Nachricht zuerst: Die Januar-Inflation in Deutschland wird deutlich unter der Rate von Dezember 2021 notieren. Ende des Jahres lag sie bei 5,3 Prozent. Ökonomen halten sich zwar mit konkreten Prognosen auffallend stark zurück, aber mit einem Tipp eng um die 4-Prozent-Marke herum dürfte man ins Schwarze treffen. Der deutliche Rückgang ist nahezu ausschließlich auf den Umsatzsteuer- und den CO2-Steuer-Effekt zurückzuführen.

Damit ist die Kuh natürlich längst nicht vom Eis. Eine konstante Inflationsrate in der 4-Prozent-Region würde über kurz oder lang eine Lohn-Preis-Spirale auslösen, die es zu vermeiden gilt. Wie sieht es also bei anderen Preistreibern aus? Einen wichtigen Block bilden die Energiepreise, also Rohöl und Erdgas. Das Statistische Bundesamt hat ermittelt, dass die Energiepreise bei der Teuerungsrate des Jahres 2021 einen vollen Prozentpunkt ausgemacht hatten. Im laufenden Jahr dürfte sich deren Verteuerung jedoch zumindest verlangsamen und der Beitrag zur Inflationsrate auch wegen des Basiseffekts, also des bereits im Vorjahr höheren Preisniveaus, niedriger ausfallen. Darauf deuten die Entwicklung des Gaspreises, der von seinen Höchstkursen schon deutlich zurückgekommen ist, und die bereits angekündigte Erhöhung der Ölförderung durch die OPEC+-Länder hin. Bleiben als signifikante Preistreiber noch die bekannten Engpässe in den Lieferketten. Um die Lage dort mit einer Kennzahl griffig beurteilen zu können, wurde der „Global Supply Chain Pressure Index“ entwickelt. Dieser zeigt zwar aktuell ein Höchstmaß an Stress an, gleichzeitig scheint der Index jedoch ein Plateau erreicht zu haben. Ökonomen leiten daraus die Hoffnung auf eine langsame Verbesserung der Liefersituation ab.

Unterm Strich steht somit die Aussage, dass der Höhepunkt der Inflationsentwicklung überschritten sein könnte und die monatlichen Raten im Laufe des Jahres sukzessive unter die Marke von drei Prozent fallen dürften. Störfeuer könnte wie immer bei Inflationsszenarien von den Energiepreisen kommen, die sensibel auf weltpolitische Ereignisse reagieren.

 

Franz Schober

Der Autor ist Steuerberater im Tax Department Germany der BNP Paribas S.A. Niederlassung Deutschland. Zuvor war er als Steuerberater bei einer Beratungsgesellschaft und einem inländischen Kreditinstitut tätig. Er ist auf die Besteuerung und Strukturierung von Kapitalanlagen spezialisiert und Autor zahlreicher Fachbeiträge.

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